Auch Jahre nach seinem Erscheinen bleibt Danny Boyles Meisterwerk "28 Days Later" aus dem Jahr 2002 der unangefochtene Genre-Primus eines modernen Horrorfilms. Das geniale Drehbuch von Alex Garland revolutionierte das angestaubte Zombie-Genre im Sturm, indem es die klassischen, trägen Untoten durch blitzschnelle, vom aggressiven Wut-Virus Infizierte ersetzte.
Von der ersten Minute an ist der Film durchgehend spannend. Die legendäre Eröffnungsszene, in der ein junger Cillian Murphy durch das völlig verlassene, gespenstisch leere London irrt, zieht einen sofort in den Bann. Boyle nutzt eine rohe, digitale Ästhetik, die dem Film einen fast dokumentarischen, beängstigend realistischem Look verleiht. Die Bedrohung ist in jeder Sekunde spürbar – die Infizierten lauern hinter jeder Ecke, und die ständige Paranoia überträgt sich direkt auf den Zuschauer.
Das Setting ist sowieso klasse. Die Trostlosigkeit des postapokalyptischen Londons steht im krassen Gegensatz zur emotionalen Dichte der Geschichte. Auch bei den Darstellern zeigt sich eine Stärke des Films. Cillian Murphy liefert eine phänomenale, verletzliche Performance ab, unterstützt von einem fantastischen Ensemble um Naomie Harris und Brendan Gleeson, der bei aller Rohheit auch etwas Wärme und Bodenständigkeit vermittelt. Sie verleihen dem Überlebenskampf eine tiefere, menschliche Note.
Bei "28 Days Later" stimmt einfach alles. Der treibende Soundtrack von John Murphy, das grandiose Pacing und die philosophische Frage, ob die Infizierten oder die überlebenden Menschen die wahre Bestie sind.
„28 Days Later“ ist kein stumpfer Slasher, sondern ein tiefgründiger, handwerklich perfekter moderner Klassiker, der das Genre für immer geprägt hat und bis heute unerreicht bleibt. Ein absolutes Must-Watch für jeden Filmliebhaber!
Nun zum 4K UHD Bild, welches wohl das umstrittenste des Jahres sein dürfte. Ja, man muss ehrlich sein bzw. verstehen, dass aus dem Originalmaterial nicht mehr viel herauszuholen war. Schließlich wurde für diesen Look bewusst ein Canon XL1 Camcorder (mit hochwertigen Linsen), der in Standard Definition (SD mit 576i im PAL-Format) auf kleine MiniDV-Kassetten aufzeichnet, verwendet. Die niedrige Auflösung und der körnige, raue Digital-Look verliehen dem Film eine beängstigende, fast dokumentarische Realität, so ähnlich wie ein Found-Footage Film. Hier gibt´s auch keine Hautporen, Haare und kleinste Verzierungen zu bestaunen. Einzige Ausnahme ist die allerletzte Szene, die auf 35mm Film gedreht wurde.
Auf den ersten Blick meint man immer noch, man schaut sich ein Video auf einer ollen CD-Rom an. Es existieren schlicht keine echten 4K-Details im Ausgangsmaterial. Ein Upscale auf 2160p kann fehlende Bildinformationen nicht magisch herbeirechnen. Erfreulicherweise hat Sony auf aggressiven Rauschfilter (DNR) oder künstliche KI-Schärfung verzichtet. Das Bild sieht also „dreckig“ aus, und das ist gut so, denn der extrem körnige und pixelige Look ist ein künstlerisches Stilmittel.
Die echten Verbesserungen liegen im Kontrast und in den Farben. Dank des neuen Dolby Vision/HDR-Gradings knallen Farben wie das Rot von Absperrhütchen oder das markante Türkis von Cillian Murphys Krankenhauskittel deutlich dynamischer. Dunkle Szenen saufen nicht mehr so stark im Schwarz ab...und das bei tieferem Schwarzwert.
Auch hat die UHD nicht mehr so mit Kompressionsartefakten wie die DVD und die Blu-Ray zu kämpfen. Digitales Bildrauschen hält sich nun extrem in Grenzen und tritt wenn dann nur mehr bei neutralen Flächen wie hellgrauen Wänden auf.
"Besser" hat der Film zwar noch nie ausgesehen - eine Vorzeige UHD hatten ohnehin die wenigsten erwartet. Für absolute Fans des Films einen Kauf wert... wer allerdings mit seiner Blu-Ray oder DVD zufrieden ist, kann sich das Upgrade schenken.
Immerhin gibt´s auf der UHD in Punkto Sound ein Upgrade. Von der ordentlichen DTS-Spur der Blu-Ray steigert es sich hier auf eine bessere DTS-HD MA Spur, welche nich feiner Details aus den Lautsprechern zaubert. Dialoge sind stets klar und auch Effekte gibts immer wieder mal von hinten. Der Score verteilt sich immer wieder auf alle Speaker und auch der Subwoofer mischt immer wieder mal ordentlich mit.
Bonusmaterial gibt´s ebenfalls auf der UHD. Achja, kleine unwichtige Info: die alte Blu-Ray hatte 33 Filmkapitel - die UHD nur mehr 16.
bewertet am 04.09.26 um 09:23