Das Regie-Duo hinter den Genre-Schockern „Inside“ und „Among the Living – Das Böse ist hier“, Julien Maury und Alexandre Bustillo, liefert mit „Leatherface“ eine blutrünstige Coming-of-Rage-Story und stellt immer wieder die wichtige Frage: „Wer wird Leatherface?“ Aufmerksame Genrefans werden sicher festgestellt haben, dass es bereits 2006 ein Prequel, das sich allerdings an Michael Bay´s „The Texas Chainsaw Massacre“ Remake aus dem Jahr 2003 orientierte, gibt. „Leatherface (2017)“ richtet sich direkt an Tobe Hooper´s Erstlingswerk „Blutgericht in Texas“ von 1974. Soweit so verwirrend, oder?
Nachdem sich die ersten Teile von „The Texas Chainsaw Massacre“ (TCM) eher auf das Abschlachten von unschuldigen Eindringlingen im beschaulichen Süden der USA konzentrierten, gab es eigentlich nur eine logische Schlussfolgerung: es musste ein Prequel her, das sich der kaputten Familiengeschichte der Sawyers und den Anfängen des Terrors widmet, um frischen Wind ins viel zu vernachlässigte Franchise zu bringen. Was nun frischer wirkt, aber sicher nicht von allen Fans der Vorgängerfilme wohlwollend aufgenommen wurde, ist definitiv die Ausrichtung hin zum Roadmovie á la „Natural Born Killers“ oder sogar noch mehr wie in Rob Zombies „The Devil´s Rejects“ bzw. dessen direkte Fortsetzung „3 From Hell“. Gelungen ist diese Ausrichtung aber allemal, da die Idee „Cop jagt Bösewichte“ etwas mehr Tempo in die blutige Hatz bringt.
Ebenso gelungen darf man das Drehbuch bezeichnen, denn zur kurzweiligen, 87 Minuten andauernden Origins-Story, gesellt sich auch eine stetig steigende Spannungskurve, ein gut gewählter Cast sowie eine Geschichte, die mit einem Plot-Twist erst im blutigen sowie gelungenen Finale preisgibt, wer von den möglichen Psychopathen denn nun der titelgebende „Leatherface“ ist. Positiv hervorzuheben wäre auch das Design des Filmes, denn alleine durch die gelungene, gelblich braune Farbgebung, kommt das morbide „60s-Südstaaten-Hillbilly-D esign“ noch mehr zur Geltung. Für TCM-Fans der ersten Stunde könnte allerdings der Look etwas zu clean und modern daherkommen, boten doch die Vorgänger allesamt ein schmutziges und körniges Bild. Endlich ist auch wieder einmal Stephen Dorff („Blade“, „Krieg der Götter“) als Sheriff Hartmann vor der Kamera mit vollem Elan dabei. Ihm zur Seite stellte man die ebenfalls renommierte Lili Taylor („The Conjuring“, „Six Feet Under“) als diabolische Mutter Verna Sawyer. Der Rest der Darsteller, der aus noch unverbrauchten Gesichtern besteht, spielt ganz solide auf. Nicht mehr aber auch nicht weniger.
Jetzt könnte man meinen, wenn ein Film unter dem Siegel „Keine schwere Jugendgefährdung“ erscheint, komplett ungeschnitten ist und obendrein noch „Leatherface“ heißt, müsste der doch ultra-brutal sein, oder? Nun ja, etwas roter Lebenssaft wird durchaus vergossen und natürlich kommt er auch recht brutal daher, wer aber bereits andere, einschlägige Genrebeiträge kennt, weiß sofort was wirklicher „Splatter“ und „Gore“ bedeutet. Fans der härteren Machart kommen bei „Leatherface (2017)“ aber durchaus auf ihre Kosten und sollten sich jetzt nicht abgeschreckt fühlen, denn es wird noch reichlich nach bester TCM-Südstaaten-Manier geschnetzelt, geballert und terrorisiert.
Der oben angesprochene frische Wind ist an und für sich ja ein guter Ansatz und bietet auch Abwechslung zu Genüge, dennoch fügt sich „Leatherface (2017)“ irgendwie nicht so ganz perfekt in die guten „alten“ Texas Chainsaw Massacre Teile ein. Fans der bereits achtteiligen Reihe sind einfach eine „Gut gegen Böse-Story“ gewöhnt, bei der sich der Zuschauer in die Opferrolle hineinversetzen kann, wenn er denn möchte. Hier wurden (bewusst?) bis auf Geisel „Lizzy“ alle Charaktere recht unsympathisch gehalten, ja sogar der rachsüchtige Sheriff Hartmann nimmt es mit dem Gesetz nicht mehr so genau und könnte es in Punkto Rücksichtslosigkeit und Boshaftigkeit fast mit den Sawyers aufnehmen. Beinahe könnte man meinen, das Regie-Duo möchte dem Zuseher beide Seiten als „böse“ verkaufen, nur um den Film noch teuflischer darzustellen.
Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, da mit „Leatherface (2017)“ unterm Strich nichtsdestotrotz ein solides, fieses und blutiges Terror-Roadmovie entstand, das über weite Strecken unterhält, Neues wagt, aber leider selbst nicht sonderlich aus der Reihe herausstechen mag. „Kettensägen Massaker“-Fans und Interessierte sollten aber dennoch einen Blick riskieren.
Die 4K UHD ist ansehnlicher als ihr Blu-ray-Pendant geraten und bietet neben einem dezenten Anstieg der Schärfe auch eine deutliche Kontrastverbesserung, wodurch das Gesamtbild der UHD etwas mehr „Glanz“ erhält. Das Weiß von Lampen und anderen Lichtquellen ist heller und Spitzlicht wie erwartet fast schon blendend. Das dunklere HDR-Bild, das zwar ein satteres Schwarz präsentiert, neigt aber leider auch hin und wieder dazu, so manches Detail in dunklen, weniger gut ausgeleuchteten Szenen zu verschlucken. Apropos verschlucken: auch das (künstliche) Filmkorn kommt ultrahochaufgelöst, noch sehr viel feiner und fast nicht mehr wahrnehmbar daher.
Von allen Farben profitiert gerade Rot vom erweiterten Farbraum: wer den Ford Pickup in Minute 4 und die unzähligen Blutspritzer bzw. die vom Blut getränkten Klamotten der Darsteller einmal auf der UHD gesehen hat, möchte keine andere Disc mehr einlegen. Besagte Farbe wird in allen nur erdenklichen Nuancen wiedergegeben und zeigt extrem feine Abstufungen, strahlt aber dennoch angenehm vom Rest hervor. War bereits das Full-HD Bild schon mehr als gut, wird dies nun vom 4K UHD Bild noch mal etwas getoppt. Hier setzt eben primär HDR10 noch eine Schippe drauf, zum Referenzbild reichte es aber nicht ganz. Einen qualitativen Quantensprung gegenüber der mehr als ordentlichen Blu-ray darf man aber als 4K-Fan allerdings nicht erwarten.
Das Sounddesign weiß mit seiner Dynamik zu gefallen. Auch wenn die deutschen sowie die englischen Originalstimmen sauber aus dem Center kommen, so gibt es doch immer noch viel für die restlichen Lautsprecher zu tun. Die unzähligen Umgebungsgeräusche lassen sich genauestens orten und auch Kugeln schießen durchaus gut hörbar in alle Richtungen – etwas druckvoller hätten die Schüsse genrebedingt aber schon einschlagen können. Wenn schließlich die Kettensäge angeworfen wird gesellt sich ein gut platzierter und druckvoller Einsatz des Subwoofers dazu, der die bedrohliche Atmosphäre des Films noch gefährlicher gestaltet. In den Tiefbassbereich kommt aber auch der Subwoofer nicht.
Extras sind lediglich auf der beiliegenden Blu Ray enthalten.
bewertet am 18.09.26 um 14:53