Filmbewertungen von kleinhirn

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Stuart Gordon's 1985 verfilmtes und kürzlich liebvoll restaurierter Horrorkomödienklassiker Re-Animator überzeugt auch heute noch auf Grund solider schauspielerischer Leistung, einem verschrobenem Plott und vor allem wegen seinen rücksichtslos expliziten Splattermomenten, die mit stets humoristischem Unterton kongenial auf Film gebannt wurden.

Die Story ist dabei einer Reihe Kurzgeschichten H.P. Lovecrafts aus den 30er Jahren entliehen.
Ein junger fanatischer Wissenschaftler, Herbert West, forscht an einem Serum, mittels dessen sich verstorbene Tiere wieder zum Leben erwecken lassen. Nach einigen erfolgsversprechenden Resultaten, beschließt er, das Serum, zusammen mit seinem WG Partner Dan, einem angehenden Mediziner, an den Leichen im Keller der medizinischen Fakultät zu erproben. Das Problem dabei ist nur: Je höher entwickelt die reanimierten Lebensformen sind, und desto mehr Zeit sie auf der Bahre verbracht haben, desto aggressiver verhalten sie sich...
Das bei den diabolischen Experimenten alles ausser Fugen gerät und Dans Freundin Megan, deren Vater, der Dekan der Universität ist, sowie der Leiter der medizinischen Abteilung mit in den Strudel der Ereignisse gerissen werden, ist dabei ebenso folgerichtig, wie fatal...

Bei Re-Animator handelt es sich jedoch nicht um einfach eine weitere Variante des 80er Jahre Effekt Splatters, sondern um den Beginn einer Kehrtwende im Horrorgenre. Überboten sich die klassischen Horrorfilme bis dato noch mit Grausamkeiten und Quälereien bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus, brachte der Re-Animator die zwei unterschiedlichen Genres, den Splatter und die Komödie, erstmals zusammen unter ein gemeinsames Dach. Unter Verzicht auf düstere Spannungsmomente und schockierenden Metzeleinlagen, wird hier die gesamte Pathologie unter den Scheffel des Humores gestellt. Auf alles was unangehnem oder unruhig beängstigend wirken könnte, wurde hier zugunsten des Unterhaltungsaspektes geopfert. Natürlich wird bei den Goreeffekten schon ein gewißes Maß an Abhärtung und Faible vorausgesetzt, aber man fühlt sich bei all den Grausamkeiten nicht schlecht oder besudelt, sondern auf amüsante Art und Weise unterhalten. In erster Linie wird hier also nicht versucht, dem Zuschauer Angst einzujagen, sondern ihn zum Lachen zu bringen. So verläßt man den Filmes denn auch mit einem positiv heiterem Gefühl, statt mit einem flauen Schummern in der Magengrube.
Mit seiner naiv, medizinisch völlig lächerlich übertriebenen Art der Inszenierung, ist Stuart Gordon ein Blick auf den Horrorfilm gelungen, den sich klein Erna und und ihr Spielkamerad Willi in ihrer kindergärtnerischen Unschuld wohl in ihrer Phantasie ausmalen, wenn sie mit den Begriffen verrückter Professor, Wiederbelebung und Leichenschauhaus frei assoziieren dürften.
Die Lust an abstrusen Übertreibungen steht hier so im Rampenlicht, daß sich eine ernster Grundtenor von vorneherein verbietet. Mit seinem selbstironischen Stil und auf Grund der keine Kompromisse duldenen Maskenbildnerischen Arbeit ist der Re-Animator gleichzeitig eine Parodie auf die Mechaniken des Splattergenres, sowie eine Verbeugung vor derselben. Stuart hatte als einer der ersten begriffen, daß eine Steigerung des damals schon auf die Spitze getriebenen Splatters unausweichlich ins Absurde führen würde und hat diese Konsequenz genüßlich und ungeniert zelebriert.
7 Jahre später feierte dann das Subgenre des Funsplatters mit Peter Jacksons Brain Dead seinen bis heute unerrreichten Höhepunkt.

Einige interessante Perspektiven entstehen bei dem Vergleich der beiden BluRay Fassungen, der unrated, sowie der integralen. Ärgert man sich doch oft über die die doch meist gelungen geschnittenen Scenen und fragt sich, weßhalb es diese nicht in die Endfassung geschafft haben, kann man hier mustergültig die Auswirkung zweier unterschiedlicher Schnittfassungen, der unrated und der integralen, auf den Zuschauer studieren.
Zwar erhält die integrale Version mehr erzählerische "Tiefe" und die keinesfalls langweilgen Dialoge lassen die Handlung und die Charaktere komplexer erscheinen, jedoch verlangsamen sie gleichzeitig auch die Handlung und verwässern den humoristischen Grundton. Einmal auf einen Splatterreigen eingeschoßen, wird man ungeduldig und empfindet Dialogscenen, die die Handlung in die Breite fächern und nicht schnell genug auf das nächste Blutbad zutreiben als störend und man wird ungeduldig. Somit ist die Integrale Version zwar die "anspruchsvollere", die 82 minütige unrated aber auf jeden Fall die knackigere. So interessant auch die etwas feinere Ausarbeitung der zwischenmenschlichen Beziehungen in der 22 min. längeren Version sind, in diesem Fall bevorzuge ich es, wenn es wieder so schnell wie möglich "zur Sache" geht. Denn hier liegt eindeutig der Spaß im Pfeffer vergraben.

Erwähnenswert sind auf jeden Fall auch noch die Restaurierungsbemühungen des Capelight Teams. Das Bild ist zwar nicht frei von Filmkorn und Laufspuren und die Flächen wurden nicht geglättet, dafür bietet sich dem Zuschauer aber der untrügliche Genuß des Originalen. Nur mit dem Ton haperts ein bißchen. Den hat Capelight in der integralen Fassung nicht wirklich aus der Nuschelecke ins Reich des Hochdeutschen hiefen können. Die Gründe dafür werden in dem 20 seitigen Booklet ausgiebig erläutert. Die in der unrated Version enthaltene PCM Tonspur haut dafür aber alles wieder raus.

Ein schönen Dank ans Capelight Team, die Re-Animator vor einer schmuddeligen Veröffentlichung auf einem Billiglabel bewahrt und mit soviel Liebe zum Material wiederveröffentlicht haben. 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 4
bewertet am 31.10.13 um 13:58
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Sergio Melones Meisterwerk Es war einmal in Amerike ist nicht mehr und nicht weniger als die Vollendung der Filmkunst.
Schauspielerische Leistung, Score, Kameraarbeit, Ausstattung und Erzählstruktur können seit Veröffentlichung dieser opulenten, von Sentimentalität und Gewalt, Liebe Freundschaft und Intrige berichtenden Gangsteroper nur noch variiert aber nicht mehr übertroffen werden.

Leider liegt der Film nur in einem dem Epos nicht angemeßen gewürdigten Bluraytransfer vor. Dies liegt evtl. daran, daß Leone Negative Italien nicht verlassen dürfen (Nationale Kulturschätze). Das Lied vom Tod und Zwei glorreiche Halunken kamen beim Transfer daher ähnlich bescheiden weg.

Bleibt so zu hoffen, daß sich irgendwann einmal ein enthusiastischer Cineast unter zuhilfenahme modernster Bildbearbeitungstechnik an den Schnitt der ursprünglichen 6-10 Std Version heranwagt und die ultimative Version abliefert... 
Story
mit 5
Bildqualität
mit 3
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 1
bewertet am 31.10.13 um 13:42
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Schauspielerlegende Lino Ventura in einem semiauthentischen Widerstandskämpferdrama, das mit seiner kargen Bildsprache, den minimalistischen Wortwechseln und der resignativen Grundstimmung eher bedrückt als unterhält.

Guido Knopp hätte an diesem Streifen aus dem Jahre 1969 sicherlich seine helle Freude gahabt. Zeigt er doch in quasi halbdokumentarischer Herangehensweise die Arbeit einer französischen Widerstandsgruppe zur Zeit der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen im 2. Weltkrieg, ohne diese Thematik durch kriegsfilmtypisches Effektgewitter künstlerisch zu entwerten.

So gesehen biedert sich der Regisseur Melville nicht den Regeln der Dramatik und Publikumserwartung an, sondern verzichtet zugunsten einer glaubwürdigen Athmosphäre auf den gewohnten spannungsgeladenen Handlungablauf.
Zu ernst war dem Regisseur das Thema, als er die Geschichte einem plumpen Schauwert geopfert hätte. Melville war nämlich selbst in der Resistance tätig und wollte mit diesem Film auch seine persönlichen Erfahrungen verarbeiten. Daher wäre auch jede geschichtsfremde Glorifizierung des mühsamen Untergrundkampfes einer persönlichen Verleumdung gleichgekommen.

Die Bemühungen um die Authentizät des im von Gefahr, Bedrohung und Verrat gekennzeichneten Milieus, bringen aber auch einige Nachteile für den Zuschauer mit sich.
So sehr der Verzicht auf eine überbordene Farbenpracht und sonnendurchflutete Natur sich als Stilmittel geradezu anbieten, um die Tristesse der Gemüter und die verzweifelt, depressive Grundstimmung der französischen Nationalseele zur Zeit der Besetzung darzustellen, um so mehr wird das erzählerische Gegengewicht einer fesselnden Rahmenhandlung benötigt, um den Zuschauer nicht im Morast Verzweiflung versinken zu lassen.
Ist dieses nicht gegeben, läuft ein Film zu sehr Gefahr, zum reinen Selbstzweck oder Vergangenheitsbewältigung des Regisseures zu werden, da er dann den Film mit Emotionen und Erinnerungen auflädt, die nur ihm zugänglich sind, dem Zuschauer aber verwährt bleiben.
Dieser sieht sich naturgegebener Maßen gezwungen, mit dem Gesehenen Vorlieb zu nehmen. Und das ist bei allen Eingeständnissen, es bei Armee im Schatten mit gehobener Filmkunst zu tun zu haben, sehr dürftig.

Zwar gibt es in einigen heiklen Momenten eine minutiöse Begleitung der Protagonisten in Echtzeit, so daß die Beklemmung und die Gefahr, die sich die Resistance auslieferte, am eigenen Leibe nachvollziehbar wird, aber diese 3-4mal dargebotene filmische Finesse reicht nicht aus, um über lange Strecken der erzählerischen Leere des 144 minütigen Werkes hinwegzutäuschen.

Zu sehr fokussiert sich Melville auf das Seelenleben seines Protagonisten Philippe Gerbier (L. Ventura), auf die emotionalen Verflechtungen innerhalb der Gruppe und auf die Ausgestalltung eines Settes, welches sich durch Morbidität und ordinärer Tristesse auszeichnet, als daß er sein Augenmerk auf den Inhalt einer plausiblen Geschichte richtet.
So bleiben z.b. die etwaigen Aktivitäten der Gruppe fast ganz im unklaren. Man erfährt nur im Vorbeigehen, daß die Gruppe als Schleuser für allierte Spione fungiert. Eine genaue Vorgehensweise bleibt dem Zuschauer aber ebenso verwehrt, wie die Arbeit der Nazis. Es hätte viel zur Spannung beigetragen, wenn Melville z.b. die Arbeit der Nazis und ihrer Verfolgungstaktik etwas mehr beleuchtet hätte, so daß man erahnt, wie dicht die Nazis jeweils den Widerständlern auf den Fersen sind. Mit diesem kleinen kriminalistischen Trick hätte er sicherlich den ein oder anderen zuschauer mit ins Boot geholt, als die psychischen Triebfedern der Schleuser und ihre Moral- und Ehrbegriffe zu beleuchten.

Durch die selektive Ausrichtung auf die von Angst geprägte Atmosphäre des besetzten Frankreiches und der zwischen Furcht und Bangen hin- und hergeschleuderten Widerständlerseele, sowie der konsequenten Weigerung Melvilles, durch eine zu komplexe und erhellende Rahmenhandlung den Kern der Aussage durch Effekthascherei zu verwässern, beraubt sich Melville der Möglichkeit, eines seiner bestimmenden Lebensthemen einer breiten Maße zugänglich zu machen. Stattdessen bedient er die Interessen eines hochspezialisierten Cineastenstammes.

So bleibt für den Ottonormalglotzer unterm Strich nicht viel mehr hängen, als man schon vorher auch schon vermutete: ziviler Widerstand im Krieg ist kein Zuckerschlecken.
Und auf Grund des fehlenden übergeordneten Gesamtzusammenhanges kann Armmee im Schatten noch nicht einmal als historisches Lernmaterial dienen. Dafür bleiben die geschichtlichen Informationen einfach zu vage.
Eine dürftige Ausbeute für den seinerzeit teuersten französischen Films aller Zeiten.

Einzig und allein Lino Venturas charismatisches Schauspiel und eine große Portion ofenfrisches Knabbergebäck schaffen es daher, den Zuschauer über die zahlreichen dramaturgischen Untiefen und quälend langen dialogarmen Passagen hinwegzulotsen. 
Story
mit 3
Bildqualität
mit 3
Tonqualität
mit 3
Extras
mit 2
bewertet am 02.10.13 um 16:45
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Launige Variation des Dumasklassikers, die durch Detailverliebtheit und innovativer Umgestaltung der Geschichte zu überzeugen vermag.

Eigentlich ist es unverständlich, daß ein mit Mads Mikkelsen, Orlando Bloom, Milla Jovovich und Christopher Waltz in Deutschland produzierter Film hierzulande so stiefmütterlich behandelt wird.
Dabei handelt es sich bei der Neuverfilmung nicht einfach nur um einen überflüßigen Aufguß alter Mantel- und Degenfilme, mit stundenlangen und ermüdenden Säbelrasseln, sondern in der Tat um eine optisch äußerst ansprechende, kurzweilige und spaßige Neuinterpretation des historischen Stoffes.
Die dichte, barocke Atmosphäre des mittelalterlichen Venedigs, zieht den Zuschauer sofort in ihren Bann. Durch zeitgemäß aufgepeppte Popcorn Action fühlt man sich dort unmittelbar an alte Indiana Jones Geschichten erinnert, deren berühmte Schatzhöhlenscene zu Beginn des ersten Teiles,hier wohl ebenso Pate gestanden haben dürfte wie das Gameplay des Spielehits Assasin Creeds.
Nicht weniger athmosphärisch aufgeladen präsentieren sich darauf das Paris und London des 17.Jh, deren mittelalterliche Kulissen viel zu dem visuellen Sehvergnügen beitragen.

Auch wenn bei der poppigen Inszenierung, gerade auf dem Actionsektor, vieles routiniert wirkt, setzen das üppige Setdesign ebenso wie die in echtem 3D gedrehten Panorama- und Popouteffekte, immer wieder Glanzlichter.
Aber nicht nur die Verehrer historischer Kulissenprachten kommen hier auf ihre Kosten. Auch der Liebhaber gehobener Schauspielkunst kann sich an der einen oder anderen Scene mit Christopher Waltz als Kardinal Richelieu im Dialog mit dem Kindskopfkaiser Ludwig dem XIII erlaben.
Obwohl einige Scenen nachträglich geschnitten worden sind, überzeugt die komplette Schauspielercrew durch gutgelaunte Leichtigkeit und treibt die Handlung souverän und präzise nach vorne, statt sich gegenseitig in lähmender Screwballmanier in überbordenen Floskensalven zu verstricken.
Durch lebenslustig aufspielenden Cast angestachelt, läßt sich sogar Til Schweiger zu einer überzeugenden Performance hinreißen. Auch wenn ihm nur eine Miniminirolle zu Beginn des Filmes vergönnt ist, offenbart die komplette Scene in den Extras doch so etwas wie ein komplexes Minenspiel des deutschen, welches doch tatsächlich einen Ansatz von schauspielerischem Talent erahnen läßt.

Alles in allem läßt sich daher abschließend sagen, daß Die 3 Musketiere genrebedingt zur seichten Muse zu zählen ist und sich daher in großer Distanz zum großen Hollywoodkino bewegt, aber dafür Nahe an der Grenze zum perfekten Sonntagnachmittags Unterhaltungskino anzusiedeln ist. 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 5
Tonqualität
mit 5
Extras
mit 2
bewertet am 02.10.13 um 15:55
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Spleeniges Independentkino um einen neurotischen Verlierertypen, deßen angestaute Wut auf asoziale Mitbürger, sich im Schutz eines Superheldenkostümes eruptiv entlädt.

Frank (Rainn Wilson) ist ein einfacher Angestellter in einer Imbißbude. Als ihm eines Tages der Halbweltboss und Lebemann Kevin Bacon seine bildhübsche Frau (Liv Taylor) die er einst aus dem Drogensumpf rettete, mit einem sarkastischen Lächeln vor der Nase wegschnappt, ist das Maß des Erträglichen für ihn erreicht.
Sein Selbstwertgefühl von dieser Demütigung fast vollständig zernagt, fühlt er sich von vermeintlichen göttlichen Botschaften (u.a. aus dem Fernsehen) berufen, dem Bösen etwas auf die Pelle zu rücken.
Ausgestattet mit einem selbstgenähten Kostüm Marke Patchworkteppich Ausschußware und einer Rohrzange, jeder Superheld braucht eine Superwaffe, macht sich Wilson auf den Weg, jedem Kleinkriminellen und Strauchdieb der des Weges dahergeschlendert kommt, die Knochen aus dem Leib zu prügeln.
So zu fragwürdigem lokalem Ruhm gelangt, genießt sich Frank in der Rolle des anonymen Rächers. Lediglich die junge Verkäuferin Libby (Ellen Page) aus dem Comicladen, in dem Frank sich die Inspirationen für seine Missionen holt, schöpft Verdacht und schließt sich Frank als Blitzgirl seinen nächtlichen Missionen an.
Als es letztendlich darum geht, Franks Frau wieder den Klauen ihres neuen "Besitzers", der sie wieder auf Drogen gebracht hat, zu entreißen, wächst Frank sogar über sich hinaus und legt sich gleich mit dem Drogenbaron höchstpersönlich an.

Auch wenn Frank in der Rolle des sympathischen Losers voll und ganz überzeugt und seine Rachegelüste, auch wenn man über sie lacht, im Grunde genommen einfach nur mitleiderregend sind, ist der Film einfach nicht rund. So sehr man sich über die Bemühungen des kleinen Mannes, wieder etwas heile Welt in sein Leben zu bringen, amüsiert, so wenig fügen sich die kurzen aber heftigen Gewaltausbrüche in den bittersüßen Grundtenor des Filmes ein.
Zu verstörend und abschreckend sind die Attentate Franks, daß sich das Bild des sympathischen Rächers im handumdrehen in das eines handlungsbedürftigen Psychopathen verwandelt. Zwar sammelt der um sein Ein und Alles betrogene (Taylor) Frank kurz nach seinen Kontrollverlusten durch seinen naiven und unbeholfenen Grundcharakter wieder Pluspunkte beim Zuschauer, die aber halten nur bis zum nächsten Gewaltausbruch.

Durch diese Ambivalenz entsteht ein durchaus irritierendes Gefühl beim Zuschauer. Einerseits drückt man Frank die Daumen, daß es ihm gelingt wieder etwas Licht in sein Leben zurückzuholen, andererseits fühlt man sich von seinem primitiven Gewalteinsatz angewiedert.
Da hilft es auch nicht viel, daß man im beigefügten Interview vom Regisseur James Gunn erfährt, daß dieser Effekt genau beabsichtigt ist, um den Zuschauer zu verstören.
Zwar kann man Gunn voll und ganz attestieren, daß es ihm zwar bravourös gelungen ist, die Seelenmechanik gehörig aus dem Gleichklang zu bringen, auf der anderen Seite verscherzt er es sich damit aber mit einer größeren Fangemeinde.
Vielen Leuten wird es wohl so wie mir gehen und sie werden es nicht sonderlich mögen, inmitten eines Bades von angenehmen Gefühlen, urplötzlich den Dolch brechender Schädeldecken und klaffender Wunden, in ihrer Brust zu verspüren.

Unter diesen Aspekten betrachtet ist Super aber dennoch unterm Strich ein durchaus unterhaltsamer und sehenswerter Film, der mit einer guten Grundidee und vielen gelungenen Einfällen punkten kann. Nur ob man sich die auf die Magengrube schlagenden Gewalteinlagen, denen jedes Funsplatterambiente abgeht, noch unbedingt ein zweites mal antun sollte, ist, zumindest für mich, durchaus fraglich. 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 4
bewertet am 02.10.13 um 15:41
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Ambitioniertes Filmprojekt, welches auf Grund seiner komplexen Erzählstruktur und philosophischen Matrix, zum Scheitern verurteilt zu sein scheint, dem aber später Ruhm und Ehre gegönnt sein mag.

Ein Eingeborener auf einer Insel. Ein junges Musikgenie vergeudet sein Talent. Ein koreanischer Klon befreit sich von seiner Neuroprogrammierung. Eine Reporterin deckt eine Verschwörung auf. Energische Senioren planen den Ausbruch aus ihrer Pension und ein Seemann widersetzt sich der Sklaverei.

Kaum ein Mensch ist bei der ersten Betrachtung von Cloud Atlas in der Lage, alle Querverbindungen und Kreuzverweise der offensichtlichen Reeinkarnationabfolgen über die Jahrhunderte schlüßig nachzuvollziehen und deren karmische Auswirkungen in den späteren Inkarnationen der Protagonisten folgerichtig zu entschlüßeln.
Intuitiv und intellektuell versteht man zwar recht zügig, daß es immer um den ewigen Kampf Gut gegen Böse und dem Streben nach Befreiung geht, jedoch ist es nahezu unmöglich die Verflechtungen mehrerer Personen über 6 verschiedenen Zeitabschnitten gleichzeitig im Auge zu behalten.
Zwar sind die einzelnen Geschichten insgesamt nachvollziehbar konstruiert, da sie sich durch eine überschaubare Komplexität auszeichnen, jedoch kann nicht jede Maske sofort jedem Schauspieler zugeordnet werden, was einen den Grundgedanken der Seelenwanderung und dem, daß Alles mit Allem verbunden ist, auf den ersten Blick nur schwer nachvollziehen läßt.
Das im Abspann offenbart wird, welcher Schauspieler aus welchem Jahrhundert sich hinter welchen Masken verbirgt, ist zwar erfreulich, kommt aber als Hilfestellung für den nach Erklärungen tastenden Geist deutlich zu spät und dient somit wohl in erster Linie als Hilfestellung für die erneute Betrachtung.
Denn nicht jede Reinkarnation ist so einfach an einem Muttermal in Sternschnuppenform zu erkennen, wie die Protagonistenseele.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, ob die Handlungsstränge in sich stimmig sind, müßte man dem Film eigentlich wissenschaftlich, d.h. mit Notizen und zahllosen vor- und zurückspulen, auf die Pelle rücken. Auf Grund des großen Bogens der hier gespannt wird, der stargespickten Schauspielerriege, den tollen Bildern und den allesamt unterhaltsamen Kurzgeschichten, scheint dies aber die Mühe wert.

Gestört hat mich allerdings, daß die Interpretation des karmischen Gedankens zu sehr im Hintergrund bleibt. Machen wir die selben Fehler bis zum Ende aller Tage immer wieder?, Kann sich der Mensch durch Gute Taten und dem Drang nach Freiheit aus dem Kreislauf der Wiedergeburt befreien? Steckt hinter alldem ein Sinn und Ziel?
Nicht, daß ich den Reeinkarnationsgedanken unkritisch vertrete, daß sich aber jemand, wenn er sich schon aus dem buddhistischen Fundus bedient, die ganze Idee der Seelenwanderung und des Erlösungsgedankens, zielführender oder in einem größerem Kontext eingebettet hätte, hätte den Film sicherlich runder gemacht und nicht so viele Zuschauer ratlos zurückgelassen. Ob das Ende mit der Besiegung des (inneren?) Dämons und das Entkommen auf die Raumstation (Elysium?) jetzt symbolisch für die buddhistische Lehre von der Befreiung des Kreislaufes von Tod und Wiedergeburt steht, ist für mich daher nicht schlüßig beantwortet worden. So wirkt die Aufblähung des menschlichen Dramas auf kosmische Dimension, ohne entsprechende Einbindung in einen übergeordneten Rahmen, wennauch als Kunstgriff natürlich legitim, dennoch unbefriedigend.

Da sich der Film, wie bereits erwähnt, beim ersten mal wohl niemanden voll und ganz erschließt, die Bilder und die Geschichten aber dennoch einen faszinierenden Sog ausüben, nötigt Cloud Atlas fast unwiderstehlich zu einer erneuten Betrachtung. Im Zuge dessen bleibt zu hoffen, daß sich im Laufe des Prozeßes der allmählichen Entschlüßelung des Werkes, die Kunde verbreitet, es hier mit einem außergewöhnlichen Werk von hohem künstlerischen Gehalt zu tun zu haben, der retrospektiv einmal als einer der Höhepunkte seiner Dekade gelten wird, wenn er auch auf Grund bereits erwähnter Kritikpunkte nicht ganz das Epos geworden ist, das er gerne wäre.
Das Schicksal des Filmes ahnend, verweisen die Regisseure hier wohlweißlich an einer Stelle auf Herman Melvilles Buch Moby Dick hin, deßen Karriere auch erst nach einem anfänglichem Verriß einen verhaltenden Start hinlegte und sich erst im Laufe der Zeit zu DEM literarischen Denkmal Amerikas mauserte, daß heute noch ist.

Bleibt nachträglich zu erwähnen, daß es schon eine Kunst ist, den dts HD Master Sound so zu vermasseln, daß das Gesprochene Wort oftmals durch deutsche Untertitel ergänzt werden mußte, um dem Sinn des Gesagten habhaft zu werden.
Des weiteren hat mich Cloud Atlas unweigerlich an H. Hesses Glasperlenspiel erinnert. Dabei geht es um einen geistlichen Orden, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Verbundenheit aller Dinge im sogenannten Glasperlenspiel darzustellen. Als der Glasperlspielmeister stirbt, hinterläßt er eine Reihe von Schriftstücken, in denen es um die Inkarnationen und Reifeprozeß einer Seele über die Jahrtausende hinweg geht.
So gesehen hat man es hier mit nicht weniger als mit einem visuellen Update eines Nobelpreiswerkes zu tun... 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 3
Extras
mit 2
bewertet am 20.09.13 um 11:36
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Außergewöhnlich subtiles Psychodrama um einen jungen Upper Class Abkömmling und seinem Diener, der perfide in das Privatleben seines Dienstherren dringt, um dieses zu zerstören.

Gleich in der ersten Einstellung wird der Zuschauer Zeuge, wie der Buttler Hugo Barrett (D. Borgade) in das noch renovierungsbedürftige Stadthaus des eben aus Brasilien heimkehrenden Tony (J. Fox) dringt. Die Tür ist zwar nur angelehnt, dennoch schleicht sich Hugo in das Gemäuer, um schließlich seinen neuen Arbeitgeber in schlafender Pose zu überraschen.
Erfolgreich so zum ersten mal und ohne Widerspruch die Privatssphäre von Tony eingedrungen, macht sich Hugo unter dem Deckmantel geschliffener Ausdrucksweise und zivilisierten Umgangsformen gleich daran, erste Renovierungstips zum besten zu geben und die Privatsphäre so weiter zu penetrieren.
Anfänglich noch penibel darauf bedacht, die standesgemäßen Unterschiede einzuhalten und Hugo den Klassenunterschied spüren zu lassen , fühlt sich Tony jedoch auch gleichzeitig von der eloquenten Höflichkeit seines Angestellten gebauchpinselt. Zu sehr genießt er die Rolle des Mächtigen, des Befehlenden, als daß er auf die Schmeicheleien seines neuen Dieners verzichten möchte.

Nur seine Freundin Susan, eine ebenso standesbewußte Persönlichkeit der englischen Upperclass, spürt intuitiv, daß etwas faul ist im Staate Dänemark.
Als der Butler nämlich just genau in dem Moment ins Wohnzimmer tritt, als die beiden einen sehr zärtlichen und verliebten Moment erleben, sie sprechen über eine evtl. Hochzeit (?), ist die romantische Atmosphäre abrupt zerstört. Susan ahnt sofort, daß dies kein Zufall war und wittert hinter Hugos glatter Fassade zwielichtige Motive.
Da nach diesem Vorkommnis für Susan intime Momente in dem Haus ihres Freundes von diesem Moment an immer mit dem Gefühl des beobachtet und gestört werdens verknüpft sind, ist für Sie an traute Zweisamkeit in diesen Gemäuern nicht mehr zu denken. Fortan ist die Wohnung für sie Tabu. Die Präsenz des Dieners ist schon bis in die letzten Winkel der Gemäuer gekrochen, die von nun an keinen Schutz der Privatsphäre mehr bieten.
Dadurch, daß seine penetrante Omnipräsenz die Nebenbuhlerin aus dem Haus getrieben und er nun seinen Dienstherren wieder ganz für sich allein hat, spinnt Hugo sein Netz aus Lügen und Bösartigkeiten nun immer weiter aus.
Als nächstes bietet Hugo Tony an, seine notleidende Schwester Vera (S. Miles) als Putzhilfe ins Haus zu bitten. Dem flehentlichen Bitten des Dieners nachgebend, willigt er schließlich ein.
Ganz zu seiner Feude stellt Tony aber schnell fest, daß die neue Putzhilfe, ganz im Gegensatz zur bieder wirkenden Freundin, ein richtig attraktives Biest ist.
So ist es nur eine Frage der Zeit, bis Hugo es einfädelt, daß Vera und Tony allein im Haus sind. So geschickt in die Falle gelockt, kann Tony den eindeutigen Verlockungen Veras nicht lange widerstehen.

Kurze Zeit später kommt, was kommen muß: Als Tony und Susan eines Abends frühzeitig und unerwartet nach Hause kommen, ertappen Sie Hugo und Vera beim Schäferstündchen in Tonys Bett. Hugo eröffnet Tony jetzt, daß Vera gar nicht seine Schwesterm sondern seine Verlobte sei. Hierbei erfährt Susan auch von dem Verhältnis Tonys zu Vera.
Schwer getroffen schmeißt Tony das Dienerpärchen zwar umgehend aus dem Haus, aber ebenso wie die Hausangestellten verläßt ihn auch seine Freundin Susan.

Fortan kümmert sich Tony nicht mehr um sein Geschäft, er wollte in Brasilien 3 Städte errichten, und gibt sich seinem Laster, dem Verzehr von hochprozentigen Alkoholika hin.

So niedergeschmettert und einsam, trifft er einige Zeit später in einer Bar Hugo wieder, der ihn dort auflauerte. Dieser berichtet ihm, von Vera nur ausgenutzt worden zu sein und schmeichelt sich bei Tony erneut ein, in dem er vorgibt, in seinem Hause das einzige mal in seinem Leben glücklich gewesen zu sein.
In seinem Stolz gebrochen und nicht in der Lage für sich selbst zu sorgen, willigt Hugo schließlich ein, Hugo erneut bei sich aufzunehmen. Durch den Alkohol angeschlagen, kann er den Leviten Hugos nun nicht mehr Paroli bieten. Nach und nach überläßt er nun dem stets selbsdisziplinierten Diener sein Revier, bis dieser ihm die Fäden über sein Domizil komplett aus der Hand nimmt.
So seiner Handlungshoheit beraubt kommt es am Ende zu einem "Gelage", bei dem auch Susan wieder auftaucht. Susan hat nun für Tony, der wehrlos im Suff auf dem Bett liegt, nichts mehr übrig und wendet sich in einer vieldeutigen Scene Hugo zu.

Am Ende stehen Hugo und die wiedererschienene Vera vereint nebeneinander und genießen ihren Sieg über die High Society.


Zu vielschichtig ist dieses Drama, bzw. Gesellschaftsposse, als daß diese sich erschöpfent erschließen ließe.

Auf den im Begleitheft ausführlich "überall und nirgendwo" spürbaren homosexuellen Subkontext will ich nur kurz eingehen, da er mir zwar nicht direkt ins Auge gesprungen ist, wohl aber auch nicht völlig von der Hand zu weisen scheint.
Schließlich hat eine selbsterlebte homosexuelle Verführungsscene den (heterosexuellen) Autor Robin Maugham zu dem Verführungskomplott zwischen Tony und Vera inspiriert. Auch könnte die Tatsache, daß sein Onkel, William Summerset Maugham (dessen Erstverfilmung seines Buches "Auf Messers Schneide" noch immer zu den Sternstunden Hollywoods zählt), einer der ersten bekennenden homosexuellen Englands war, mit zu diesen Annahmen verleitet haben. Zudem besteht eine subtile Komunikationsebene außerhalb des Gesagten, auf der Ebene der Gesten und Blicke, die den Verdacht bestätigen.
Auch hat das kindische Ballspiel von Tony und Hugo auf der Treppe im Hausflur etwas von "wer sich neckt, der liebt sich".
Wahrscheinlich aber hat die eigene homosexuelle Tendenz des Schauspielers Bogarte (Hugo) zu Resonanzen bei gleichartig veranlagten Filmwissenschaftlern geführt.
Zuviel sollte man meiner Meinung nach da aber nicht hineininterpretieren, zumahl diese Thematik sicherlich nicht im Mittelpunkt des Filmes steht. Die Treppenscene birgt auch noch jede Menge alternatives Deutungspotential. Es könnten hier z.b. die unterschiedlichen gesellschaftlichen Stufen symbolisiert werden auf denen man steht. Tony natürlich oben und Hugo unten. Und auch hier findet eine Wachablösung statt: Tony zerstört sich selber (die Vase) und Hugo klettert zu ihm hinauf.
Auf Grund der Vielschichtichkeit und Komplexität der Metaphern, sollten feinere Analysen aber ausgewählten Soziologen im Endstadium vorbehalten bleiben.

Was bei "Der Diener" vielmehr im Vordergrund steht als eine homosexualitätsdebatte, ist das psychologisch fein ausbalancierte und meisterlich ausgefeilte Spiel mit Macht, Klassenzugehörigkeit, Rache und Sadismus, daß sich mitunter so filigran entfaltet, daß sich seine Früchte erst später und bei zweiter Betrachtung erschließen.
So etwa bleibt bis zum Ende vage, weshalb Hugo Tony wie ein Schmarotzer zersetzt. Sind es erleidete Demütigungen, die Tony von seinen bisherigen Dienstherren erfahren hat und für die er sich rächen will? Will er der Upper Class ihre Dekadenz und seine Überlegenheit spüren lassen?
Dadurch, daß darauf nicht weiter eingegangen wird, was zunächst störend wirkt, entpuppt sich in Nachbetracht als Gewinn. Durch diese Ungewißheit wird ein stetes Unbehagen erzeugt, daß sich davon herleitet, daß die Motivation an der Zersetzung eines Menschen rein pathologischen Charakter besitzen könnte: Einfach aus Spaß an der Freude; aus purem Vergnügen (sich selbst und den anderen) zu quälen. Eine übergeordnete Sinnhaftigkeit würde den Zuschauer in zuviel Sicherheit spendendes Wohlbehagen wägen.
So aber kann er sich ganz darauf konzentrieren, wie Hugo die Psyche seines Dienstherren in aller Genüßlichkeit manipuliert und schließlich seziert. Erst gibt er Tony durch Untertänigkeitsgesten zu verstehen, welchen Rang er selber hat und welchen sein hochwohlgeborener Arbeitgeber zu Gute kommt.
So mit dem süßen Gift der Schmeichelei gefüttert, badet Tonys Ego im Glanze eigener Selbsherrlichkeit und wird so blind gegenüber den Intrigen seines Butlers. Auch durchschaut Hugo den maroden Kern Tonys auf Anhieb. Besitzt der alt eingesessene Adel evtl. noch wirkliche Größe, die sich aus Führungsqualitäten ableitet, so hat der junge Geldadel nur noch die Form und das Gehabe übernommen (Tonys 3 brasilianische Dörfer erinnern stark an das Kolonialdünken der Engländer). Tony ist aber charakterlich nicht in der Lage, sich selbst (Alkoholsucht), geschweige denn sein Umfeld auf der Basis einer natürlichen Führungspersönlichkeit, zu beherrschen. Das wittert Hugo sofort und zieht die Schlinge um die Grenzen Tonys Befehlsgewalt kaum fühlbar aber unaufhaltsam zu und gibt uns damit zu verstehen, wer von den beiden die eigentlichen Führungsgene in sich trägt.

Auch läßt sich die Schlußscene in diesem Kontext interpretieren. Nachdem Susan lange Zeit nicht zu sehen war und unvermittelt in die "Orgie" platzt, wendet sie sich von Tony ab und fällt Hugo um den Hals um ihn zu küssen. Sind die Upperclass Frauen darauf getrimmt, sich das Alphatier zu angeln ? Ist Tony daher plötzlich uninteressant geworden ? Oder will sie einfach nur herausfinden, was an diesem Mann so besonderes ist, daß Tony ihm so verfallen konnte ?
Einfach zu deuten ist diese Scene sicherlich nicht, gibt aber der Hypothese, daß es Tony und Vera nur darum ging, eine Welt aus den Angeln zu heben, nachhaltig Futter, zumahl mit dem Niedergang Tonys und der Demutsgeste Susannas das Interesse an dem Societypärchen erlischt. Man hat gesiegt. Total. Absolut. Game Over.

Und sogar in der Liebe ist das Butlerpärchen den beiden Gesellschaftstäubchen überlegen gewesen: Bedingungsloser Rückhalt und Opferbereitschaft haben letztendlich zum Ziel geführt und der Beziehung nicht geschadet. Eine Society Beziehung ist dagegen von vielen Variablen Abhängig und den Turbulenzen des Schicksales nicht gewachsen.

Man sollte bei "Der Diener" aber trotz des vielen Lobes, der diesem Film zuteil wurde, seine Erwartungshaltung nicht zu hoch schrauben. Er ist kein Suspense Thriller ala Hitchcock, der von einer Spannung geprägt ist, die einen die Krallen in die Sessellehnen fahren läßt.
Vielmehr ist seine lakonische Inszenierung, ganz in der Tradition des englischen Understatements, die dezente, fast beiläufige Art und Weise auf die ein Mensch zersetzt wird, daß was den Film im Kern auszeichnet und ihn zu einem psychologischen Kammerspiel erster Güte macht.
Auf große Knalleffekte wird hier fast vollständig verzichtet. Nur einige wenige male zeigt das Böse seine wiederliche Fratze ungeschminkt, bevorzugt aber sonst lieber das schlichte Gewand des Gewöhnlichen um sich zu verschleiern.
Unter dem Deckmantel der guten Sitten schleicht es sich in die Gesellschaft und zerfrißt sie dort parasitengleich von Innen. Daher, daß alles so beiläufig und still von statten geht, läßt sich die unangenehme Atmosphäre der Gefühlskälte ableiten, die im starken Widerspruch zu der aufkochenden Wut des Zuschauers steht.
Unterstützt wird diese emotionale Kälte noch eindrucksvoll durch den visuellen Stil des Kameramannes Douglas Slocombe, dessen streng durchkomponierten s/w Bilder mit ihren harten Kontrasten schnell an die surrealistischem Arrangements von "Letztes Jahr in Marienbad" erinnern.

So ist "Der Diener" denn in erster Linie also ein subtiles Psychogram, dessen immenser Kontrast zwischen Schein und Sein, der Manipulation und Zerbrechlichkeit des Menschen, und der demonstrierten Hintertückigkeit, mit der das Böse ins Leben treten kann, ein anhaltend ungutes Gefühl hinterläßt, welches eine erneute Erkundung der Ursachen unumgänglich macht. 
Story
mit 5
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 4
bewertet am 12.09.13 um 20:22
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Oppulentes Ausstattungskino, das mit seiner Sentimentalität ständig droht in Seichtheit abzudriften und auf Grund seiner herzerweichenden Emotionalität und winterlichen Stimmung geradezu zum Adventszeitklassiker vorbestimmt ist.

So viel Wohlfühlstimmung ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Wer sich aber von großen Kinderkulleraugen und Sentimentalitäten am Fließband nicht abschrecken läßt, kann sich auf eine Reise durch stimmungsvolle Stadtpanoramen und in die weitläufigen, verwinkelten Eingeweide der mechanischen Uhren eines Pariser Bahnhofes mitnehmen lassen, bei der der Zuschauer förmlich ins Zentrum des Geschehens hineingesaugt wird.

Das dabei einem alten verbitterten Mann das Leben zurückgeschenkt wird, sich ein kriegsversehrter Bahnhofspolizist in eine Blumenverkäuferin verliebt, ein Waisenjunge neue Eltern findet und nebenbei die Kinomagie der Anfangsjahre wieder zum blühen gebracht wird, ist thematisch vielleicht eher dem Schnulzengenre zuzuordnen, auf Grund einer faszienierenden Kameraführung, sowie einer hochkarätigen Schauspielerriege, letztendlich dann aber dennoch irgendwie verdaubar.

Wer sich also nicht scheut, emotional manipulieren zu lassen, kann sich auf gut 2 Std. Wohlfühlkino freuen, bei dem die Faszination für die Mechanik ebenso nachfühlbar behandelt wird, wie der Enthusiasmus des phantastischen Kinomagiers George Melies.

Hier ist 3D ein Muß!!! 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
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mit 2
bewertet am 11.09.13 um 11:36
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Ganz OK, ganz unterhaltsam, aber zuviel Pseudo gestelztes Geschwafel vom Doc und inflationärer Einsatz von Heinz Tomatenketchup.

Auch ist der Film zu sehr auf Tarantino cool getrimmt und mit mangelnden raumgreifenden Landschaftspanoramen versehen, die ebenso wie die großen, bewegenden Momente benötigt werden, um sich in die Reihe echter Westernklassiker einreihen zu können.
Anleihen an den Schmutz der Italowestern sehe ich ebenso nur bedingt und auch beeindruckt der Film über die reine Laufzeit nicht nachhaltig.

Trotzdem ist Django-Unchained auf Grund seiner launigen und flotten Inszenierung durchaus unterhaltsam.

Am meisten überzeugt der Butler (Samuel L. Jackson), dessen verleumderisches Schleimergehabe die hochgelobte Schauspielkunst von Christoph Waltz glatt in den Schatten stellt. 
Story
mit 3
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
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mit 2
bewertet am 11.09.13 um 10:59
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Schöner Schabernack mit hohem Unterhaltungsfaktor.

Die Stärken liegen bei diesem eher poppigen als gruseligem Spuk eindeutig auf dem atmosphärischen und nicht auf dem inszenatorischen Sektor. Wer über einen hin und wieder holprigen Erzählstil hinwegsehen und sich auf den ironisch-pseudocoolen gehaltenen Märchenklamauk einlassen kann, wird hier mit Lebkuchenhaus Fantasyaction vom Feinsten belohnt.

In einer herrlich krummen und verwinkelt schmutzig stickigen Mittelalterwelt, treiben garstige Hexen ihr Unwesen.
Als der seltene Blutmond naht, treffen sich die Hexen zum Sabbat im düsteren Wald nahe Augsburg. Da mit dem herannahenden Blutmond auch immer mehr Kinder verschwinden, werden die Hexenjäger H. und G. in die Stadt geladen, um dem garstigen Treiben ein Ende zu bereiten.
Auf der Suche nach den Kindern und der bösen Oberhexe kommt es zu allerlei unerquicklichen Begegnungen mit den Zauberwesen, bei denen H. und G. auch etwas über die eigene Vergangenheit erfahren.

Neben der vorzüglichen Mittelalteroptik überzeugt der Film vor allen durch eine Handvoll erzählerischer Nebenstränge und kann somit die Befürchtung, es bloß mit einer ermüdenden, überladenen, einfallslosen und nicht endenwollenden Verfolgungsjagd zu tun zu haben, schnell zerstreuen.
Auch wenn es dem Film an wirklichen Emotionen fehlt, passt sich das Lax auftretende Enssemble, dem auf Trash getrimmten Tenor des Filmes an und bewahrt Hänsel & Gretel durch zurückhaltendes Schauspiel davor, ihn mit einer Bedeutung aufzuladen, die er einfach nicht hat.

Unterm Strich ist die mittelalerliche Hexenjagd also einfach genommen nichts weiter als eine Gaudi, die so simpel Unterhalten soll wie ein Ritt auf der Berg- und Talbahn. Das dem Film dies so vorzüglich gelingt, liegt nicht zuletzt an der gelungenen maskenbildnerische Arbeit, welche die Fäulniss der Hexen in ihren verdorbenen Gesichtern schön zur Geltung bringt. Auch sorgt der wohltemperierte Einsatz von Splatterscenen für einige Furore und wird für die ein oder andere Extrasystole unter den Liebhabern des spektakulären Abgangs sorgen.

Und 3D macht natürlich doppelt Spaß!!! 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 1
bewertet am 10.09.13 um 16:20
/image/movie/Lord-of-War-Haendler-des-Todes_klein.jpg
Nicolas Cage verkörpert mit der Geschichte des Waffenhändlers Yuri Orlov nichts weniger, als die Verwirklichung des amerikanischen Traumes. Ähnlich wie Al Pacino in Scarface dealt sich Orlov vom mittellosen Einwanderersohn skrupelos an die Spitze seiner Branche und genießt die Vorzüge seines angehäuften Vermögens in vollen Zügen.

Das die Sympathien des Zuschauers trotz des verderblichen Handwerks dabei meist auf der Seite von Orlov bleiben, ist eine Meisterleistung und wohl nur dem smarten Schauspiel von Nicolas Cage zu verdanken.
An sich sollte die semidokumentarische Aufarbeitung des Waffenschmuggels an die psychopatischsten Diktatoren Afrikas zu Unterschriftensammlungen gegen Waffenlobbyismus in Schulhöfen auffordern, stattdessen wundert man sich aber über die eigene leise Bewunderung für die Chuzpe und die Unverfrohrenheit Orlovs, wie er es schafft, makropolitische Veränderungen für seinen Vorteil zu nutzen.
Mit einer gehörigen Portion Kaltschnäuzigkeit und dem dazugehörigen Bakschich ist Cage der Konkurrenz und interpool mit seinen logistischen Fähigkeiten im Umgehen internationalen Abkommen immer einen Schritt voraus.
Sein mangelndes moralisches Empfinden und sein strotzender Egozentrismus kommen ihm zwar bei seinem Geschäft ein ums andere mal zu Gute, und lassen ihm auch am Ende den Verlust seiner Familie scheinbar mühelos bewältigen, kratzen jedoch auch am Lack Orlovs und geben einen verstörenden Blick auf seine Gefühlskälte frei.

Lord of War gelingt das Kunststück, ein so moralinschweres Thema wie den illegalen Waffenschmuggel, mit der Leichtigkeit und Unbebekümmertheit einer Sommerbrise, genießbar wie ein Vanille-Haselnusseis, zu inszenieren, ohne jedoch die Brisanz der Thematik zu verwäßern. Dies läßt sich vor allem darauf zurückführen, daß dem Verve des quasi Popstar Orlov, die Grausamkeiten der diktatorischen Regimes ungefiltert entgegengesetzt werden. Durch die ungeschönt zur Schau gestellten Massaker der afrikanischen Warlords entzieht sich der Film geschickt dem Vorwurf Genozide zu verharmlosen und sie zur industriellen Unterhaltung zu mißbrauchen.
Denn trotz der temporeichen Inszenierung und hochästhetischen visuellen Umsetzung, hinterläßt Lord of War nach 2 Std. allerbester Unterhaltung ein gespaltenes Gefühl.
Die innerliche Zerißenheit durch die gleichzeitige Sympathie und Abscheu für Orlov wirkt noch lange Zeit nach und bietet somit die besten Voraussetzungen und Notwendigkeiten, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Und sei es nur, um sein Seelenleben wieder ins Lot zu bringen.

Eine moralinsaurer 6 stündiger Themenabend auf Arte hätte das sich nicht geschafft. 
Story
mit 5
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mit 2
bewertet am 10.09.13 um 12:24
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Während Westworld noch linear aufgebaut war und seine Spannung nur allmählich steigerte, punktet Futureworld mit mehreren Höhepunkten und unterhält somit um einiges besser als sein Vorläufer.

Gleich zu Beginn wird dem Reporter Chuck Browing (Peter Fonda) von einem ehemaligen Delos Mitarbeiter gesteckt, daß mit dem wiedereröffneten Vergnügungspark etwas im Argen liegt. Als der Informant bei dem vereinbarten Treffen ums Leben kommt, macht sich Chuck gemeinsam mit seiner KolleginTracey auf den Weg nach Delos und checkt dort mit ihr im Themenbereich "Futureworld" ein. Dort beginnen die beiden gleich mit ihrer Recherche und kommen Abseits erlaubten Pfade einem ungeheurlichen Komplott auf die Schliche...

Dennoch läßt sich über den Film sagen, daß er aus heutiger Sicht in seiner Inszenierung eher hölzern wirkt und somit wohl mehr Filmhistoriker in ihren Bann schlagen wird, als Adrenalinjunkies.

Auf Grund dieser Tatsache, daß in dem 1975 gedrehten Film erstmals gerenderte 3D Graphik eingesetzt wurde und dem bedauernswerten Umstand, daß Yul Brunner hier zum letzten mal auf der Filmleinwand zu sehen war, sollte man sich den für damalige Verhätnisse respektablen Film, als ambitionierter Sci-Fi Fan doch mindestens einmal im Leben zu Gemüte führen.
Eine Verweigerung der Betrachtung hinterläßt in jedem Fall eine Genrespezifische Bildungslücke, die auch mit dem lauten Aufzählen aller Star Trek Filmein umgekehrter Reihenfolge, nicht wieder gut zu machen ist... 
Story
mit 3
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mit 3
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mit 2
bewertet am 27.08.13 um 15:01
/image/movie/western-union_klein.jpg
In Langs fünfter amerikanischer Regiearbeit und zweitem Western beweist er, daß er sich mit den Spielregeln des Metiers gut angefreundet hat und auch in diesem Genre bestehen kann.

Dennoch ist die Geschichte um Vence Shaw, der seiner kriminellen Vergangenheit entfliehen möchte und dennoch wieder von ihr eingeholt wird, eine Geschichte, die in ihrer Inszenierung eher der leichten Muse als dem packenden Drama zuzuordnen ist. Lang versäumt es, den Film frühzeitig mit einer Mindestportion Spannung aufzuladen und rückt stattdessen das ringelrangelrose Spiel zwischen Vence und der keuschen Sue, ebenso wie das tolpatschige Gebaren des kauzigen Kochs, in den Vordergrund.
Der Mangel an Kontroversität führt dazu, daß sich der Zuschauer eher am Farbenspiel des Technicolorzaubers berauscht, als daß er Interesse an der Handlung entwickelt.
Erst gegen Ende, als das Verhältnis Vences zu dem Ganoven Slade, der die Arbeiten der Telegraphenkompanie "Western Union" sabotiert, um ihnen dann eigenes Material gewinnbringend zu verkaufen, näher in den Focus rückt, wird auch der Zuschauer mehr in das Geschehen eingebunden. Aber das ist zu spät und außerdem dramaturgisch meilenweit von einer spürbaren Beklemmung wie in Langs legendärem Kriminalklassiker "M" entfernt und reicht somit nicht aus, "Western Union" über den Status einer gepflegten Sonntagnachmittagunterhaltung hinaus zu empfehlen.

Der Ton ist sauber, die Technicolorpracht macht mal wieder Spaß und Untertitel fehlen leider. 
Story
mit 3
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mit 4
Tonqualität
mit 4
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mit 1
bewertet am 26.08.13 um 16:07
/image/movie/Vorposten-in-Wildwest-Western-Legenden-DE_klein.jpg
1950 verfilmte Regisseur Robert Wise (Star Trek-Der Film, Kanonenboot am Yangtsee Kiang, Bis das Blut gefriert, Andromeda) die Geschichte des Drehbuchautors Frank S. Nugent über Konflikte in einem Fort im amerikanischen Bürgerkrieg, mit einer erstklassiken Besetzung.

Im Grunde genommen geht es hier um komplexe zwischenmenschliche Konstellationen, in denen Ehre, Patriotismus, Verbittertkeit und natürlich die Liebe eine zentrale Rolle spielen.
Den Rahmen dafür bildet die historische Fußnote, daß Präsident Lincoln im amerikanischen Bürgerkrieg gefangen genommene Südstaatler den Nordstaatlern (Yankees) im Westen Amerikas angliedert, um dort gegen feindlich gesinnte Indianer bestehen zu können.
So erhält auch der Kriegsgefangene Südstaatler Collonel Clay Tucker (Joseph Cotton) mit seiner vor sich hin siechenden Truppe aus Vagabunden und Strauchdieben von dem Yankee Captain Mark Bredford (Cornel Wilde) das Angebot, seiner aussichtslosen Lage zu entkommen und in das Fort des Kriegsversehrten Major Kenniston (Jeff Chandler) überzusiedeln. Dieser ist über sein Leben verbittert, da er sich gleich in seiner ersten Schlacht ein verkrüppeltes Bein zugezogen hat und ihm so militärische Ehren verwährt bleiben. Zugleich hadert er mit der nicht erwiederten Liebe seiner Schwägerin Elene (Linda Dernell), dessen Mann (Kennistons Bruder) im Krieg gefallen ist und die er in seinem Fort gegen ihren Willen hütet wie seinen Augapfel.
Auch Bredford und Tucker, kaum im Fort eingetroffen, verlieben sich schnell in die hübsche Mexikanerin Elena.
Kenniston versucht zwar daraufhin, mit pupertären Machtdemonstrationen Elena zu imponieren, sich als vollwertiger Mann zu präsentieren und seine Nebenbuhler zu demütigen, hat damit aber wenig Erfolg.
So entlädt sich konsequenter Weise auch der angestaute Frust bei der nächstbesten Gelegenheit und Kenniston erschießt den Sohn des Indianerhäuptlings, auf dessen Stammesgebiet das Fort errichtet wurde, grundlos.

Als sich Tucker nach langer Zeit des Wartens eine Gelegenheit bietet, sich mit seiner Truppe wieder in den Süden abzusetzen, ergreift er diese Chance sofort und macht sich mit seinen Männern aus dem Staub. Noch nicht weit gekommen, erreicht ihn jedoch die Nachricht, das Fort und mit ihm auch Elena, werden von den Indianern belagert, die für den toten Häuptlingssohn Rache nehmen wollen.
In einer Gewissensentscheidung folgen alle Männer ihrem Anführer Tucker und eilen den ungeliebten Nordstaatlern in ihrem Fort zu Hilfe.

Behutsam stellt R. Wise die Protagonisten mit ihren persönlichen Schicksalen, Hoffnungen und Enttäuschungen in den Vordergrund und flechtet die Darsteller geschickt in den übergeordneten historischen Rahmen ein. Das dabei der aufkeimende gesamtamerikanische Patriotismus wohltuend im Hintergrund bleibt und im Schatten der individuellen menschlichen Dramen sogar fast zu verblaßen droht, gehört zu den bemerkenswertetsten Eigenschaften dieses Films.
Daher kann ich auch die im Begleitheft vertretene Position, die Indianer werden nicht als Amerikaner, sondern vielmehr als Naturkatastrophe beschrieben, die als gemeinsamer Feind wie ein Katalysator für das amerikanischen Nationalethos funktionieren, nicht teilen.
Im Gegenteil waren die Indianer bis zum Mord am Häuptlingssohn eher ruhig und haben dem Treiben im Fort interessiert aber distanziert zugeschaut. Zur Katastrophe kam es also nicht auf Grund von ethnischen Unterschieden, sondern wegen des gescheiterten Lebenslaufes des Majors. Somit wird das menschliche Drama mit dramaturgisch überzeichneten Mitteln dargestellt und kein rassistisches Urteile gesprochen.
Natürlich wirkt es schon etwas heroisch, wenn sich Kenniston am Ende den Indianern ausliefert und Tucker das Fort übernimmt. Diese idealisierte amerikanische Charakterzeichnung, bei der, wenn es hart auf hart kommt, immer noch ein Held in der Uniform steckt, wirkt natürlich etwas überzogen, kann aber wie gesagt auch als Eingeständniss seiner persönlichen Niederlage und Perspektivlosigkeit gewertet werden.
Auch Tuckers Beförderung kann symbolisch die Unberrechenbarkeit des Schicksales darstellen und muß nicht unbedingt einen Sinneswandel zum Ausdruck bringen.

Wie man es auch dreht und wendet, bleibt "Two Flags West" unterm Strich ein solide inszeniertes Westerndrama, welches von einer hochkarätigen Schauspielerschar getragen wird.
Da die Handlung einigermaßen Komplex und verflochten ist und sich kontinuierlich fortentwickelt, ist von der ersten bis zur letzten Minuten solide Unterhaltung im eigenen Saloon garantiert.

Der Ton liegt im dts HD Master vor und ist rauschfrei jederzeit gut verständlich.
Das Bild beginnt erbärmlich mit flächigen und schmierigen Objekten, mausert sich aber kontinuierlich über erträgliches Filmkorn bis hin zur perfekten s/w Wiedergabe.
Da hat wohl jemand learning by doing betrieben... 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
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mit 1
bewertet am 26.08.13 um 15:59
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Ungwöhnlicher Western, der von der Thematik stark an John Housten's "Der Schatz der Sierra Madre" mit H. Bogart erinnert. Auch hier geht es in erster Linie darum, wie Gier im allgemeinen und Gold im speziellen, den Charakter der Menschen zerfrißt. Erst in zweiter Linie geht es um die klassischen Themen wie Liebe, Korruption und Verrat.

Handlung:
15 Jahre nach einem Eisebahnraub kehrt der nun mitlerweile 30 jährige Pete Carver nach verbüßter Haftstrafe in sein Heimatort zurück. Hier hatte einst die Gang um seinen Vater die Beute in einem ausgedehnten Höhlensystem versteckt. Da bis auf Pete alle Beteiligten bei der Verfolgung ums Leben kamen und die Beute nie gefunden wurde, hofft die Stadt nun, daß Pete den Schatz hebt und so einen Geldregen über die Stadt rieseln läßt.
Was nun folgt, ist ein Überbieten an Unterwürfigkeit und Falschheit der Dorfbevölkerung gegenüber Steve, bloß um beim zu erwartenden Geldsegen an erster Stelle zu stehen.
Da Steve aber ein Detektiv der Eisenbahngesellschaft, genannt Dobbs, auf Schritt und Tritt auf den Fersen ist, erweist sich das Unterfangen, die Beute zu sichern als äußerst vertrackt. So verheddert sich Steve, der öffentlich jetzt natürlich verleugnen muß, das Versteck in der Höhle zu kennen, immer mehr in das soziale Netz der Stadt.
Zum einen geht er auf das Angebot der attraktiven Witwe Liz, die in ihm den potentiellen Mäzen sieht, ein und bringt das marode Käseblättchen des Kaffs wieder auf Vordermann.
Der kaltherzige "Dorfindustrielle", Ben Cross, der alle negativen Attribute des Erzkapitalismus, von Sklaventreiberei über Mord bis hin zum Intrigantentum in sich vereint, hat ebenfalls ein Auge auf Liz geworfen. Gleichzeitig ist er im Besitz sämtlicher Schuldscheine Pete's, die seine Gläubiger ihm zuvorkommend ausgestellt haben.
Ben bietet Pete an, den lästigen Detektiv Dobbs zu beseitigen, damit Pete sich in aller Seelenruhe auf die Suche nach dem Gold machen kann. Mit dem Geld könne man dann ja auch gemeinsame Projekte unternehmen...

Verunsichert , ob Liz ihn nur wegen des Geldes um Beistand gebeten hat und wie er sich gegenüber dem stets zuvorkommenden Detektiv verhalten soll, reitet er schließlich zu Höhle, als er erfahren hat, daß Liz Ex-Mann das Geld in der Höhle gefunden hat und dort spurlos verschwunden ist, nachdem Ben ihn angeschoßen hat.
Hier treffen zum Schluß alle Protagonisten zusammen und in der explosiven Gemengelage aus himmlischen und höllischen Charakteren, müßen sich alle Beteiligten einer Gewißensprüfung unterziehen und Farbe bekennen.
Moral oder Gold!

So gesehen ist "Die Höhle der Gesetzlosen" kein klassischer Cowboy und Indianer oder Prärie Western, sondern eine Lehrstunde über Ethik im Westerngewand. Das der Westernaspekt deutlich in den Hintergrund tritt, läßt sich Beispielhaft an den Gewändern der Protagonisten ablesen. Pete, Dobbs, Liz und Ben tragen kein einziges mal die typische Western (Cowboy) tracht. Von der ersten bis zur letzten Scenen bevorzugen sie den, zugegebenerweise zeittypischen, feinen Zwirn.
Warum dieser Sozialkrimi unbedingt in den Western verlegt wurde, bleibt das Geheimnis des Gruselfilmspezialisten William Castle.
Mag es an seiner Experiementierlust oder etwas anderem gelegen haben; man weiß es nicht, ummantelt dieses aber den Film mit einer nebulösen Aura. Tatsache ist, daß die Westernkulisse den Film zwar nicht deutlich bereichert, der Verlagerung auf der Zeitachse ins vorherige Jahrhundert, dem Film aber etwas zeitloses, klassisches verleiht: so wars schon immer, so ist's heute noch und so wirds immer sein.

"Die Höhle der Gesetzlosen" ist definitiv kein großer Western. Damit wäre er auch mit einer Spiellänge von 75 min. auch viel zu kurz. Er stellt aber zumindest eine interessante Spielart dar und erlaubt sich sogar, daß Genre, welches sich durch weitläufige und atemberaubende Landschafften auszeichnet, mit seiner beklemmenden Höhlenenge ein wenig zu parodieren.

Insgesamt kann man dem Werk attestieren gut durchdacht zu sein und mit seinen kleinen Wendungen und den bis zum Schluß unklaren Motiven des Helden, gut zu unterhalten. Die Schauspieler agieren durch die Bank weg zufriedenstellend und tragen gemeinsam mit den in poetischem Technicolor erstrahlenden Farben zum gelungenen Heimkinoabend bei.

Punktabzug gibt's eigentlich nur wegen der altmodischen und behäbigen Inszenierung, die für meinen Geschmack etwas zu sauber geraten ist und stylistisch an alte Melodramen erinnert. Sehenswert ist dieser kleine Ausreißer des Westerngenres für Liebhaber alter Filme dennoch allemal.

Den Ton gibts wie gewohnt in vorzüglichem DTS HD MA, der von Anfang bis Ende glasklar im prächtigstem Mono erschallt.

Ein Vopas noch zum Ende: "Die Höhle der Gesetzlosen" ist bisher das zweite Werk der Western Legenden Reihe von Koch Media, bei dem sich die Untertitel nicht zuschalten lassen. Das ist für OmU Gucker sehr ärgerlich und dürfte einer solch aufwendigen Produktuion/Aufmachung nicht unterlaufen !!! 
Story
mit 3
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mit 4
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mit 4
Extras
mit 1
bewertet am 12.08.13 um 23:49
/image/movie/reiter-ohne-gnade-western-legenden-no.-20-limited-mediabook-edition-neu_klein.jpg
Durchschnittliche Bewertung für einen durchschnittlichen Western.

Der junge Johnnny Camps schließt sich mit seinem Bruder Frankie und seiner kleinen Meute der Partisanengruppe um Collonel Quantrill an. Ihre Häuser wurden von den Yankees verbrannt und ihre Familien getötet. Unter dem Kommando des Collonels wollen sie so Rache an den verhaßten Yankees üben.
Quantrill hat von den Südstaatlern offiziell die Erlaubnis, eine eigene paramilitärische Armee zu befehligen und mit kleinen, gezielten Überfällen die Nordstaatler zu zermürben. Schnell merkt Johnny jedoch, daß sich die "Armee" nicht aus ideologisch gleichgesinnten Mitstreitern zusammensetzt, sondern daß es sich um einen wild zusammengewürfelten Haufen Morodeure handelt, die den Bürgerkrieg bloß als Vorwand für ihre Lust auf Plünderungen und Gewaltexzesse benutzen und somit keinen Deut besser sind, als ihre eigentlichen Feinde.

Quantrill, an sich ideologisch geprägt, ist dies genauso zuwieder, nimmt dies aber für das Erreichen seiner Ziele in Kauf. Johnny, mittlerweile durch die gemeinsamen Ideale, zum Leutnant und Ziehsohn Quantrills aufgestiegen, überlegt, von dem blutigen Treiben seiner Kameraden angewiedert, den Trupp zu verlassen. Da er aber keine Heimat mehr besitzt und sich außerdem in die schöne Tochtes des Collonels verguckt hat, kann dieser ihn schließlich dazu überreden, weiterhin gegen die Yankees ins Feld zu ziehen.
Nach einer Weile schließlich haben die verwilderten Soldaten den Idealismus Quatsch selber satt und verlassen Quadrill mit seinen Gefolgsleuten, um eigenständig die Siedlungen auszuplündern.
Johnny, sein Bruder und seine Freunde ziehen sich schließlich zusammen mit Quantrill in ein ausgebranntes Haus zurück. Dort werden sie sehr bald von den Yankees aufgespürt. Nur noch den Tod oder die Flucht vor Augen, kommt es zur letzten Entscheidung...

Reiter ohne Gnade ist kein großer Edelwestern. Trotz seines relativ einfachen Strickmusters, reißt er aber eine ganze Reihe klassischer Westernthemen an und vereint in Johnny Camps (Audie Murphy-höchstdekorierter US-Soldat im 2. Weltkrieg) viele Tugenden des guten Amerikas in sich. Als da wären: Tapferkeit, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Idealismus und Willensstärke.
Dadurch, daß diese Tugenden mit der Realität konfrontiert werden, hebt sich Reiter ohne Gnade äußerst wohltuend von einem simplen Westernmärchen ab. Gerade die Kluft zwischen jugendlicher Naivität und Idealismus, und der von Gier und Gewalt geprägten Alltagswelt, erzeugt ein Spannungsfeld, an dem Johnny zu zerreißen droht. Durch diese emotionale Komponente und einer gewißen angedeuteten charakterlichen Tiefe des Collonels, erhält der Film ein überdurchschnittliches Niveau, der sich von seichter Berieselungsware klar abgrenzen kann.

Da Audie Murphy zeit seines Lebens nur B- Western gedreht hat, ist auch Reiter ohne Gnade nicht der große Wurf. Allerdings muß man ihm attestieren, daß er zu keinem Zeitpunkt langweilig oder billig wirkt und daß seine Kulissen, Kostüme und Dekorationen sehenswert sind.

Auch das sehr sorgsam aufbearbeitete Bild glänzt durch schönes Technicolor und akzeptable Schärfe. Der Ton in DTS HD MA kommt glasklar und ohne Rauschen beim Zuhörer an, kann aber bei dem Ausgangsmaterial seine Möglichkeiten nicht voll ausspielen.
Ein kleines Minus gibts für einen Digitalisierungspatzer, bei dem sich kurz die Pferde ungebremst in ihre Spektralfarben auflösen. 
Story
mit 3
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mit 4
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mit 4
Extras
mit 2
bewertet am 12.08.13 um 22:17
/image/movie/the-last-stand-2013-uncut-edition-neu_klein.jpg
Im Grunde genommen handelt es sich bei The last Stand um ein Stückchen Actionkino, welches nur konzipiert wurde, um Arnie wieder ins Rampenlicht zu führen.

Die Action fällt zwar grundsolide aus, kann aber nicht wirklich begeistern, da sie sich selbst auf nichts weiter als Autoverfolgung, Handgemenge und Bleigewitter reduziert. Auch die gelegentlich eingesprengelten obligatorischen Witzchen und Oneliner können nicht den Eindruck kaschieren, man hat es hier mit einer x-beliebigen Dutzendware zu tun. Der Effekt des "alles schon mal gesehen" drängt sich unverzüglich auf und die Inszenierung wirkt von der ersten Minute an überroutiniert.
Und an genau dieser Uninspieriertheit kränkelt der gesamte Film. The last Stand ist so massiv innovationsressistend, daß sich im handumdrehen Langeweile ausbreitet. Zu ideenlos und einfältig sind die Charaktere und Actionsequenzen ausgearbeitet, als daß man sich der einschläfernden Wirkung auf Dauer entziehen könnte.
Zwar ist Arnie noch immer sehenswert, mit seiner Einfältigen Inszenierung schaufelt sich sein neues Werk jedoch sein eigenes Grab.

Man sollte eben die sogenannten "Oldschool" Actionfilme der 80er Jahre in ihrer Ruhmeshalle ruhen lassen. Eine zeitgemäße Reanimation kann ohne satirische Untertöne nicht mehr bestehen und daran mangelt es hierdoch zu häufig. Ein sich selbst ernst nehmender plumper Plott wirkt heute einfach nur noch deplatziert... 
Story
mit 2
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bewertet am 11.08.13 um 11:18
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Wie ein Trailer doch täuschen kann. Läßt sich hinter der Kinowerbung doch kaum mehr vermuten, als eine CGI umrankte Aneinanderreihung von Tölpeleien und platten Zoten, entpuppt sich Jack and the Giants jedoch schnell als eine behutsam aufgebaute Märchenverfilmung, der es naturbedingt zwar an erzählerischer Tiefe mangelt, dessen Charaktere sich aber aus der Eindimensionalität der Märchenvorlage befreien und mit so etwas wie Glaubwürdigkeit überzeugen können.

Handlung: Spoiler!!!
Als der Bauernsohn Jack geschäftlich in der Burg des Königs unterwegs ist, steht er unvermittelt und unwissend der Prinzessin zur Seite, als sich diese inkognito unters Volk mischt und von diesem belästigt wird. Kurz darauf werden ihm von einem flüchtigen Mönch ein paar Bohnen, mit der Bitte, diese zur Abtei zu bringen, zugesteckt.
Der Mönch wird verhaftet. Jack kann die Bohnen zwar retten, aber nicht der Abtei zustellen, da der Mönch für seine Flucht Jacks Pferd "geliehen" hat.
Wie der Zufall es will, buchst die Prinzessin eines schönen Tages aus der Obhut ihres Vaters aus, um Abenteuern zu begegnen. Natürlich landet sie während eines Unwetters unmittelbar in Jacks ärmlicher Bauernkate.
Hier rieselt der Regen durchs mürbe Dach und benetzt eine Zauberbohne, welche im Handumdrehen ins Unendliche sprießt.
Da die Bohne die Prinzessin Isabelle mit in die Höhe gerißen hat, schickt der König einen Rettungstrupp, angeführt von dem zwielichtigen Rodderick auf die gefährliche Mission, um die Thronfolgerin zu retten. Jack darf als Berater hinterhertrotten.

Am Ende der Bohnenranke angekommen, entdecken sie, daß die alten Legenden war sind: auf einem Land über den Wolken haust eine Schaar ungehobelter Riesen, die den Menschen spinnefeind sind.
Der Anführer der Expedition, Rodderick, hatte den Kontakt mit den Riesen jedoch schon lange im voraus geplant. Ist er doch im Besitz eines magischen Artefakts, mit welchem er die Riesen unterwerfen kann. Mit ihrer Hilfe will er sich die Welt zum Untertan zu machen.
Wies aber nun mal so läuft im Leben, kann die Prinzessin von Jack aus den Klauen der Riesen befreit werden, Rodderick verliert sein Leben, und die Riesen machen sich von alleine auf die Jagd nach ihrer Lieblingsdelikatesse: zartes Menschenfleisch mit knusprigen Knochen...

Was Jack and the Giants neben dem bereits lobenswerten erwähnten postinfantilen Grundtenor auszeichnet und so besonderen Spaß macht, sind die Riesen!
Zum einen ist es ihr Aussehen. Mit ihren von Pusteln, Blattern, Schuppenflechte, Syphillis und Hygienephobie gezeichneten Visagen, in denen vergammelte Zahnruinen thronen, besitzen sie genau das dreckige Aussehen, das benötigt wird, um sie aus der wohlbehüteten Märchenwelt ins reale Leben zu überführen. Genauso wünscht man sich die Bösewichter, sobald man dem Winnie-Puh Lebensabschnitt entwachsen ist. Keine glattbegügelten Maskeraden mehr, sondern das ungeschönte erfreut das Auge.
Erfreulicherweise bleibt es bei den Riesen nicht nur bei dem ekelerregendem Schauwert, sondern Regisseur Bryan Singer versteht es, ihnen, soweit in der kurzen Zeit möglich, einen eigenständigen Charakter zu verpassen. Damit bleiben die Figuren nicht so hohl und uniteressant wie in Benico del Torros viel zu hoch gelobtem Pacific Rim oder so trottelig wie Jacksons Trolle aus dem Hobbit, sondern schaffen es mit ihrem groben Charakter und ungehobelten Manieren eine Form von Bösartigkeit, eine Antipathie zu erzeugen, die zwar nie wirklich abstößt, dafür aber prächtig unterhält.
Dadurch, daß den Riesen genauso viel Raum zur Entfaltung gelassen wird wie den Hauptakteuren, wirken sie als Gegner ebenbürtig und dienen nicht nur als Effektkulisse. Wobei man insgesamt sagen muß, daß das Erzähltempo annährend optimal ist. Die Story kommt zügig voran, eilt aber nicht in einem Galopp davon, der die Spur von Oberflächlichkeit hinterlaßen würde.

Natürlich hat aber jeder Film auch seine Schwächen.
Auch wenn sie hier gering sind, fallen mir doch die Wahl des Hauptdarstellers sowie die Finale Schlacht auf.
Nicholas Hoult spielt den Jack zwar keineswegs schlecht, und die Idee, den seriösen Ton des Films nicht mit einem Hollywoodbeau zu verwässern, ist zwar lobenswert, trotzdem nimmt man Hoult nur den Bauernsohn, nicht aber die Rolle des Helden und Prinzessinengemahls ab.
Auch hat mich die Finale Schlacht am Ende nicht ganz befriedigt. Zwar sind alle Effekte auf hohem Niveau und es rumst auch ganz schön, dennoch hatte ich sie mir etwas epischer erhofft. Vielleicht bin ich da auch zu sehr vom Herr der Ringe verwöhnt, aber da Jack and the Giants auch mehr Anleihen an die großen Neuseeländischen Phantasywerke, als an obligatorischen Hollywood Krimskrams hat, kommt diese Erwartungshaltung nicht von ungefähr.
Lobend sei auch noch der Humor erwähnt, der sich nicht durch Albernheiten selbst disqualifiziert, sondern das gelungene Gesamtbild wohltuend auflockert.

Unterm Strich ist B. Singer also der Spagat zwischen Erwachsenen und Märchenfilm gut geglückt: die Erwachsenen wirds freuen, wenn sich die Riesen als kleine Knabberei den Menschen oder Schafen den Kopf abbeißen, die Kleineeren wirds freuen, wenn man dies letztendlich nicht sieht, sondern nur hört.
Welches Vergnügen dem Zuschauer zuteil geworden wäre, hätte sich der Regisseur mit seinem Vorhaben durchgesetzt, aus Jack the Giant Killer einen reinen Erwachsenfilm zu machen, kann man sich in solchen Momenten nur zu lebhaft vorstellen.
Das Warner aber nicht den Mumm dazu hatte, dem hoch talentierten Geschichtenerzähler Singer (X-Men, Die üblichen Verdächtigen) freie Hand zu lassen kann man daher nur bedauern, dürfte Warner aber als Hauptschuldigen für das Einspieldebakel verantwortlich machen.

Trotz dieser Inszenierung, der man das durchgehend getretene Bremspedal häufig anmerkt, kriegt der Film auf Grund seiner schnörkellosen Inszenierung, dem Verzicht auf Plattheiten und dem immer wieder bereichernden 3D Effekt (Die vielen Vogelbildperspektiven überzeugen mit einer atemberaubendem Plastizität; die Riesen werden zu real existierenden Wesen) und die volle Punktzahl auf die Bohne äh... Nuss gedrückt.

Man kann nur hoffen , daß Singer den nach Boxoffice Ergebnissen geifernden Studiobossen gezeigt hat, wo die Reise hingehen kann, wenn man es vermag, den postmodernen hirntoten Materialschlachten der südkalifornischen Unterhaltungsindustrie Hirn und Seele einzuhauchen... 
Story
mit 5
Bildqualität
mit 5
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 3
bewertet am 11.08.13 um 10:38
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Schwer zu beschreibender Irrsinn, der in seiner Abgedrehtheit an eine Mixtur aus Douglas Adams Humor und Robert A. Wilson's Symbiose aus Zen Buddhismus, Philosophie, Quantenphysik, psychedelischen Drogen, Anarchie und tiefer Ironie darstellt.

Handlung:
Retro pesktiv berichtet David einem Reporter seine unglaubliche Geschichte. Und die klingt ungefähr so: Nachdem er sich versehentlich die Droge Soja Soße injiziert hat, verändert sich sein Leben dramatisch. Nicht nur, daß in seiner Wahrnehmung Dinge auftreten, die auf der Zeitachse erst in der Zukunft liegen, kann er nun unter anderem auch Dämonen aus anderen Dimensionen sehen und Gedanken lesen.
Nach und nach erfährt John, daß die Droge lebt und die Menschen als Wirt benutzt um sich zu verbreiten. Mit Hilfe seines Freundes John, der ebenfalls mit der Soja Droge infiziert ist, und der armamputierten Amy, durchschreiten sie eine magische Tür, hinter der sich ein Dimensionsportal versteckt hält. Als sie dieses passieren, erfahren John und Dave, daß dort eine Parallelwelt existiert, die erst 1862 eine andere Richtung eingeschlagen hat, als ein Farmer bei einem Kreuzungsversuch von einem Esel und einem Stier, in der einen Welt vom Stier getötet und in der anderen überlebt hat. Der überlebende Farmer hat in der Parallelwelt ein Wesen erschaffen, welches unendlich klug ist und an das Wissen der Bewohner der anderen Dimension möchte, indem es sich diese einverleibt. John und Dave sollen ihm nun verraten, wie er zwischen den Dimensionen hin und her wechseln kann.
Der Polizist jedoch, der Ihnen das magische Tor gezeigt hat, hat ihnen gleichzeitig den Auftrag mitgegeben, das Dimensionstor zu zerstören. Zu diesem Zweg hat er ihnen eine selbstgebastelte Bombe, gefüllt mit einer Gegendroge mit auf den Weg gegeben.
Bei der Begegnung mit dem Ungeheuer kommt es zum interdimensionalen Showdown auf Leben und Tod....

Diese Inhaltsangabe ist jedoch nur ein blaßer und stark vereinfachter Abriss dessen, was auf den Zuschauer an Absurditäten und Verrücktheiten einpraßelt und vermittelt in keinster Weise die Anarchie und den Witz der Erzählung. Wie in den Büchern des Kultautors Robert A. Wilson (Illuminati), folgt die Handlung keinem rationalem Muster, gedanklichen Begrenzungen oder erkennbarer Sinnhaftigkeit. Im Gegenteil geht es vielmehr darum, die Lust an entfesselter Kreativität bis zum Rande der eigenen Ekenntnismöglichkeiten auszuschöpfen.
So wird in erster Linie auch nicht versucht, den Zuschauer im klassischen Sinne mit einer spannenden, dramatisch ausgetüftelten Geschichte, gespickt mit allerhand psychologischen Finessen, zu unterhalten, sondern sich einzig und allein an der Freiheit zu erfreuen, die hinter den Gewohnten, meist rationalen Denkmustern lauert, und diese zu zelebrieren.
Das bei diesem Ausbund der Phantasie und der fast minütlich hakenschlagenden Handlung, der Erzählrhytmus dabei manchmal auf der Strecke bleibt, ist fast zwangsläufig. Insgesamt erinnert er daher auch mehr an eine Fahrt über ein Hoppelsteinpflaster, als ans Gleiten über einen ruhigen langsamen Fluß. Dennoch zerflettert der Plott Don Coscarelli nicht unter seinen Fingern und er schafft es die Balance zwischen Verwirrung und Nachvollziehbarkeit der Geschehnisse aufrecht zu erhalten.
Da der Film auch immer wieder durch kurze aber explizite Splattereinlagen aufgelockert wird und philosophische Fragen aufwirft, die an Säurediskussionen von Acidheads erinnern, droht der paranoide Irrsinn des Filmes nie Gefahr sich totzulaufen oder zum reinen Selbstzweck zu verkommen.

Trotz der Genialität der literarischen Vorlage, dem bedachten Können des Regisseurs und dem Durchweg zufriedenstellenden Leistungen der Schauspieler fehlt es dem Film manchmal ein wenig an Biß. Er krankt etwas an der lakonischen und fast beiläufigen Erzählweise Coscarellis, sowie der ständigen Unaufgeregtheit und stoischen Ruhe der Hauptdarsteller. Hier hätte mir etwas mehr Emotion und Prominenz der lustigen, sowie blutigen Scenen besser gefallen.
Die Specialeffects sind insgesamt auf B-Movie Niveau, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da hier andere Prioritäten gesetzt werden und dies außerdem dem trashigen Grundtenor des Films, sowie seiner Abgrenzung zum Blockbusterkino voll entspricht.

Auf Grund des Understatements, dem das Attribut "cool" nur bedingt angeheftet werden kann, hätte dieser Film, der nur ein spezielles Publikum ansprechen (dafür aber auch entzücken) wird, wohl nur vier Punkte verdient.
Da aber auch ein Hund mitspielt, gibts die volle Punktzahl.

Bild und Ton sind auf Topniveau, wobei die Vorzüge des DTS HD MA 5.1 auf Grund des dialoglastigen Tons kaum zur Geltung kommen. 
Story
mit 5
Bildqualität
mit 5
Tonqualität
mit 5
Extras
mit 1
bewertet am 10.08.13 um 15:22
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Netter Horrorspaß der 80er, der sich ebenso als Satire, wie auch als enthusiastischer Befürworter des Splatterfilms outet. Da die Geschichte noch in eine amüsante Highschool Tennie Love Story eingebettet ist, bekommt der Zuschauer quasi die Essenz des 80er Teenie Horrors geboten.

Gesponnen hat der Regisseur den Plot ursprünglich um den Cop Ray (Tom Atkins), dessen Ex Geliebte von einem Geisteskranken, direkt vor seinen Augen, mit einem Beil zu Müsli verarbeitet wurde.
30 Jahre später hat er sich in einen Zyniker erster Güte, dem kein Spruch zu peinlich ist, verwandelt.
Diese Hommage an den desillusionierten Bullen aus der schwarzen Serie der 30er ist zwar nur ein Baustein in diesem Genrekonglomerat, bildet aber irgendwie das Salz in der Suppe, da er den sarkastischen, ernsten und ironischen Tenor des Films in sich vereint.

Auch wenn die Auftritte von Atkins (The Fog, Die Klapperschlange) sicherlich den schauspielerischen Höhepunkt bilden, gibt sich auch der Rest des Castes keine Blöße. Vor allem sind hier James Lively (Die schrillen vier auf Achse) als schüchterner Chris, sowie dessen Gegenpart Brad, aus dessen Arme er seine Traumfrau Cynthia eisen muß, zu erwähnen.

Auch wenn auf Grund des legairen Erzählstils und des ironischen Untertones, die Spannung weitesgehendst auf der Strecke bleibt, so gibt man sich mit den Splattereffekten der platzenden Köpfe doch allerhand Mühe, daß Latexmonstergenre nicht zu verspotten, sondern zu huldigen.

Und gerade auf Grund der Liebe zum Gruselfilm, seinen zahlreichen kleinen Verbeugungen vor der Historie des Genres und dem Herzblut, daß man dem Drehbuch, den Schauspielern und Effekten in jeder Faser seiner 90 min. anmerkt, hat der Film zu Recht seinen festen Platz in den Horroranalen verdient.
Und wer weiß, vielleicht hat er ja auch mit seiner kleinen Rasenmäherscene und seiner humoristischen Ader, Peter Jackson zu einem Splattermeisterwerk angeregt....

Den einen Punkt Abzug gibts, da es dem Low Budget Film, an der einen "Großen" Scene oder dem einen "überragenden" Effekt mangelt. So bleiben denn die Splatterscenen, wenn auch handwerklich ohne Fehl und Tadel, Budget bedingt, im Ansatz stecken. 
Story
mit 4
Bildqualität
mit 3
Tonqualität
mit 3
Extras
mit 3
bewertet am 10.08.13 um 15:05
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Leider schafft es Tim Burton auch diesmal wieder nicht, aus dem Füllhorn an Möglichkeiten, daß er mit seiner düster-phantasievollen Atmosphäre schafft, einen wirklich nachhaltig überzeugenden Film zu präsentieren.
Statt sich für Nackenhaar sträubende Spannung oder die geistreiche Parodie zu entscheiden, eiert er stets unentschloßen, schüchtern und zögerlich, zwischen diesen Polen hin und her, um sich schließlich doch, wie gewohnt, an seinem Lieblingsmetier, dem Schaulaufen schrulliger Charaktere, sowie dem zelebrieren skuriller Handlungsmuster, festzuklammern.

Somit entfaltet denn Dark Shadows auch zu keinem Zeitpunkt wirklichen Nervenkitzel, sondern bleibt Horrortechnisch immer schön stubenrein im Bereich des Familientauglichen. Das ist natürlich, künstlerisch gesehen, völlig legitim, nur fragt man sich, warum er sich des Horrorgenres bedient, wenn er sich dessen Charakteristika verweigert, oder zumindest, im Wissen um dessen Strickmuster, diese nicht parodiert.
Durch den Ausflug in Vampir- und Dämonengefilde aber erzeut Burton eine Erwartungshaltung, die dadurch nur im Ansatz befriedigt wird.
Stattdessen fixiert sich Burton auf eine Jahrhunderte alte Rache- und Liebesgeschichte, die nur zäh durch die mittlerweile ausgenudelte "Steinzeitmann trifft auf Neuzeitbevölkerung" Thematik, eher lau als mau, aufgepeppelt wird.

Das der Film dennoch nicht völlig versagt, liegt wie gesagt am nostalgischen Ambiente des Sets, daß sich an dem Stil der Gruselfime von Anno dazumal orientiert, sowie an den Eigenarten der Familienmitglieder, die mit ihren Macken einen gewißen Unterhaltungsfaktor bieten. Das Johnny Depp dabei mal wieder herauragt, braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Das ist man gewohnt. Wem seine leicht tuntige Attitüde jedoch bereits zum Hals raushängt, sollte jedoch besser erst gar nicht einschalten. Sein Spiel weist keine eklatanten Variationen zu Jack Sparrow aus dem Fluch der Karibik auf und macht sich daher sogar einem limitierten mimischen Repertoir verdächtigt. Seine Suche nach einem bestimmten Stil gelingt nicht immer und wirkt mitunter sogar etwas hilflos.

Bleibt unterm Strich festzuhalten, daß Dark Shadows zwar insgesamt eine solide inszenierte Gruselmär ist, die jedoch eher die Fans des leicht verschrobenen, verträumt-phantasievollen zufrieden stellen wird, als den Liebhaber erwachsenengerechter Filmkost. 
Story
mit 3
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 3
bewertet am 10.08.13 um 15:02
/image/movie/stirb-langsam---ein-guter-tag-zum-sterben-extended-cut-neu_klein.jpg
Mit Freude erwartet, ist der fünfte Auftritt des Action Veteranen McLane leider das Waterloodesaster der Reihe geworden.

Abgesehen davon, daß John McLane einen Sidekick außer zu Handlangertätigkeiten und Sprücheklopfen, noch nie wirklich nötig gehabt hat, ist Bruce Willis diesmal ein Partner von einem unterdurchschnittlichem Talent in der Rolle seines Sohnes an die Fersen gehaftet worden, dessen fade Präsenz auf ganzer Linie enttäuscht.
Natürlich mögen es Stars nicht gerne, wenn ihnen jemand die Show stiehlt. Das sein Sohn aber gleich mit einer sooo uncharismatischen Ausstrahlung geschlagen sein und auch so aussehen muß, wie ein 08/15 Gefreiter im Afghanistan Krieg oder Call of Duty Primitivling, ist absolut unverständlich. Gibt es denn keine Testscreenings mehr?
Schauspieler sollten einst einmal mal durch ihre Präsenz den Zuschauer unterhalten, und nicht zu einschläfernder Desinteresse verleiten und langweilen.

Sohnemann, daß wird uns gleich zu Beginn verdeutlicht, hat sich vom Vater komplett emanzipiert und beruflich einen völlig anderen Weg eingeschlagen: Er ist CIA Agent geworden. Im fernen, unzivilisierten Rußland. Dort legt er sich gleich mit den allerschlimmsten Ganoven des Landes, den korrupten Politikern, an. Väterchen ahnt davon zunächst allerdings wenig, als er im Reich des Bösen eintrifft. Er befindet sich in der Midlifekrise und möchte auf seiner Mission in den Ostblock eigentlich nur die dunklen Flecken seiner Seele reinwaschen, sprich das gebrochene Verhältnis zu seinem Sohn kitten.

Natürlich wird McLane sofort Zeuge, wie sein Sohn, gemeinsam mit einem reuigen Atomwissenschaftler, der belastendes Material über den zukünftigen Verteidigungsminister in Gewahrsam hält, aus einer Gerichtverhandlung rausgesprengt wird, um kaltschnäuzig liquidiert zu werden. Selbstverständlich können beide fliehen und McLane haftet sich nach einem kurzen, fröstelnden Kontakt mit seinem Sohn, an die Fersen der beiden.

Was nun folgt, ist eine hitzige Autoverfolgungsjagd durch das vor dem totalen Verkehrskollaps stehende Moskau, die den Zuschauer einiges an Nerven kostet. Nicht genug damit, daß man von Filmmusik die erste halbe Stunde fast ununterbrochen belästigt wird, ist die gefühlt 20 min. lange Verfolgungsjagd mit seinen brachialen Schnitten im Sekundentakt und der penetrant nervigen Handkamera, deutlich über dem Level angesiedelt, was das menschliche Gemüt noch als angenehm empfindet.
Zu schnell sind die Schnitte und zu verwackelt das Bild, als daß der Zuschauer noch mitbekommt, wo hier eigentlich oben und unten ist, geschweige denn sich eine Gesamtübersicht über das Geschehene verschaffen kann.
Natürlich wurde dies alles vorher im "Konzeptteam" besprochen. ...aus der Perspektive McLanes sehen...bla bla bla... das Ereignis gleichzeitig mit den Protagonisten erleben,...bla bla bla... und so weiter.
Das der Rest der Welt es aber für eine Bereicherung seiner photographischen Ambitionen erachtet hat, einen Bildstabilisator für ruhigere und angenehmere Aufnahmen zu benutzen, schert Regisseur John Moore herzlich wenig. Als Filmakademiker weiß man eben alles besser als der ungehobelte Zuschauer.

Aber Moore hat noch mehr auf dem Kasten: da man sich in Rußland, dem Reich der dunklen Mächte befindet, muß natürlich auch das Bild abgedunkelt und Farbentsättigt werden. Daher sieht man in vielen Actionscenen, besonders im Showdown nur sehr wenig und kann vieles auch nur vage erahnen, was für den Zuschauer, der sich ein Film anschaut, um etwas SEHEN zu können zwar maximal ärgerlich ist, bei Sodokufreunden und ähnlichen Rätselratten aber zu La Ola Wellen der Begeisterung führen könnte. Mit Action hat das freilich nichts mehr gemein, wohl eher aber mit Krawall.

Das der Regisseur hier auf grobes Filmkorn setzt, um dem Film einen rauhen und martialischen, also "handgemachten" Look zu verleihen, sei ihm zwar verziehen, wirkt im Kontext jedoch wie ein verzweifeltes Mittel, handwerkliche Mängel zu kaschieren.

Hierzu zählen neben dem erwähnten Schauspieler unterhalb der Wahrnehmungsgrenze und eine selbstverliebte, über Maßen ausgereizte Autoverfolgungsjagd, die nur Blechfetischsten zu entzücken vermag, viele Fehler in der Dramaturgie der Geschichte. Beispielsweise werden die Motive und Strategien der Gegenseite nur vage angerißen. Ein guter Plott lebt aber immer von der Spannung, dem Katz- und Mausspiel beider Parteien. Dem Guten und dem Bösen.
Zwar wird erwähnt, daß der zu erwartende Verteidigungsminister die Welt aus dem Gleichgewicht bringen wird, warum das aber wohl so sein könnte, wird man nur in den "deleted Scenes" ansatzweise erfahren. Das hätte aber wahrscheinlich zuviel Ruhe und Komplexität in dieses verwackelte und hektische Treiben namens "Actionblockbuster" gebracht. Auch sucht man insgesamt einen gewitzten, kurzweiligen Plott vergebens. Die Handlung entfaltet sich weitesgehendst linear und besteht nur aus einer handvoll Scenen, die dafür aber aus Ideenmangel nervenderweise quälend in die Länge gezogen werden.

Dafür, daß man schon den Gegner ausgeblended hat, hat man sich schließlich entschloßen, den Fokus wenigstens auf die Beziehung von McLane zu seinem Sohn zu richten. Da der Zuschauer während der gesamten 100 min. aber nicht wirklich ein einziges mal eine ehrliche Beziehung zwischen den beiden spüren kann, bleibt die Annährung zwischen den beiden blutleer und ohne jegliche Emotionalität, die nötig gewesen wäre, dem Zusammenführunggeplänkel eine Berechtigung zu verleihen.
Natürlich darf man nicht erwarten, daß der alte Haudegen McLane plötzlich anfängt sentimental zu werden und wie ein Schloßhündchen zu heulen beginnt; ein bißchen mehr als ironisch-lakonische Frötzeleien und ein fremdschämerisch gejapstes "Ich liebe Dich" in einer Atempause der finalen Metzelorgie, hätten es aber schon sein können.

So enttäuscht vom Gesamtfilmergebniss, hangelt man sich mühsam von einer rah gesäten Rosine zur nächsten, in denen McLane mit seinen Sprüchen und Taten den alten Schwerenöter denn doch noch mal durchblitzen läßt.
Auch wenn im 5. Teil, bis auf eine obligatorische "überraschende Wendung" dramaturgisch nach 10 min. schon alles erzählt ist, hat der Film trotz seiner Längen, vor allem im Action Sektor, zugegebener Weise doch ein paar unterhaltsame Momente.

Leider gelingt es dem Regisseur aber, durch inszenatorische Spiränzchen, diese im Keim zu ersticken...

So bleibt die Verwunderung, wieso man ein bewährtes Erfolgsrezept, so umgeändert hat, daß es zu einem Schatten seiner selbst werden konnte. Gilt hier doch das gleiche Grundgesetz, wie bei der Evolution: Hat eine Form ersteinmal sein Optimum gefunden, kann jede Veränderung nur eine Verschlechterung sein.
Also Finger weg von der Blaupause. Neuere Zeiten und moderne Technik hin oder her.... 
Story
mit 2
Bildqualität
mit 3
Tonqualität
mit 3
Extras
mit 3
bewertet am 31.07.13 um 16:30
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Wußte gar nicht mehr, daß Arnie doch noch ein Thriller der Extraklasse hingelegt hat, der nicht nur durch das obligatorische Retroflair der 80er seinen Charme entfaltet und Erinnerungen an Alkoholikagetränkte VHS Abende hochspült, sondern vor allen Dingen durch zeitgemäße Action überzeugen kann, die auch den Vergleich mit dem Unterhaltungswert der allermodernsten Blockbuster, nicht scheuen braucht.

Ob Arnie mit Eraser ein Bewerbungsvideo als Präsident der USA abliefern und deshalb noch mal das Beste aus sich rausholen und ins günstigste Licht rücken wollte, sei einmal dahingestellt.
Fakt ist aber, daß Eraser mit allen Zutaten gesegnet ist, die für das Erfolgsrezept eines zeitlosen Actionreißers benötigt werden: Ein übergroßer Held, eine zu beschützende Maid, Fließbandaction am Rande der Ironie, lockere Sprüche und stetig wechselnde Locations, unterlegen eine Story, in der das Böse auf höchster politischer Ebene seine Machenschaften treibt. Die abschließende Vendetta ist aus diesem Grunde daher eine doppelte Wohltat.

Selbst die CGI Effekte (Krokodile, Flugzeug) wirken heute noch frisch wie am jüngsten Tag und brauchen sich auch 17 jahre nach ihrem Erscheinen nicht hinter hyperrealistischen 4K48fps verstecken.
Im Gegenteil wirkt die Hetzjagd auf Arnie und seine Kronzeugin, deren Stil entfernt an den Redfortklassiker Die 3 Tage des Condors erinnert, wohltuend altmodisch spannend, für Arniefilme fast schon unerhört komplex und kann gegenüber heutigen Produktionen sogar damit punkten, daß man im Showdown tatsächlich noch den Überblick behält und nicht den roten Faden im Getöse des Effektgewitters verliert.

Einzig und allein an den Größen der Detonationen läßt sich ein gewißer Zahn der Zeit nicht verleugnen. Waren die vor ein paar Jahren noch alle handgemacht, kommen aktuelle Filme ohne ein ins unendliche potenziertes, computergeneriertes Flammeninferno wohl nicht mehr aus... 
Story
mit 5
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 1
bewertet am 24.07.13 um 14:21
/image/movie/X-Men-Quadrilogy_klein.jpg
Vier hochwertige Comicheldenverfilmungen verdichtet in einer Box.

Hier ist das gelungen, was den meisten von CGI Gewittern durchtränkten Blockbustern fehlt. Unterhaltung und Action gehen mit komplexen Charakterzeichnungen eine fruchtbare Symbiose ein, die auf gleichbleibend hohem Niveau für Spannung und Nervenkitzel sorgt.

Als Aufhänger für die effektgeladenen Duelle der X-Men Gruppierungen dient der Zwist zwischen den beiden Anführern Xavier und Magneto. Einst befreundet (X-Men - Erste Entscheidung fügt die beginnende Rivalität zwischen den beiden stimmig ins X-Men Universum ein), kämpfen die beiden nun um die Integration in die menschliche Gesellschaft, bzw. um die Vernichtung dessen, da diese sie als Bedrohung empfindet.

Dabei wird den Protagonisten viel Raum eingeräumt, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, wie etwa Eifersucht, Neid, Profilierungssucht und Handicaps, wie die quälende Unmöglichkeit eines Mutanten, körperlichen Kontakt zu Mitmenschen aufzunehmen ohne diesen Schaden zuzufügen, ebenso beleuchtet, wie das schwierige Verhältnis der Mutanten zu ihren Eltern und den seelischen Folgen des Verstoßen werdens.

Da den persönlichen Verwicklungen der Mutanten, die von schauspielerischen Hochkarätern wie Patrick Stewart, Halle Berry, Hugh Jackman, Ian McKellen uvm. verkörpert werden, ebenso viel Raum eingeräumt wird wie dem fesselnden Plott und den von Folge zu Folge ausgereifteren Spezialeffekten, funktioniert die X-Men Saga auch als eigenständiges Drama prächtig und zeigt der Superheldenkonkurrenz, was aus dem vermeintlichen Nerdgenre rauszuholen ist.

Bei so gelungener Unterhaltung fallen denn auch kleinere Schwächen, wie ein etwas aus dem Takt geratener Showdown im ersten Teil, sowie eine deplatziert wirkende X-Men Delegation im Wald im dritten Teil, kaum noch ins Gewicht.
Beim letzteren kommen dann aber unsere Waldorfschüler dafür umso mehr auf ihre Kosten... 
Story
mit 5
Bildqualität
mit 4
Tonqualität
mit 4
Extras
mit 2
bewertet am 20.07.13 um 10:04
/image/movie/westworld-1973--neu_klein.jpg
Hat im Laufe der Zeit doch viel an Schwung verloren.

Technisch naturbedingt längst überholt, schlägt sich die Grundidee der Handlung dennoch auch heute noch wacker. Die etwas hölzerne Inszenierung, sowie der insgesamt recht kurze Showdown mit einem nur mäßig ausgeprägten Spannungsbogen, können aber nur eingefleischte Retroromantiker auch heute noch vom Hocker reißen.

Ansonsten sind die Schauspieler allesamt OK, Yul Brunner sogar Top. 
Story
mit 3
Bildqualität
mit 3
Tonqualität
mit 3
Extras
mit 2
bewertet am 05.07.13 um 16:59

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