Er ist ein Superheld, der auf sein Äußeres pfeift, der sich am liebsten dem Alkohol hingibt und sich keinen Deut darum schert, was seine menschlichen Erdenmitbewohner von ihm halten und den ein oder anderen Kritiker, auch schon mal auf etwas fiesere Art und Weise zum Schweigen bringt.
Sein Name: Hancock. Seine Mission: Den Tag möglichst lässig rumbekommen. Seine Wurzeln: „Superman 3“. Denn zweifellos ist die Idee eines herunter gekommenen Penners mit übermenschlichen Fähigkeiten, nur die konsequente Weiterentwicklung des durch gepanschten Kryptonits verwirrten Vaters aller Superhelden. Und genau wie beim weniger bierernstem Fantasy Sequel von 1983, funktioniert die Idee von "Hancock" unter den gleichen Voraussetzungen: Wo Christopher Reeve sein Strahlemannimage durch allerlei unmoralische Verfehlungen torpedieren durfte, entlarvt Will Smith die filmische Superheldensturmflut des neues Jahrtausends als überanständige Langweiler. Wozu sind Superkräfte auch gut, wenn alle Ansichten von Moral einem den Spaß daran verderben?
Und tatsächlich bereitet das politisch ungemein unkorrekte Abenteuer mit einem herrlich abgewrackten Smith Spaß. Leider währt der aber nicht ewig. Die Erklärung für Hancocks unberechenbares Verhalten, erweist sich als die obligatorische Heldenmacke, die zwar schlüssig eingebunden wird, jedoch den faden Beigeschmack einer Entschuldigung für die erste Hälfte des Films trägt. Die zweite Hälfte spinnt die Storyfäden hin zu den unumgänglichen Ansichten über Schicksal, Bestimmung und Erlösung und betoniert diese in Bilder voller Pathos und Schwermütigkeit, die den Zuschauer beinahe zu nötigen scheinen, eine neue Religion zu Ehren Hancocks gründen zu müssen. Dadurch rutscht der Film gegen Ende zusehends in altbekannte Superheldenfilmklischees, wonach speziell die Supermänner des 21. Jahrhunderts tiefgründiger und ernsthafter sein sollten, als es eigentlich notwendig wäre. Schnell ist der flotte Auftakt vergessen, was umso ärgerlicher ist, weil gerade der fehlerbehaftete Anti-Held, wie er zu Beginn dargestellt wird, mit seinen Ängsten, Problemen und dem ständigen Versagen, eine der interessantesten Figuren des Superheldenuniversums hätte sein können. Seinen Zuschauern einen Gott als Identifikationsfigur zu offerieren, ist hingegen lächerlich – als ob uns Gesangstalente und Waschbrettbäuche nicht schon minderwertig genug vorkommen lassen würden.
Der steile Kontrast und die übersättigten Farben, lassen das Bild der Blu Ray zwar sehr plastisch, dafür farblich aber etwas unnatürlich wirken und kehren leider auch ein wenig das Filmkorn zu stark heraus.. Die Schärfe entschädigt allerdings für den künstlichen Look, denn diese ist atemberaubend und zaubert eine Menge an Details sowohl in Nahaufnahmen, als auch in Totalen auf den Bildschirm. Obwohl in Dolby True HD abgemischt, erweist sich der Ton doch als etwa zu zahm für die Vielzahl an Actionszenen. Zar bietet die Mischung eine gut zwischen Surrounds, Center und Tieftonkanal ausbalancierte Komposition, die vor allem in den Actionszenen einen druckvollen Bass und viele Direktionaleffekte bereit hält, dennoch mangelt es der Tonspur ganz klar an Dynamik, was die Action etwas nebensöchlich wirken lässt.
Das Bonusmaterial hält mit diversen Specials, dem Making-of, Trailern und der Wahl zwischen Kinofassung und verlängerter Version. Die Specials sind nicht ganz so umfangreich, geben allerdings einen informativen und kurzweiligen Einblick in die Produktion.
bewertet am 17.08.13 um 19:59