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Napoleon im Directors Cut

Ich liebe Historienverfilmungen. Für Napoleon hatte ich daher eigens ein Apple-TV-Abo abgeschlossen – in der Erwartung, endlich wieder ein großes, ernsthaftes Historienepos zu bekommen. Umso erstaunlicher war es, dass es dann doch länger dauerte, bis ich mir diesen Film tatsächlich ansah. Vielleicht, weil die ersten Reaktionen bereits Zweifel säten. Vielleicht, weil man früh spürte, dass hier weniger Geschichte als Haltung verhandelt wird.
Das Leben Napoleons in einen mitreißenden Kinofilm zu pressen, ist ein nahezu unmögliches Unterfangen. 61 dokumentierte Schlachten, ein politischer Umbruch von epochaler Wucht, eine der prägendsten Figuren der europäischen Geschichte – irgendetwas muss zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Die Frage lautet also nicht ob man kürzt, sondern was man auswählt und dem erlauchten Zuschauer erzählen möchte.
Die großen Schlachten sollten ihren Platz haben, ebenso die leidenschaftliche Beziehung zu Joséphine – jener Frau, der Napoleon zahllose Briefe schrieb und die Ridley Scott nach eigener Aussage intensiv studierte. Aus diesem Material wollte Scott sein Epos formen. Herausgekommen ist jedoch weniger ein historisches Drama als ein hastiger Ritt durch die Weltgeschichte im Zeitraffer – eine Revolution ohne Herz, ein Kaiser ohne inneres Zentrum.
Ein Film, der Historiker verachtet – und Geschichte gleich mit
Ridley Scott entscheidet sich früh dafür, sich für vieles, was diesen Stoff eigentlich spannend gemacht hätte, kaum zu interessieren. Die Französische Revolution, der Zusammenbruch des Ancien Régime, die radikalen Hoffnungen wie auch die realen Exzesse dieser Epoche dienen nicht als historischer Resonanzraum, sondern lediglich als Kulisse für eine moralisierende These: Massenpolitik ist gefährlich, Revolutionen enden zwangsläufig im Blut – und am Ende braucht es den starken Mann.
Von den ersten Bildern an hat Napoleon ein Problem. Der Blick auf Revolution und Macht ist nicht komplex, sondern stark vereinfacht. Die Revolution wird, wenn sie überhaupt thematisiert wird, fast ausschließlich als Gewaltexzess und demokratisches Scheitern dargestellt. Man kann das durchaus als konservative Grundthese des Films bezeichnen. Sie macht Napoleon aber leider historisch ungenau – und erzählerisch erstaunlich schwach.
Dass Ridley Scott offen erklärt, er brauche keine Historiker, spürt man diesem Film in jeder Minute an. Napoleon hetzt mit atemloser Geschwindigkeit durch drei Jahrzehnte Weltgeschichte und reiht ikonische Ereignisse aneinander, ohne sie politisch oder dramaturgisch zu durchdringen: Toulon, Ägypten, Austerlitz, Borodino, Waterloo – alles ist da, alles sieht in seiner Bildsprache beeindruckend aus, und doch bleibt kaum etwas hängen. Umso irritierender ist, dass mit der Völkerschlacht bei Leipzig ausgerechnet eine der entscheidendsten Schlachten komplett fehlt.
Keine echte Figur, kein innerer Konflikt
Joaquin Phoenix verfügt über Schauspielerqualitäten im Überfluss, und Ridley Scott hat schon in Gladiator von seinen besonderen schauspielerischen Fähigkeiten gebrauch gemacht. Doch Ridley Scott nutzt sie HIER nur selten. ( Phoenix soll Notizen ins Drehbuch geschrieben haben, die von Scott aufgenommen wurden, ob das eine gute Idee war?) Statt Napoleon als widersprüchliche, getriebene und durchaus faszinierende Figur zu zeichnen, bleibt er über weite Strecken ein seltsam statischer Akteur – kühl, berechnend, dann unmittelbar aufbrausend, aber innerlich erstaunlich leer. Das ist insoweit tragisch, den so hat Ridley Scott es verpasst ein Napoleon Juwel zu schaffen. Wann wenn nicht jetut hätte man all die Voegängetfilme in den Schatten stellen können, denn aus Napoleon Bonaparte hätte man ein leidenschaftliches psychologisches Drama formen können. Scott entscheidet sich jedoch für Distanz statt Tiefe. Natürlich hat auch das seinen eigenen Reiz.
DIe Beziehung zu Joséphine (Vanessa Kirby) bietet IN der Dirctors Cut Fassung mehr Screenzeit, jedoch fehlen hier leider Momente echter Emotionalität, ( Ridley Scott teilte in einem Interview mit, dass die vielen Briefe, die Napoleon an Joséphine geschickt hat größtenteils ungeöffnet blieben, hieraus zieht er den Schluss, das sie ihn nicht wirklich liebte. Das kommt auch in einigen Szenen gut durch. Meistens läuft es auf ein achnelle Sexszene hinaus,in der Joséphine bedenklich unbeteiligt bleibt, das kommt besonders im Directors Cut durch, wo dieser ungewöhnlichen Liebschaft mehr Raum gegeben wurde. Aber auch hier wirkt sie noch wie ein dramaturgisches Bindeglied zwischen zwei Schlachten als wie die emotionale Achse des Films. Die häufig eingesetzten eher unreotischen Sexszenen tragen wenig dazu bei Nähe oder Zärtlichkeit zu vermitteln
Wenn Napoleon gesteht: „Ohne dich bin ich ein Nichts“, glaubt man ihm diesen Moment – kurz. Doch kaum ist die Szene vorbei, verschluckt die Machtpolitik jede Menschlichkeitder Figur Napoleons. Die spätere Trennung aus dynastischem Kalkül ist folgerichtig erzählt, aber emotional erstaunlich wirkungslos und scheint nur ein abhaken auf einer Liste zu sein. Große Gefühle werden behauptet, jedoch im Film leider nicht erlebt. Das ist besonders schade, denn ich hätte mir durchaus vorstellen können, das diese Verbindung dem Film mehr Tiefe hätte geben können. Dafür hätte man vielleicht auf eine Schlacht verzichten können. Hmm, auch nicht wirklich.
Spektakel statt Substanz
Eines muss man Ridley Scott natürlich lassen: Er kann Schlachten inszenieren., oh ja das kann er. Austerlitz auf dem zugefrorenen See ist visuell grandios in Szene gesetzt. fast grausam präzise, und gehört zu den stärksten Momenten des Films, jedoch auch hier leider historisch falsch. Auch Paris als brodelnder Machtkessel, Robespierres letzter Auftritt oder die Intrigen der politischen Eliten sind atmosphärisch dicht und handwerklich souverän umgesetzt.
Doch je größer das Spektakel, desto deutlicher wird, was fehlt. Über Napoleons Reformen erfährt man praktisch nichts. Kein Code Napoléon, keine Verwaltungsmodernisierung, keine Ambivalenz seiner Herrschaft. Ebenso wenig thematisiert der Film die Wiedereinführung der Sklaverei in Haiti oder die sozialen Kosten des Imperiums. Geschichte wird auf Macht, Krieg und Privatleben reduziert – alles andere scheint nur zu stören. Das ist schade und so wird eine große Chance vergeben, einen Napoleon zu zeichnen, wie er wirklich war, denn wenn Ridley Scott wirklich alle noch vorliegenden Briefe gelesen hat, hätte er vielleicht diesen Menschen besser verstehen können.
Ridley Scott verteidigt die Abweichungen seines Napoleon-Films von der Geschichte, indem er betont, dass es sich um ein Biopic und keine Dokumentation handelt und er die Realität für die Dramatik anpassen musste; er argumentiert, dass Historiker keine Ahnung haben, wie es wirklich war und er historische Fakten für seine künstlerische Vision ignoriert, indem er beispielsweise die Liebesgeschichte mit Josephine in den Fokus rückt und Schlachten vereinfacht oder verfälscht, um die Narrative zu dramatisieren, für eine großartige Kinogeschichte.
Director’s Cut: Mehr Material, gleiche Probleme
Der Director’s Cut erweitert den Film spürbar. 48 Minuten mehr Matetial wird dazu genutzt die Beziehung zu Joséphine zu vertiefen, es gibt extravagantere Kostüme, neue Kulissen und mit der Schlacht von Marengo sogar bislang unveröffentlichtes Material im Directors Cut auf Apple TV. Auch Napoleons Niedergang – vom Attentatsversuch bis zur Russland-Invasion – erhält mehr Screenzeit im Film.
Doch trotz dieser Ergänzungen bleibt das Grundproblem bestehen. Mehr Laufzeit bedeutet hier nicht automatisch mehr Erkenntnis. Der Director’s Cut ist kein Totalausfall, aber auch keine grundlegende Neubewertung – vielmehr eine verlängerte Version derselben dramaturgischen und historischen Vereinfachungen..
Budget, Box Office & Kritiken
Napoleon war eine der teuersten Produktionen des Kinojahres 2023. Das Budget wird auf 130 bis 200 Millionen US-Dollar geschätzt. Weltweit spielte der Film rund 222 Millionen Dollar ein – respektabel, aber angesichts der Kosten kaum ausreichend, um als finanzieller Erfolg zu gelten.
Das kritische Echo fiel entsprechend zwiespältig aus – wobei ein entscheidender Punkt häufig übersehen wird:
Alle veröffentlichten Kritiken beziehen sich ausschließlich auf die Kinofassung, nicht auf den später erschienenen Director’s Cut.
Rotten Tomatoes weist 58 % positive Kritiken (Ø ca. 6,2/10) aus, Metacritic kommt auf 64/100. Technisch beeindruckend, inhaltlich unbefriedigend – so lässt sich der Tenor gut zusammenfassen. Diese Bewertungen beurteilen jedoch eine Fassung, die Ridley Scott selbst nie als endgültig betrachtet hat.
Bemerkenswert – und fast schon ironisch – ist zudem, dass Scott bestätigt hat, eine weitere, noch längere Fassung des Films fertiggestellt zu haben. Ob und in welcher Form diese Version veröffentlicht wird, ist offen. Angesichts der bisherigen Schwächen stellt sich jedoch die Frage, ob zusätzliche Laufzeit tatsächlich zu mehr Tiefe führen würde – oder lediglich zu einer weiteren Variation desselben Problems.
Bild & Ton – Heimkino-Oberliga
Visuell spielt Napoleon in der Oberliga. Die Oscar-Nominierungen für Szenenbild, Kostümdesign und visuelle Effekte kommen nicht von ungefähr. Die Apple-TV-UHD-Fassung liefert ein herausragend scharfes, außergewöhnlich detailreiches Bild mit bewusst kühler Farbgebung, die perfekt zur distanzierten Grundhaltung des Films passt. Texturen, Tiefenstaffelung und Bildstabilität bewegen sich auf Referenzniveau.
Auch der Dolby-Atmos-Mix überzeugt mit präziser Ortung, realistischen Effekten und einem kraftvollen, aber nie übertriebenen Tieftonfundament. Gerade die Schlachten entfalten eine beeindruckende Räumlichkeit und machen im Heimkino enormen Spaß.
Fazit
Napoleon ist kein schlechter Film – Ridley Scott liefert Weltgeschichte im Zeitraffer, opulentes Ausstattungskino und einige starke Einzelbilder, verweigert sich jedoch konsequent der Komplexität der Figur Napoleons
.
Visuell und akustisch ist der Film ein Ereignis, dramaturgisch und historisch jedoch erstaunlich einsilbig. Für Heimkino-Enthusiasten ist die Apple-TV-UHD-Fassung klar empfehlenswert. Wer jedoch auf ein echtes episches Drama über Napoleon Bonaparte hofft, wird trotz aller Pracht eher ernüchtert zurückbleiben.
Am Ende bleibt die Ironie, dass ausgerechnet ein Film über Napoleon Bonaparte so wenig Mut zur Größe besitzt. Vielleicht tut man Ridley Scott aber auch Unrecht, denn der 4,5 Stunden Cut fehlt ja noch bisher.
Es zeigt sich wie so oft, das es Filme gibt, die im Kino ihre Wirkung verfehlen, wenn man sie zurecht stutzt auf eine kinotaugliche Laufzeit.
Es gibt auch Geschichtsgrößen dei kann man nicht in einen Kinofilm pressen. Napoleon gehört m.E. dazu.
Für mich ist die Hauptprotagonistin Vanessa Kirby. Sie bringt trotz ihrer ebenfalls eher unterkühlten Darbietung die wärmste Person in dieses Historienepos. Joaquin Phoenix bleibt wirklich blass, ob gewollt oder nicht. Zudem werden einige der historisch belegten Schlachten vereinfacht (Austerlitz, Waterloo) oder ganz weggelassen) und leider der Dramartugie geopfert. Hier wäre vielleicht insgesamt weniger mehr gewesen.
Ridley Scott ist ein grandioser Filmemacher und hat uns einige wirklich spektakuläre Epen geschenkt. Dass er sich mit mittlerweile 88 Jahren überhaupt noch an solche Filme heranbegibt zollt ihm riesigen Respekt. Wer macht das schon.
Ich möchte den Film als Film nicht schmälern, zumal ich solche Schinken gerne sehe, auch wenn er historisch unkorekt ist. Nur sollte er auch als Film in sich plausibel sein. Das schafft der Directors Cut etwas besser als die Kinofassung.
„Wenn ich Probleme mit Historikern habe, frage ich: Entschuldigung Kumpel, warst du dabei? Nein? Dann halt gefälligst die Klappe.“
So oder so ähnlich sagte es wohl mal Ridley Scott selbst.
Bewertung: Schwierig- 6 5 von 10 Punkten in der DC Fassung
Bild: 9 von 10
Ton:8 von 10
Noch etwas zum Ende:
In Zeiten der Fakenews, ist es m.E. durchaus relevant Geschichte zumindest annähernd treu zu erzählen. Wenn man es denn nicht besser weiß, lässt man es besser weg oder erklärt, warum macn es nicht macht. Gerade Ridley Scott müsste es besser wissen, hat er doch bereits 1977 einen Film im Dunstkreis von Napoleon gedreht.
In diesem Sinne
Eure Charlys Tante
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