Dieser Film zählt zu den Wenigen die den Krieg in Vietnam mit Gewichtung auf Authentizität darstellen. Die überlange Spielzeit erscheint da fast schon zwingend gegeben.
Gezeigt wird der Krieg, in dessen Verlauf das Durchschnittalter der Frontsoldaten 19 Jahre betrug, nicht in endlosen platten Schießereien.
Coppola zeigt, zu was dieser Krieg imstande war seelisch mit den jungen (und älteren) Soldaten anzustellen.
Mit der Fahrt flussaufwärts des Nung Rivers in Richtung Kambodscha, auf der Suche nach einem außer Kontrolle geratenem Colonel Kurtz (Marlon Brando) als gemeinsamen Nenner im Plot, schafft Coppola eine bedrückende Atmosphäre die spannungsvoll und zermürbend fast schon levelnd die Verrohung durch den Krieg zeigt.
Captain Willards Suche nach Col. Kurtz beginnt zunächst noch zivilisiert und in geordneten Bahnen. Bereits an der Front aber inszeniert Coppola ein Szenario eines außer Kontrolle geratenen Krieges. Je weiter die Besatzung des Patrouillenbootes mit Capt. Willard in den Dschungel vordringt und sich von den Kommandoposten der Generäle entfernt, desto roher wird der Krieg dargestellt.
Hinsichtlich der Szenen empfehle ich den Redux-Cut. Haben die Szenen mit den Playmates zunächst mal nichts mit dem Krieg selbst zu tun, zeigen aber gerade auch diese das Gefühl des allein gelassen sein der jungen Soldaten auf, die weit entfernt ihres Heimatlandes einen sinnbefreit erachteten Krieges nachgehen müssen.
Diese Szenen fehlen in der Kinofassung und im Final Cut.
Überhaupt ist die charakterliche Wirkung des Films überbordend. Zunächst beeindruckt bis entsetzt vom moralischen Zerfall der Soldaten entlang des Nung Rivers, setzt die Fahrt auch der Besatzung des Bootes zu. Allein der Auftrag Willards, der der Bootsbesatzung zunächst nicht eröffnet wird, lässt die kleine Truppe zusammenhalten und die Nerven behalten.
Doch der stets vorherrschende Wahnsinn des Krieges, der ständigen Bedrohung Feindtruppen zum Opfer zu fallen, die weite Entfernung zu eigenen Truppen, das auf sich allein gestellt sein im Verlauf der Fahrt richtet auch bei der Besatzung und auch Capt. Willard ein Umdenken und schwere seelische Schäden an. Das Coppola diese inszeniert und darstellt zeigt, dass er den Krieg durch tiefgründigere Augen gesehen hat.
1978 hatte Coppola natürlich nicht die einfache Wahl des Drehens mit Green Screen. Seinen Film drehte er zum größtenteils im phillipinischen Dschungel unter allen Umwelteinflüssen die dort vorherrschen. So wurde das Filmset mehrfach beschädigt, einmal gar von einem Taifun komplett zerstört worden.
Martin Sheen erlitt während der Dreharbeiten einen Herzinfarkt. Mehrere Wochen musste er genesen, ehe er ans Set zurückkehren und seine Arbeit wieder aufnehmen konnte.
Der Dreh der Szenen in realer Umgebung bewirkt bei den Darstellern und im gesamten Bildeindruck der Szenen eine einzigartige Realität wie sie das beste CGI nicht hinbekommt.
Erschöpfung muss nicht gespielt werden. Sie steht den Darstellern anhand der Umwelteinflüsse so schon ins Gesicht geschrieben.
Der Film zeigt so einige Schauspielgrößen noch in jungen Jahren. Ein Robert Duvall oder Dennis Hopper machen richtig Spaß zuzusehen. Harrison Ford hat noch keine Falte im Gesicht. Und auch Lawrence Fishburne schaut noch sehr teeniemäßig aus.
Technisch glänzt das Paket auf ganzer Linie.
Die Redux-Fassung punktet mit einem schönen ruhigen Bild. Filmkorn ist jederzeit merklich vorhanden. Doch passt es zu den realen Außenaufnahmen sehr gut hinein. Was mir unschön auffällt sind die Schwierigkeiten die man wohl hatte, in den Nahaufnahmen den richtigen Schärfepunkt zu finden. Das mag auch an den schwierigen Drehbedingungen gelegen haben.
Das Bild besitzt eine beeindruckende Helligkeit, die aktuellen minderqualitativen Produktionen wie bspw. das STAR WARS Spin-off "SOLO" oder "Knives out" aufzeigt was sehr wohl auch mit einem UHD Medium in Bezug der Helligkeit möglich ist.
Diurch die hohe Helligkeit des Bildes besitzt die 4K UHD des Redux-Cut auch einen schöne Kontrastumfang und Detailschärfe.
Sehr eindrucksvoll ist die deutsche Tonspur.
Schon in den ersten Szenen fällt eine kristallklare Wiedergabe und luftige Räumlichkeit im Soundtrack und den Dialogen auf. Der ruhige Monolog aus dem Off kann trotz seiner leisen Sprechweise sehr gut verstanden werden.
Eine einzigartige Räumlichkeit der Szenen mit viel Gefechtslärm und Soundtrack lässt immer wieder ein "WOW" ins Gehirn steigen.
Ähnlich bezüglich des Bildeindruckes merkt man auch anhand der Vertonung was aktuelle Produktionen schwächeln lässt. Viele aktuelle Produktionen klingen im Vergleich zu dieser Neuabtastung dumpf und weniger detailreich.
Man muss mit der Synchro aber damit leben das man unweigerlich bei dem noch jungen Martin Sheen auch an einen älteren, runzligen Robert deNiro denken muss. Dasselbe komische Hörgefühl erlebt man auch bei anderen Darstellern mit der Synchro.
In Form von Dreingaben bietet diese Edition das komplett Paket und lässt dabei keine Wünsche offen. Allein die Einblicke hinter den Kulissen und die Mitschnitte der Drehbedingungen durch Francis' Frau Emily, besitzen bereits Spielfilmlänge ohne langweilig zu sein.
mein Fazit:
Eine herausragende, weil erschöpfende Edition. Jeden Euro ihres Kaufpreises wert.
Alle Schnittfassungen auch in UHD Auflösung, dazu hochwertige Tonspuren selbst bei der dt. Synchronisation und eben dieses vollumfängliche Bonus-Paket machen diese Edition zu einem Musterbeispiel wie eine Veröffentlichung aussehen kann und wie sie für eine kaufkräftige filmaffine Klientel aussehen sollte.
bewertet am 10.04.21 um 18:50