Der Film dürfte den meisten bekannt sein, wenn nicht, ist auch nicht so wichtig, da sich die Geschichte meines erachtens qualitativ nicht besonders von anderen seinerzeit produzierten (von mir gern gesehenen) Agenten-(Spionage-, Polizei-,Detektiv- und Gangster-)filmen ala Humphrey Bogart unterscheidet.
Was diesen Film allerdings so außergewöhnlich macht sind die vielen stimmungsvollen und hervorragend ausgeleuchteten Nacht und Nebelszenen mit Ihren expressionistisch anmutenden Schattenspielen, sowie die starken Kontraste in den Gesichtern und Kulissen des düster morbiden Nachkriegwiens.
So war ich neugierig, was aus diesem besonderen Filmkunstwerk von 1949 noch rauszuholen gewesen ist. Und leider muß ich sagen, daß mich das, was rausgeholt wurde, enttäuscht hat. Fast über die gesamte Länge wirkt das Bild zu blaß und zu weich , so als ob eine Milchglasscheibe über dem Film liegt, die den Großteil seiner visuellen Kraft zunichte macht.
In einzelnen Scenen ist auch zu beobachten, daß Lichtreflexionen auf der Haut zu breiigen, beweglichen Flächen verschwimmen (sieht sehr digital aus), was das Sehvergnügen noch zusätzlich reduziert.
Das letzte Drittel vom Film ist dann sogar von Scenen geprägt, in denen die Bilder von vertikalen weißen Streifen durchzogen sind. Das wirkt dann richtig lieblos restauriert, ist ärgerlich und diesem Klassiker (auf Bluray) nicht angemessen. Bei einem Film, der so von seiner Bildsprache lebt und filmhistorisch solche Bedeutung hat, muß bei der Digitalisierung größten Wert auf die bestmögliche Bildqualität gelegt werden. Das ist hier eindeutig unterlassen worden. So bleibt die Canal Collection ihrer Linie treu und vermasselt mal wieder einen Klassiker. Der Name ist hier wohl Programm. Und die Qualität wird wohl nicht eher Einzug in die Kanal Kollektion finden, bevor die Filmfans den Technikern dort nicht das Zepter aus der Hand gerissen haben.
Fazit: Ich weiß nicht, was bei solch altem Ausgangsmaterial überhaupt rauszuholen ist, Fakt ist aber, daß das Resultat nicht sonderlich überzeugt und das Gefühl hinterläßt, daß mit heutiger Technik auf jeden Fall mehr drin gewesen wäre. Und das beweist ja auch die Ausgabe der Criterion Collection, die ARTHAUS wohl besser übernommen hätte.
Fairerweise muß ich aber auch sagen, daß mir die beschriebenen Mängel vor allen Dingen auf meiner Leinwand sauer aufgestoßen sind und der Sehgenuß am Fernsehen weit weniger gestört ist!!!
bewertet am 13.10.10 um 22:01