Tja! Wie soll man einen Film bewerten, bei dem man über die gesamte Spieldauer den Eindruck nicht loswird, in die uranfängliche Leere des filmischen Nirvanas zu blicken?
Es scheint fast so, als ob Carpenters Film verflüßigt und durch einen Filter gepreßt wurde, bei dem sämtliche mit Spannung und Dramatik aufgeladenen Elemente extrahiert wurden und nur das visuelle Substrat übrig blieb: Denn an sich sind fast alle Elemente, die Carpenters Film so beklemmend machen auch hier enthalten: Der außerirdische Virus; die isolierte Gemeinschaft; die Ungewißheit der Infizierung; das gegenseitige Mißtrauen und spektakuläre Mutationen. Von Beklemmung, geschweige denn Horror ist jedoch weit und breit nichts zu sehen oder zu fühlen.
Statt nämlich einen eigenen, neuen und originellen Mix dieser Zutaten zu präsentieren, stapft Hasenfuss Regisseur Mathijs van Heijningen lieber auf augetretenen Pfaden und kopiert die Handlung von Carpenter nahezu 1:1, ohne jedoch die Bilder des Films auch nur Ansatzweise mit Horror und Spannung zu würzen.
Wäre er dabei aber ein Meister im Umgang mit der Angst und im erzeugen von Gänsehaut gewesen, hätte ja zumindest noch eine interessante Variante des Alienklassikers dabei herauskommen können.
Statt jedoch wie in der Vorlage für ständig steigende Spannung zu sorgen, stümpert und flickschustert sich van Heijningen von einer geklauten Scene zur nächsten ohne sich die Finger an der Spannungsschraube schmutzig zu machen.
Zu diffus springt der Haufen der Polarforscher durchs Bild und zu groß ist die Anzahl der Lagerbewohner, als daß man sich personell orientiert hätte, bevor es dann ganz plötzlich "Los" geht.
Carpenter präsentierte hingegen eine handvoll verschrobener Typen, gab ihnen Raum und Zeit um ihre Eigenheiten verbal, mimisch und gestisch zu demonstrieren und füllte so die Rollen mit Charakter um somit die unabdingbare Grundlage für die nachfühlbare Beklemmung zu schaffen.
Van Heijningens kreatives Genie beschränkt sich leider nur darauf den Personen Bärte anzukleben und mit Namen zu versehen. Das ist traurig und da darf man mehr erwarten.
Als es dann"Los" geht, übernimmt, wieso auch immer, die Paläantologin (Mary Elisabeth Winstead) das Kommando.
Weshalb sich das die halb verwilderte Meute der norwegischen Polarforscher bieten läßt, bleibt bis weit über den Schluß hinaus rätselhaft, da sie weder über Charisma noch das spektakuläre Aussehen verfügt, um bei gestandenen Mannsbildern einen Folgereflex auszulösen, und auch in sonst keiner Scene irgendwie ansatzweise "Tough" wirkt.
So rennen denn auch meistens nur ein paar Männer kreuz und quer durch die Polarstation, nehmen sich gegenseitig mal als Geisel und spielen den Rest der Zeit mit ihren Flammenwerfern Cowboy und Indianer.
Da man so nicht wirklich immer den roten Faden behält, der notwendig gewesen wäre um mitzufiebern, geht man quasi als rettenden Strohalm zwangsläufig dazu über, sich auf die Spezialeffekte zu konzentrieren, waren diese doch die Krönung des Vorläufers.
Aber hier wird schlußendlich die letzte Vorfreude endgültig zu Grabe getragen: Hatten bei Carpenter die Effekte ein Staunen über das noch nie dagewesene verursacht und ein Respekt abnötigendes Wundern über die handwerklichen Meisterleistungen der Maskenbildner hervorgerufen, bleibt der Nachfolger lediglich bei einer seelenlosen digital aufgemotzten Kopie.
Statt, wenn man schon CGI verwendet, der Kreativität Flügel zu verleihen und etwa mit extravaganten außerirdischen Evolutionsformen zu punkten, wird hier bloß das Alte, wenn auch etwas mehr ausgeschmückt, wiederholt und die Wirkung der realistisch anmutenden Verwandlungssequenzen durch eine "unrealistische", weil übertrieben bis albernen CGI Darstellung ersetzt.
Auch hätte man, wenn man sich schon die Mühe macht digitale Effekte zu verwenden, diese etwas ausführlicher und detailverliebter zeigen dürfen. So wird aber durch schnellen Schnitt und abdunkeln bis an die Grenze der Erkenntlichkeit, dem Film auch die letzte Möglichkeit genommen, sich mit etwas positiven im Gedächtnis des Zuschauers zu verankern.
Daran ändern auch die wenigen "Eigenkreationen", wie etwa das aufsuchen des UFO's nichts, da sie wegen des bloßen kopierens diverser Vorläufer mehr an ein Besuch im Science Fiction Museum erinnern, als eine Werkorientierte Interpretation.
Was unterm Strich bleibt, ist die traurige Feststellung, daß der gesamte Film fast ausschließlich von der Erwartung getragen wird, endlich den Drive von Carpenters Version aufzunehmen. So bleibt der Erregungszustand unter Umständen konstant hoch, (wann schockts denn endlich) läßt sich aus dem Film selber heraus jedoch nicht ableiten.
Das die Klasse des nahezu perfekten Streifen Carpenters nicht erreicht werden würde, war den meisten wohl von vornerein klar, daß man bei Remakes, Sequels und Prequels aber nicht von Angst und Feigheit getrieben werden muß, sondern man sich auch mal etwas trauen darf, beweisen z.b. die Alien Filme, mit ihren, den jeweiligen Regisseuren typischen, Interpretation der Weltraumsaga (ob Teil 3 und 4 wirklich notwendig waren, sei jetzt mal dahin gestellt!)
Positiv bleibt anzumerken, daß die gescheiterte Neuverfilmung, die bezeichnender Weise erst durch den Score in der Schlußsequenz Freude augkommen läßt, den Ikonenhaften Status von Carpenters Meisterwerk vielleicht noch ein wenig exponierter erscheinen läßt, auch wenn dieses Werk, konnte man sich bei Kurt Russell's Besuch in der norwegischen Polarstation noch den entfesselten Horror der dort stattgefunden haben mag zurechtphantasieren, wohl immer mit dem Phlegma der filmischen Realität behaftet sein wird.
Aber wieso überhaupt wegen Nichts soviel Worte verlieren....?
bewertet am 17.04.12 um 12:02