Einem Musical ein Filmleben einzuhauchen ist immer eine besondere Herausforderung und erfordert einen Regisseur, der in diesem Genre beheimatet ist. Hierzu gehört unzweifelhaft Adam Shankman, der mit Hairspray dieses Fingerspitzengefühl bereits bewiesen hat.
Ich möchte an dieser Stelle erst gar nicht besonders auf die Story eingehen, da das im Review bereits sehr ausführlich geschehen ist, nur so viel vielleicht, natürlich besitzt der Film eine Storyline der besser gesagt mehrere kleine Storylines. Wer das Zeitalter der 80er, so wie ich, hautnah miterlebt hat, der hat hier schon einige deja vu`s. Die 80er Jahre waren eben so verrückt. Eine Story mit Musik gab es schon oft, Darsteller in für die heutige Zeit sonderbaren „Autfits“ in 80er Jahre Regenbogen-Farben und mit bekloppten Frisuren, das kann wie hier geschehen durchaus zu einem „Feel Good“ Film extrahiert werden.
Der Gipfel der Rockära ist zu diesem Zeitpunkt überschritten, Boy Groups erblickten das Licht der Welt. Kleine Clubs verloren an Bedeutung und das nicht nur in Amerika. Die gesamte Musikszene änderte sich. Hier grätscht das Musical und damit der Realfilm ein und betrachtet diese Zeitschiene mit eine gnadenlosen Selbstironie, die Tom Cruize auch bis zur Lächerlichkeit bloßstellt mit seiner Oversex Darstellung (nackter Oberkörper, Pistolentatoos etc. oder auch der Affe an seiner Seite). Ist er doch selbst in dieser Zeit groß geworden. Die Rolle des abgehalfterten Rock Stars der versucht ein Image aufrecht zu erhalten, von dem er glaubt, dass es zu bewahren gilt ist schon teilweise sehr krotesk anzusehen, ringt dem Betrachter aber auch viel Respekt ab. Die Teenager Love Story mit der aus dem Film Burlesque bekannten Darstellerin Juliane Hough sowie dem Newcomer Diego Boneta ist der Gegenpart hierzu, kleine Anspielungen auf die Vermarktungsmaschinerie, vom Rocksänger zum Boy Group Ensemble und zur Selbstaufgabe seines Ichs bis zum Verlust eigener Wertestrukturen. (Diesen Aspekt finden wir heute auch in DSDS oder ähnlicher Vermarktungsschienen). Alec Balwin als Clubbesitzer, der verzweifelt aber dennoch locker versucht seinen Laden am Leben zu halten und zu letzt die Tabledance Bar, in denen junge Mädchen versuchen ihren Lebensunterhalt für ein besseres Leben zu verdienen und dabei suggeriert bekommen, das das ohne Prostitution funktionieren kann, ist ein weiterer Gegenpol. All diese kleinen Handlungsstränge in einen musicalgleichen Gleichklang zu bringen und die Storyline hierbei nicht ganz so arg zu verbiegen ist m.E. durchaus gelungen, es darf natürlich auch nicht Catherine Zeta-Jones in diesem Zusammenhang vergessen werden, die als Aktivistin den Moralischen Verfall der jungen Generation anprangert und diesem schlussendlich aber dennoch verfällt, das bringt den Film eigentlich auf den Punkt. Jede Zeit hat ihre Zeit und Moral ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft und passt sich den Gegebenheiten an. Heute leben wir in einer Zeitachse, in der jeder seine eigene Richtung einschlagen kann ohne argwöhnisch beäugt zu werden oder sich erklären zu müssen, wo die verschiedensten Musikrichtungen nebeneinander her existieren, wo die Gleichgeschlechtlichkeit gesellschaftsfähig geworden ist, auch dieser Aspekt wird in Rock of Ages kurz behandelt. Insgesamt ist der Film ein Kaleidoskop, der auf Grund der begrenzten Laufzeit natürlich nicht allen Aspekten Gewicht verleihen kann und hier verliert sich der Film ein wenig in dem Bemühen allen Bereichen gleich viel Gewicht zu verleihen, aber seis drum, dieser Film macht mit seiner tollen Performance den super Tanz und Musikeinlagen einfach spaß und auch junge Leute bekommen hiermit einen kleinen Einblick in die Denkstrukturen der 80er Jahre.
Der Film floppte leider an den deutschen Kinokassen, vielleicht bekommt er in der Zweitvermarktung bessere Noten, er wäre ihm vergönnt.
Titelliste zum Zunge schnalzen:
• Paradise City“ – Tom Cruise
• „Sister Christian“ / „Just Like Paradise“ / „Nothin’ But A Good Time“ – Julianne Hough, Diego Boneta, Russell Brand, Alec Baldwin
• „Juke Box Hero“ / „I Love Rock ‘n’ Roll“ – Diego Boneta, Alec Baldwin, Russell Brand, Julianne Hough
• „Hit Me With Your Best Shot“ – Catherine Zeta-Jones
• „Waiting For A Girl Like You“ – Diego Boneta, Julianne Hough
• „More Than Words“ / „Heaven“ – Julianne Hough, Diego Boneta
• „Wanted Dead Or Alive“ – Tom Cruise, Julianne Hough
• „I Want To Know What Love Is“ – Tom Cruise, Malin Akerman
• „I Wanna Rock“ – Diego Boneta
• „Pour Some Sugar On Me“ – Tom Cruise
• „Harden My Heart“ – Julianne Hough, Mary J. Blige
• „Shadows of the Night“ / „Harden My Heart“ – Mary J. Blige, Julianne Hough
• „Here I Go Again“ – Diego Boneta, Paul Giamatti, Julianne Hough, Mary J. Blige, Tom Cruise
• „Can’t Fight This Feeling“ – Russell Brand, Alec Baldwin
• „Any Way You Want It“ – Mary J. Blige, Constantine Maroulis, Julianne Hough
• „Undercover Love“ – Diego Boneta
• „Every Rose Has Its Thorn“ – Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise, Mary J. Blige
• „Rock You Like A Hurricane“ – Julianne Hough, Tom Cruise
• „We Built This City“ / „We’re Not Gonna Take It“ – Russell Brand / Catherine Zeta-Jones
• „Don’t Stop Believin’“ – Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise, Alec Baldwin, Russell Brand, Mary J. Blige
Die Titel wurden alle selbst gesungen, auch das ist sehr bemerkenswert.
Von mir bekommt der Film gute 4 Punkte für die „Story“
Bild:
Das Bild ist einfach sagenhaft und fast ohne erkennbare Fehler. Die überbordenden Farben, der Kontrast, der Schwarzwert, alles macht einen sehr guten Eindruck auf meiner 100 Zoll Leinwand, sodass alles sehr real und fast dreidimensional wirkt. Hierfür kann ich Kornlose 5 Punkte vergeben.
Ton:
Ich bewerte hier immer nur den deutschen Ton.
Ja der Ton ist dann schon ein Punkt über den man sich länger auslassen könnte. Nur so viel. Sehr leise in deutschem DD 5.1 aus den Lautsprechern kommend. Warum das so ist, kann ich nicht wirklich nachvollziehen, ist es ein Fehler oder so gewollt. Gut 8 db muss ich meinen AVR weiter öffnen um ein einigermaßen druckvolles Klangbild zu erzeugen, welches dann aber immer noch etwas unausgewogen präsentiert wird. Bis man den Ton eingepegelt hat vergehen schon einige nervige Minuten. Das müsste eigentlich nicht sein. Leider ist auch der Übergang von den etwas mit zu wenig Raumhall unterlegten Dialogen zu den Songeinlagen zu harsch und nicht glatt genug, das stört etwas die Performance.
Dann ist der Sound aber schön raumfüllend und die Songs perlen locker aus den Boxen in den Hörraum. Der Bass ist teilweise schön kräftig und bringt dann richtig Leben in die Bude. Die Rears spielen ebenfalls eine gewichtige Rolle. Insgesamt kann man dem Sound noch gerade angekratzte 3,5 Punkte geben.
Extras. Habe ich noch nicht angesehen.
Fazit.
Schade, das der Film an den Kinokassen kein Erfolg war und hierdurch vielen Kids die Möglichkeit des Einblicks in die 80er Jahre Musikkultur verwehrt wurde, dennoch ist der Film einen Blick wert und kann durchaus die Filmsammlung bereichern, sollte beim zweiten Betrachten aber auf die fulminante englische Tonspur wechseln und wenn notwendig die Untertitel aktivieren.
bewertet am 11.04.13 um 09:50