Wer dachte, der erste animierte Klempner-Ausflug war ein bunter Trip, der hat den „Super Mario Galaxy Film“ noch nicht gesehen. Dieser Film hat kein Pacing, er hat eine Warp-Röhre. In knackigen 95 Minuten prügeln die vier Regisseure unter stetem Blick von Mario Erfinder Shigeru Miyamoto eine Action-Sequenz nach der nächsten raus. Keine Längen, kein Atmen, nur reiner, ungefilterter Pixel-Wahnsinn. Keine Location ist länger als 3 Minuten zu sehen. Perfekt für die „Generation Tik Tok“
So oder so. Die Euphorie des Erstlings ist weg. Man sitzt nicht mehr mit offenem Mund da und staunt über die Textur von Marios Schnurrbart. Stattdessen fühlt sich alles an wie ein maximal effizienter Speedrun. Die Story ist flacher als ein plattgestampfter Gumba auf einer 2D-Ebene: Peach ist mutig, Rosalina wird entführt, Bowser und Bowser Jr. haben schlechte Laune – fertig. Wer Tiefgang sucht wird wohl enttäuscht sein.
Dafür ist der Bildschirm so vollgestopft mit unzähligen (neuen) Charakteren, dass man sich nicht blinzeln traut, um bloß nicht Cameos und Geheimnisse zu verpassen - und davon gibt’s einige wirklich coole - ich sag nur, dass einer davon aus dem Lylat System stammt. :)
Lumas, Toad-Brigaden, Bienen-Marios, Mr. Game & Watch, ein Arwing und sogar der Typ aus „Hotel Mario“ war mal im Hintergrund zu sehen. Der Film ist ein Minenfeld aus versteckten Insider-Gags und man wird ihn wohl mindestens dreimal sehen müssen, um wirklich alles zuordnen zu können.
Audiovisuell spielt der Film aus der Schmiede der Illumation Studios („Minions“, „Pets“) ganz oben mit.
Die Animationen sind hervorragend designt, detailliert und sehr bunt. Es gibt unzählige Details bis in die hinteren Reihen zu entdecken.
Der Soundtrack bedient sich aus dem Potpourri vieler ikonischer Nintendo Sounds - Top!
Mir persönlich war das alles zu viel Input gleichzeitig. Der Film schwingt von einer Szene zur nächsten, nur um bloß alles abzuhaken, was Fans erwarten könnten. Das Wort „hektisch“ passt dafür ganz gut. Sogar Mario selbst ist im ersten Drittel eher Nebenfigur als Hauptdarsteller. Ich fand da den ersten Teil insgesamt runder und stimmiger.
Yoshi und die Lumas sind definitiv für die jüngeren Zuschauer kreiert und sorgen dafür, dass sich der Film immer wieder „Cosy“ anfühlt.
„Super Mario Galaxy“ ist zwar ein optisches Feuerwerk auf Steroiden aber mir fehlt der Herzschlag des etwas besseren ersten Teils. Wer aber Bock auf 95 Minuten Nintendo-Dauerfeuer, null Leerlauf und einen visuellen Zuckerschock hat, wird diesen intergalaktischen Ritt lieben. Ein Film wie eine Regenbogen-Raserei in Mario Kart - lustig, kurzweilig, extrem schnell und man braucht danach mal kurz Zeit zum Durchatmen.
Das UHD-Bild ist dank HDR10 einfach atemberaubend und kann als eine weitere Demo-Disc herhalten. Jedes noch so kleine Detail ist sichtbar. Man erkennt die feinen Texturen von Marios Latzhose, die einzelnen Schnurrbart-Härchen und die reptilienartige Haut von Bowser Jr. mit einer tollen Plastizität. Sobald Mario und Co. in den Weltraum abheben, zündet die Disc ein Farbspektakel. Das Leuchten der Lumas, die bunten Welten der verschiedenen Galaxien und die neonfarbene Rainbow Road stechen dank des erweiterten Farbraums extrem lebendig hervor.
Der Weltraum liefert tiefes, sattes Schwarz ohne jegliche Artefakte mit toller Durchzeichnung. Die hellstrahlenden Sterne und Nebel heben sich messerscharf und ohne Überstrahlen vom dunklen Hintergrund ab.Aber auch am Anfang, wenn sich die Mario Brüder in die Höhle trauen, sind die Farbverläufe einfach perfekt.
Vom deutschen Dolby Atmos Ton habe ich mir hingegen etwas mehr erhofft. Klar, der Subwoofer bekommt ordentlich zu tun, besonders bei Bowsers Auftritten oder den gewaltigen Einschlägen im Finale. Der orchestrale Soundtrack von Brian Tyler, der die klassischen Koji-Kondo-Themen fantastisch aufgreift, breitet sich opulent im Raum aus. Die Dialoge bleiben dabei auch glasklar und verständlich.
Allerdings hätte ich gerne etwas dynamischere Surroundeffekte oder intensivere Atmos-Höhensounds erwartet. Zwar gibt’s einige wenige Überflüge oder Soundtracks „von oben“, aber die Handvoll Effekte umhüllen den Zuschauer jetzt auch nicht gerade. Vermutlich wurde der Ton bewusst für ein jüngeres Zielpublikum zugeschnitten, die auch so schon und ohne Surround-Effekte vom bunten Overkill des Films überfordert sein dürften.
bewertet am 02.07.26 um 09:58