Nachdem die großen Studios beinah zehn Jahre lang den Fundus der Marvelhelden überaus erfolgreich ausgeschlachtet hatten, entschloss sich der Comicgigant ein eigenes Studio aus der Taufe zu heben, um mehr als nur ein paar Krümel vom Kuchen abzubekommen. Doch gleich ihr erstes Projekt gestaltete sich in seiner Konzeption so abwegig, daß ein frühes Scheitern des neuen Unternehmens beinah unausweichlich schien. Wo der durchschnittliche Comicverweigerer mit Namen wie „Spiderman“ oder „Hulk“ noch etwas anzufangen wüsste, entstanden bei der Nennung des Debuthelden „Iron Man“ erst einmal einige große Fragezeichen. Beauftragt mit dessen filmischer Umsetzung wurde der actionunerprobte Schauspieler und Teilzeitregisseur Jon Favreau, der die Titelrolle sogleich mit Robert Downey Jr. besetzte, der wiederrum zuvor eher durch seine Rauschgiftexzesse, denn durch gute Rollen in die Schlagzeilen geraten war.
Was hier klingt wie der Versuch der Demontage eines Mythos, ist auch einer – zumindest im Ansatz. Denn wo andere Comicverfilmungen an übererklärten Figuren und bemüht realistischen Storys scheiterten, beweist Favreau, das es auch anders geht. Im Gegensatz zu seinen Kollegen ist der Held Tony Stark kein seelisch gebrochener Mensch, der aus seinem inneren Schmerz und kuriosen Superkräften die Stärke findet der Menschheit zu helfen, sondern ein egozentrischer Multimillionär und Waffenhersteller, der nach seiner Entführung und erfolgreichen Flucht im Nahen Osten beschließt, die von ihm entwickelte Technologie einzusetzen, um einigen bösen Buben gewaltig in den Hintern zu treten. Der zynische Humor eines Robert Downey Jr. kommt der Rolle dabei ebenso zu Gute, wie die verspielte Inszenierung, die mit einer gehörigen Portion Selbstironie die platte These aufstellt, daß in jedem chauvinistischen Kapitalisten ein gutes Herz ruhen kann und sich dabei gar nicht erst damit aufhält irgendwelche fadenscheinigen Gründe für die Wandlung zum vollwertigen Menschen auszudenken, sondern einfach nur aufzeigt, wie spaßig es doch sein kann Gutes zu tun.
Das Gute, das die Erfindung Starks zu Tage fördert, entlädt sich, den Regeln des modernen Actionkinos folgend, in einem furiosen Hagel aus knalliger Action und beeindruckender Effekte, der selten zum Selbstzweck verkommt, sondern sich logisch in die Geschichte integriert und keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Dazwischen sorgt das entspannte Spiel der Darsteller für den nötigen Humor, mit dem sich „Iron Man“ zum durchweg vergnüglichen Actionspaß entwickelt, der problemlos beweist, daß man einer Comiclegende ein Profil verleihen kann, auch ohne dabei seinen Mainstreamgehalt verleugnen zu müssen.
Ebenso überzeigend wie der Film, gestaltet sich die Technik der Blu Ray. Beim Bild herrscht eine überwältigende Schärfe mit einer extrem hohen Detailzeichnung bis weit in den Hintergrund, die eine beinah dreidimensionale Wirkung entfaltet. Die kräftigen Farben, die einen leichten Hang zur Übersättigung aufweisen, werden vom steilen Kontrast, der wiederrum dann und wann zu leichten Überstrahlungen in hellen Szenen neigt, perfekt dargestellt. Der Schwarzwert ist perfekt ausbalanciert und das teils sichtbare Filmkorn passt recht gut zum Gesamtkonzept des Bildes. Beim Ton liegt es bereits an der raffinierten Tongestaltung, sowie der perfekte Übertragung auf das High-Definition Medium, daß die Blu Ray akustisch zur Reverenzscheibe macht. Die vielen äußerst präzisen Direktionaleffekte und die imposant abgemischte Musik lassen ein breites Klangfeld entstehen, daß aus allen und in alle Richtungen am Zuschauer vorbeizieht und diesen in ein lebendig klingendes Actionabenteuer eintauchen lässt. Unterstützung finden die Effekte im brachialen Subwooferfundament, daß die Wände erbeben lässt und einen wirklich beeindruckendes Erlebnis vermitteln. Daß im ganzen Getöse, dank der ausgewogenen Balance der Kanäle ebenso keine Silbe aus dem Center verschluckt wird, macht die gesamte Abmischung nur umso gelungener.
Mit knapp zwei Stunden an Making-of Material und geschnittenen Szenen, erweist sich die Blu Ray bereits als Fundgrube für informative und unterhaltsame Extras. Darüber hinaus gibt es noch weitere 30 Minuten an Specials, die sich mit den Effekten und den Schauspielern befassen, was hier und da wie so oft in der üblichen, gegenseitigen Schulterklopferei endet, doch zumindest durch die Probeaufnahmen einen interessanten Einblick bereithält. Den Abschluß bilden die Trailer sowie eine entbehrliche BD-Live Anbindung.
bewertet am 20.08.13 um 09:37