Guyana: an den dortigen Goldvorkommen wollen sich legale und natürlich, wie an den Diamanten Afrikas; illegale, halbseidene und zwielichtige Organisationen bereichern und das schnelle Geld machen. Virgil, ein Hubschrauberpilot, kommt auf die Idee, einen Konzern um 600 Kilo Gold zu erleichtern, dem ohnehin nicht gerade der Ruf anhaftet, nur Menschenfreunde als Mitarbeiter eingestellt zu haben. Gesagt, getan: mit vier Komplizen zieht er den Coup durch, doch wegen Virgils großem Herzen geht was schief, und es kommt, was kommen muss: die Gruppe muss im Dschungel notlanden, hat eine 600 kg schwere Last zu transportieren, die rauhe Natur mit nicht gerade gangbarem Gelände gegen sich und wird gejagt. Aber das ist nicht alles..
Eric Besnard versuchte, mit "600 kilos d`or pur" einen Abenteuerfilm in bester Tradition von Klassikern wie "Lohn der Angst" und "Der Flug des Phönix" zu inszenieren, dieser Versuch ist nur zum Teil gelungen. Während bei den genannten auch in zeitweisen Phasen des "Leerlaufs" die Spannung hochgehalten wird, entsteht sie in diesem Film eigentlich erst gar nicht. Bei der Charakterzeichnung wurden viele Klischees aus Klassikern bedient: warum raufen sich Menschen, die sich größtenteils entweder kaum kennen oder wenn, dann nicht mal leiden können, ausgerechnet zu Verbrechen zusammen? Man weiß es nicht. Zudem kämpft die Story mit zu vielen Logiklöchern und Unglaubwürdigkeiten, die in Verbindung mit einigen ungeschickten Schnitten den gesamten Storyverlauf ab und an recht holprig wirken lassen. Sieht man sich an, wie ausgefeilt der Coup selbst vorgenommen wurde, verwundert es sehr, dass die Gruppe keinen Plan B hat, und der Gedanke, dass eigentlich nur 5 Personen 600 kg Gold auf Behelfstragen mal eine Weile durch den Dschungel zerren ist einfach grotesk. Dazu kommt dann noch ein plötzlich durchgeknallter, der Goldstaub isst und ähnlicher Quark. Wie kann man denn trotz GPS in die genau entgegengesetzte, falsche Richtung laufen?! Der Film begann vielversprechend und driftete ab dem Absturz in die Unglaubwürdigkeit ab. Schade, denn "600 kg pures Gold" wartet mit einigen ungewöhnlichen und sehenswerten Kameraeinstellungen auf.
Das Bild ist toll, gar keine Frage. Die Totalen des Dschungels begeistern; jede Einzelheit ist sichtbar, Poren in Gesichtern und einzelne Haare bleiben stets erkennbar. Die Farben sind meist natürlich und selten verfremdet, der Kontrast wie auch der Schwarzwert perfekt gewählt.
Die Tonspur ist auf den ersten "Blick" äußerst beeindruckend, weil die Geräuschkulisse sehr schön in das heimische Wohnzimmer übertragen wird. Die Räumlichkeit ist außerordentlich: permanent schreien Affen aus den Ecken, zwitschern Vögel aus den anderen Ecken und Insekten summen um den Zuschauer herum. Allerdings ist das Sounddesign beim genaueren Hinhören nicht gelungen, denn die Richtung der Geräusche stimmt öfter mal nicht mit der Richtung der Geschehnisse auf dem Bildschirm überein. Für mein Empfinden war zudem der Soundtrack doch recht häufig unpassend gewählt und untermalt das gezeigte etwas überdramatisch.
Von Extras gibt es auf der Veröffentlichung kaum eine Spur, die BD hat auch kein Wendecover. Die Amaray selbst ist goldfarben, mal was anderes.
Mein persönliches Fazit: nach durchaus ansprechendem Beginn wird der Film zum Teil so unglaubwürdig, dass er bei aller Ernsthaftigkeit beinahe unfreiwillig komisch wirkt. Den Rest kriegt der Streifen durch die Überdramatisierung, erzielt durch den teils unpassenden Score. Kann man mal sehen, muss man nicht. Aber bitte nicht allzu sehr dabei denken.
bewertet am 20.10.12 um 13:31