Das Haus der lachenden Fenster - Mediabook Close Up #73

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22. März 2015
Das Haus der lachenden Fenster - La casa dalle finestre che ridono

Der Restaurator Stefano erhält vom Bürgermeister des Dorfes Solmi den Auftrag, ein Fresko des Heiligen Sebastian zu rekonstruieren. Das Kunstwerk zeigt eine qual- und leidvolle Darstellung des Martyriums von St. Sebastian und verweigert sich der klassischen Symbolik religiöser Kunst, die für einen wahren Märtyrer einen entrückten, verklärten und erlösten Ausdruck vorschreibt. Das Werk stammt vom vermeintlich wahnsinnigen Maler Buono Legnani, der als Maler des Todes Bekanntheit erlangte und bevorzugt sterbende Menschen dargestellt hat. Der Pfarrer der kleinen Gemeinde sowie einige Anwohner des Dorfes stehen Restauration daher eher kritisch gegenüber. Auf Stefano übt das ungewöhnliche Kunstwerk dagegen Faszination aus.

Dr. Antonio Muzza, ein Freund des Protagonisten, der den Restaurator für die Arbeit empfohlen hat, meldet sich indessen telefonisch und erklärt, dass er um das Werk von Legnani ein schreckliches Geheimnis gelüftet hat. Als sich Stefano abends auf den Weg zu seinem Freund macht, wird er jedoch Zeuge, wie Antonio tödlich aus einem Fenster stürzt. An einen Unfall glaubt er nicht, daher entscheidet er sich, weiter die obskure Geschichte um den Tod des verrückten Malers und seine morbide Kunst zu studieren.



Das Haus der lachenden Fenster ist ein Giallo von Regisseur Pupi Avati aus dem Jahr 1976, der sich nicht strickt den Konventionen des Genres verpflichtet, sondern eigene Wege beschreitet. Er eröffnet mit einer sehr drastischen Titelsequenz, in der zwei weiß gekleidete Frauen mit Messern inbrünstig auf einen gefesselten Mann einstechen. Die Sequenz wird in Zeitlupe eingespielt und ist optisch durch einen Sepia-Filter verfremdet. Gleichzeitig wird das Treiben lustvoll von einer bizarren Männerstimme kommentiert. Der Gewaltakt ist unglaublich einprägsam, da er die harte und blutige Gewaltdarstellung zugleich sehr kunstvoll orchestriert. Sie bildet die Stütze der dichten Atmosphäre des Streifens. Denn obgleich Avati mit dem eigentlichen Beginn der Handlung ein ruhiges und unaufgeregtes Erzähltempo wählt, versorgt er den Zuschauer handwerklich brilliant mit zahlreichen Bezügen und Verweisen auf den snuffartigen Opener und erzeugt eine andauernde beklemmende Stimmung, ohne die brutalen Bilder tatsächlich wiederholen zu müssen. Neben den Stilmitteln des Giallos greift Avati für seinem Spannungsaufbau zudem auf die Bildsprache des klassischen Gothic Horror wie dichte Nebelschwaden, wallende Vorhänge oder das wild bewachsene Anwesen der kranken Witwe zurück.

Der Film schafft es virtuos, trotz seiner unaufdringlichen und relativ unblutigen Erzählweise den Zuschauer an sich zu binden, um die aufgebaute Spannung in einem schockierenden Finale, das die Brücke zur Titelsequenz schlägt, zu lösen und den Film zu einem kleinen Meisterwerk des Genres zu machen.



La casa dalle finestre che ridono ist bei CMV in deutscher Erstveröffentlichung auf DVD in zwei Mediabooks, zwei kleinen Hartboxen und einem Super Jewel Case erschienen. Zudem gibt es mehrere Repacks von 84 Entertainment in großen Hartboxen. Die Mediabooks sind auf jedeweils 777 Exemplare limitiert. Ich besitze Nummer 480 in der Cover Variante B. Das Sammlerstück sieht durch seinen Leinenpapier Offsetdruck sehr edel aus und schmeichelt den Händen. Das Booklet überzeugt mit sehr dickem Papier, guter Druckqualität sowie Bildern und einem kurzen Essay von Christian Keßler. Die DVD befindet sich rechtsbündig in einem dicken Plastik-Tray, um dem Mediabook das übliche Format, welches etwa den Maßen eines DVD Keep Cases entspricht, zu verleihen.

Die Bildqualität der DVD überzeugt mit einer soliden Schärfe und kräftigen Farben, unterliegt jedoch einigen altersbedingten Schwankungen. Sonstige Bildmängel wie Verschmutzungen treten nur in vertretbarem Umfang auf. Für einen kleinen Genre Titel mit fast 40 Jahren auf dem Buckel ist das Ergebnis jedoch besser als erwartet.

Der deutsche Ton ist genauso solide und klingt nur gelegentlich ein wenig blechern. Die Sprachverständlichkeit ist jedoch tadellos. Kleinere Passagen sind unsynchronisiert und ertönen im italienischen Originalton mit deutschen Untertiteln. Der Film ist zudem komplett im Originalton verfügbar, deutsche Untertitel sind wählbar.

Die Ausstattung der DVD bietet einen sehr interessanten Audiokommentar mit Marcus Stiglegger und Kai Naumann sowie eine Bildergalerie und Trailer. Hinzu kommt eine Postkarte zum Film, die dem Mediabook beiliegt.



Das Haus der lachenden Fenster ist eine echte Perle des italienischen Genre Kinos und uneingeschränkt empfehlenswert. Erfreulicherweise ist der Streifen zudem durch seine unterschiedenlichen Veröffentlichungen recht preisgünstig verfügbar.

Ich hoffe, meine Kritik zu diesem Genre Klassiker hat euch ein wenig gefallen und möglicherweise eure Neugierde geweckt.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich meine Blogreihe zur Koch Media Giallo Collection wahrscheinlich nicht fortführen werde, schlicht aus eher geringem Interesse in der Leserschaft, bezogen auf die Aufrufe.

Wir lesen uns.
 
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Danke.

Eine kleine Auswahl an italienischen Perlen befindet sich durchaus in meiner Sammlung. Vielleicht mache ich ja irgendwann auch Close Ups zu den Mediabooks der Euro Cult Collection.
cpu lord
23.03.2015 um 06:37
#4
Hast absolut genial beschrieben! Liest sich betörend (unheilbringend). ;) Danke für den starken Einblick!!

Nun hast wohl schon ne beachtliche Giallo-Sammlung!
MoeMents
22.03.2015 um 22:38
#3
Eine leihweise Sichtung halte ich für unwahrscheinlich, außer jemand aus deinem Freundes- oder Bekanntenkreis besitzt ihn, da der Film ungeprüft vorliegt und nur einer kleinen Zielgruppe bekannt sein dürfte.

Als comichaft würde ich das Cover nicht bezeichnen, zumal es zum Film passt. Aber es gibt ja ein paar Alternativen. Bei der OFDb ist eine gute Auswahl verfügbar.
cpu lord
22.03.2015 um 21:34
#2
Dein Blog hat mich neugierig gemacht - mal sehen ob ich diesen Film zumindest erst mal sichten kann ehe ich mich eventuell zum Kauf entscheide.
Gut geschrieben ist es auf jeden Fall - das Cover des Mediabooks spricht mich allerdings weniger an - für einen Horrorfilm zu comichaft.
Andreas
seppielix
22.03.2015 um 19:10
#1

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