Mit dieser Verfilmung von Tennesse Williams Theaterstück spielten sich Taylor und Newman in die erste Gehaltsliga Hollywoods.
Der Patriach "Big Daddy" (Burt Ives) kehrt von einer medizinischen Untersuchung auf seine 28.000 Hektar große Farm zurück, um dort im Kreise seiner Ehefrau (J.Anderson), den beiden Söhnen Brick (Newman) und Cooper (Jack Garson) und ihren Gemahlinnen (E.Taylor und Martha Sherwood), seinen 65 Geburtstag zu begehen.
Schon am Flughafen winseln Cooper und Mae's 5 Sprößlinge, auf süß und nett getrimmt, in einer Lärmbelästigungskapelle vereinigt, mit penetranter Vehemenz um Big Daddy herum, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Mae und Cooper überbieten sich währenddessen schon auf dem Rollfeld mit Glückwunschsbekundungen, daß es einem nur so duselig wird. Schnell wird klar, hinter diesem unnatürlich afffektiertem Handeln steckt eine manipulative Absicht: Cooper und die Schnepfe Mae rechnen mit dem baldigen Ableben Big Daddys und wollen sich für das ausstehende Erbe in ein möglich günstiges Licht rücken.
Maggie und Brick hingegen versuchen erst garnicht, ihre Krise zu verbergen. Ihre Ehe ist ein Scherbenhaufen und Brick hat sich nach dem Tod seines besten Freundes mit Haut und Haar dem Alkohol verschrieben. Maggie, obwohl von Brick mit Verachtung und Spott bedacht, kämpft um die Liebe und Anerkennung ihres attraktiven und potentiell reichen Mannes.
Wie für ein Theaterdrama üblich, werden hier mit schonungsloser Offenheit seelische Abgründe und psychische Qualen überhöht dargestellt und dem Voyeur zum Fraß vorgeworfen. Auf Konventionen und guten Umgangston pfeifend, entblößt man rücksichtslos im Streit die eigene Seele und die des Anderen. Befreit vom Korsett der Höflichkeitsfloskeln und guten Erziehung, pfeffert man sich den Haß auf die Verwandtschaft, sich selbst und die Verlogenheit in den Familienbeziehungen gegenseitig um die Ohren.
Während Big Daddy an der Geburtstagstafel im Garten von den 5 Plagegeistern mit Glückwunschsbekundungen terrorisiert und von deren Eltern, Cooper und Mae, in Gefälligkeitsgesten erstickt wird, eskaliert der Streit zwischen Brick und Maggie, die auf Grund einer Fußverletzung Bricks ihrem Zimmer bleiben, immer mehr. Im Mittelpunkt ihres Gefechtes, steht der Selbstmord des besten Freundes und Sportkammeraden Bricks, Skipper, der Lebensinhalt und -elixier Bricks gewesen ist und an dessen Tod Maggie nicht unbeteiligt sein soll.
Als Big Daddy das Zimmer von Bricks und Maggie betritt, um sich deren Glückwunschsegen abzuholen, ist der Streit in vollem Gange. Big Daddy, ein Unternehmerurgestein alter Schule, ist von der Offenheit des Konfliktes angetan und steigt sofort mit ein. Mae ist mit ihren 5 Blagen und einer überdimensionierten Geburtstagstorte in den Händen dem Big Daddy eilig hinterhergejuckelt, um bloß keine Symphatiepunkte an Brick zu verlieren. Für dieses devote Gebuckel erntet sie jedoch von dem Familienoberhaupt nur Verachtung. Ihm geht diese offensichtliche Erbschleicherei gehörig gegen den Strich und Mae, die hyperaktive Schnattergans holt sich hier eine blutige Nase.
Big Daddy muß sich jetzt von Brick die Vorwürfe gefallen lassen, immer nur ans Geschäft
gedacht, und Liebe durch Geld und Geschenke ersetzt zu haben.
Während des Streites zieht draußen ein Gewitter auf. Auch wenn Gewitter als dramaturgische Begleitmusik etwas überstrapaziert sind, hier paßt es hier doch ganz gut, da seine symbolischen zerstörerischen wie auch reinigenden Kräfte als Allegorie gut zum Geschehen im Farmhaus passen.
Während dieses Sturmes kommt es innerhalb der Familie zu komplexen, reinigenden, klärenden Prozessen, in denen alle wichtigen Themen und Emotionen wie Tod, Liebe, Heuchelei, Wahrhaftigkeit, Eifersucht, Neid und Haß in einem psychologischen Gärungs- und Klärungsprozess vermischt, getrennt, zerhackstückelt, wieder zusammengefügt und schließlich dem erhellendem Lichte der Erkenntnis zugeführt werden.
Psychologisch gekonnt seziert hier Tennesse Williams die menschliche Psyche und ihre komplexen Triebfedern in ihren sozialen Interaktionen. Williams bleibt dabei aber immer Realist. Auch wenn diese Famielientherapiesitzung außer Kontrolle zu geraten scheint, sie würde jeden Psychologen die Freudentränen in die Augen treiben. Soviel Offenheit, Selbstreflexion und Veränderungswillen wie hier, kann ja in der Praxis schließlich erst nach jahrelanger Auf- und Vorbereitung und geplünderter Klientenkasse erreicht werden.
Der Autor ist jedoch nicht naiv und gibt sich nicht der romantischen illusion hin, die menschliche Natur könnte im bloßen Gespräch überwunden und geläutert werden. Zu tief sitzt dem Menschen der giftige Stachel des Egoismuses und der Niedertracht im Fleisch, als daß er um des Altruismus wegen auf seine kleinen Glücksmomente verzichten möchte.
Denn noch während des Streites geht das Gelüge weiter. Bis auf Big Daddy selber, wißen nämlich alle, das er todkrank ist, aber keiner traut sich zunächst, seinen neu aufkeimenden Lebensmut zu zerstören. So läßt man ihn in all den Gesprächen Pläne machen, wodurch die ganzen Konversationen und Vorwürfe fast zur Farce verkommen, da man genau das vorlebt, was man dem anderen ankreidet.
Und selbst als diese letzte Blockade überwunden, der letzte Schleier gefallen ist und Big Daddy um sein Schicksal weiß, beginnt nach einer kurzen Phase der Stille, der Einkehr und der Wahrhaftigkeit, die Spirale von Lüge und Manipulation von neuem.
Maggie berichtet dem sterbenden Patriarch, daß sie schwanger ist, und sein Lieblingssohn nachkommen haben werde. Die Erbfolge ist gesichert.
Die Frage, ob das Lügen hier unmoralisch ist oder nicht wird damit nicht beantwortet. Big Daddy kann nun in Frieden sterben, Cooper und Mae werden jedoch im Erbstreit ausgestochen. Klar wird hier, wie komplex und doppelbödig der Mensch ist, und das unsere orthodoxen Vorstellungen von Moral und Ethik der Alltagswirklichkeit und seiner Natur nicht gewachsen sind.
Die Katze auf dem heißen Blechdach gehört zum inneren Kanon der großen Hollywooddramen und hat bis heute nichts von seiner Aktuallität eingebüßt, da hier die ewig gleiche Natur des Menschen behandelt wird, die sich, obwohl ständig im Fluß und im Wandel, im Kern nicht wesentlich verändert hat.
Die Leistungen von Taylor und Newman sind über alle Zweifel erhaben und wurden auch schon zur Genüge gewürdigt. Sie rufen meisterhaft, mit überzeugender Emotionalität und Einfühlungsvermögen vorgetragen, mit ihrem Zorn, Haß, Wut, Geschreie, dem Zynismus, der Verzweiflung, der Hoffnung und der Scheinheiligkeit etc. etc., beinahe das gesamte Repertoire der menschlichen Eigenschaften und Gefühlregungen ab, und fesseln den Zuschauer von ihrer ersten Scene an.
Aber auch Burl Ives als übermächtiger und schwergewichtiger Patriarch, der mit seiner Präsenz und Energie alles plattwälzt und niedermacht, was sich ihm entgegenstellt ist eine Idealbesetzung.
Nicht minder perfekt gecastet ist jedoch auch Madeline Sherwood als Mae. Schon rein äußerlich als Schnepfe zu erkennen, schafft sie es vorzüglich, alle Antipathien auf sich zu versammeln. Gackernd, nervend und scheinheilig ist ihr Wesen, so daß die Einheit zwischen äußerer Abstoßung und unterentwickeltem Charakter vollendet ist. Sherwood repräsentiert nahezu archetypisch die Eigenschaften, die einem gesunden, fröhlichen Wesenskern von Natur aus zuwider sind.
Klasse!
Zu vergleichen ist der Film am ehesten mit dem in der gleichen Liga spielenden "Wer hat Angst vor Virginia Woolf", mit Taylor und ihrem On/Off Schatzilein Richard Burton.
bewertet am 21.09.16 um 17:48