Abbottabad, Pakistan, 2. Mai 2011: Teile der Navy SEALS DEVGRU, früher bekannt als SEAL Team Six, landen mit 2 modifizierten Blackhawk-Hubschraubern in und auf einem Anwesen und schalten den Staatsfeind Nr. 1 der USA, Osama bin Laden mit einigen Verwandten aus.
"Code Name: Geronimo" setzt einige Monate vor der Operation an zu einem Zeitpunkt, als der CIA bereits durch Observation verschiedener Kuriere und ihrer Wege davon überzeugt war, dass sich Osama bin Laden in dem beobachteten Anwesen in Abbottabad aufhielt. Der letzte Beweis fehlte allerdings, und so kommt eine beinahe besessene Agentin auf eine Idee, die einen DNA-Vergleich ermöglicht.
"Code Name: Geronimo" setzt beim Zuschauer ordentlich Basiswissen voraus und hält sich nicht lange mit der Vorgeschichte und Gründen für die Liquidierung auf. Warum auch, schließlich stand die Person bin Laden, Al Quaida und nicht nur die Geschehnisse vom 11. September 2001 immer wieder im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Seit den Neunzigern wurden im Namen bin Ladens durch Al Quaida-Mitglieder immer wieder schreckliche Terrorakte vollzogen, die nicht nur Amerikaner und Angehörige der amerikanischen Streitkräfte trafen, sondern alle Teile der Welt mit Angst und Schrecken überzogen (Luxor 1997 68 Tote, Anschäge auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam, 228 Tote, Madrid 2004 191 Tote, 2005 London und Bali 79 Tote; um nur einige wenige zu nennen).
Der Film verzichtet auf jegliche effekthascherische und plakative Darstellung, sondern schildert beinahe dokumentarisch, aber deswegen nicht minder spannend die Geschehnisse während der letzten Monate, als US-Präsident Obama nur auf den letzten Beweis wartete, um die Kollateralschäden zu minimieren. "Code Name: Geronimo" empfand ich sauspannend, leider wurden die SEALs trotz des Versuches, ihre emotionale Bindung zum familiären Umfeld aufzuzeigen, sehr stereotyp dargestellt; vor allem Robert Knepper zeigte den Teamführer als relativ seelenlose Soldatenmaschine.
Die Vorbereitung der Eliteeinheit zeigt, wie professionell man sich auf die Operation vorbereitet; die eigentliche Stürmung des Anwesens zeigt eindrucksvoll, wie ungeheuer schwierig Operationen dieser Art bei Nacht sind: so müssen große Kinder und Jugendliche von kleinen, gleich angezogenen Erwachsenen unterschieden werden, hinzu kommt, dass hier wiederum in Sekundenbruchteilen darauf geachtet werden muss, ob besagte Person bewaffnet ist. Das alles wird durch Ego-Shooterperspektiven in Dunkelheit oder mit Nachtsichtgeräten, unter Stress, Lärm und Beschuss gezeigt und bringt das Erlebnis des einzelnen SEALs beeindruckend nahe herüber.
By the way: dass nicht die eigentlich eingesetzten Maschinen, die Prototypen mit streng geheimen Stealth-Eigenschaften, für den Film zur Verfügung gestellt wurden, leuchtet zumindest mir ein. Selbst die Fluggeräte optisch nach (vermutlich kaum so ohne weiteres erhältlichen) Photos nachzubauen, dürfte die Pflicht zur Geheimhaltung verletzen.
Beim Bild sind eigenartigerweise alle Szenen von Überwachungskameras annähernd tadellos; hier passt die Schärfe und der Detailreichtum. Bei den restlichen Einstellung ist ab und an eine gewisse Unschärfe fest zu stellen; das schätze ich allerdings als Stilmittel ein, um den Doku-Look zu unterstreichen. Der Schwarzwert ist schon fast zu gut, so dass bei der Erstürmung einige Details verloren gehen.
Tonal ist die Scheibe annähernd perfekt abgemischt. Bass und Dynamik sind immer dann prägnant da, wenn benötigt; und über allem schwebt der wirklich eindringliche Score, der nachhaltig die Spannung unterstützt. Die Rears werden stets angesteuert, so dass man immer von einer Surroundkulisse umhüllt ist. Klasse.
Bei den Extras hätte ich mir ein paar Dokus zu "Neptune´s Spear" gewünscht bzw. zu Al-Quaida und den SEALs, da hätte ein bisschen mehr drauf sein dürfen. Die Veröffentlichung hat ein Wendecover.
Mein persönliches Fazit: "Code Name: Geronimo" hat mich beeindruckt. Der Film ist sehr spannend und realistisch; lediglich die Darsteller der Soldaten wirken ein wenig unecht und hölzern. Ich vergebe volle Punktzahl, obwohl dann die Bewertungskriterien für "Zero Dark Thirty" wohl nicht mehr ausreichen: in den Händen von Kathryn Bigelow und mit ordentlichem Budget wird die Verfilmung des Stoffs sicherlich hammermässig.
Am Ende des Films wird die Freude über bin Ladens Tod bei den Mitarbeitern in der Kommandozentrale gezeigt. Kanzlerin Merkel wurde seinerzeit für ihre Freude über den Tod dieses Terroristen in einigen Medien nicht wenig gescholten. Darf man sich nun über den Tod eines solchen "Menschen" freuen?
Na und ob.
bewertet am 26.01.13 um 12:26