Gleich vorweg: diejenigen, die auf ein Effekt-Spektakel eines „2012“ oder einer Macho-Prahlerei eines „Armageddon“ (die ich dennoch beide sehr gerne mag!) gehofft haben, könnten etwas enttäuscht werden.
Regisseur Ric Roman Waugh, der bereits gemeinsam mit Butler den soliden „Angel Has Fallen“ aus dem Jahr 2019 inszenierte, hält sich im Gegensatz zu Roland Emmerich oder Michael Bay nicht lange mit unzähligen farbenfrohen Szenen kolossaler Verwüstungen auf. Einer der Gründe ist natürlich das recht geringe Budget von gerade einmal 35 Millionen US-Dollar das nun mal nicht allzu viele Bombast-Effekte zulässt.
Der Hauptgrund ist aber die „realistischere“ Ausrichtung des Films. Regisseur Waugh („Shot Caller“) und Autor Chris Sparling („Buried – Lebendig begraben“) lassen Gerard Butler („300“, „Hunter Killer“) und seine Familie von einem Schicksalsschlag zum nächsten ringen während sie, wie tausend andere, verzweifelt auf der Suche nach einem sicheren Ort sind.
Erfrischend anders für dieses Genre verzichtet„Greenland“ auf ein geschöntes Bildder Widerstandsfähigkeit des menschlichen Körpers und Geistes. An dessen Stelle steht ein Pragmatismus darüber, wie sich ein solches Szenario entwickeln würde, wenn Panik in der Bevölkerung einsetzt und eine weit verbreitete Gesetzlosigkeit Einzug hält. Zu diesem Chaos kommt noch hinzu, dass der Garrity-Clan letztendlich nicht in der Lage ist, eines der Flugzeuge zu nehmen, die sie nach Grönland fliegen würden. Darüber hinaus macht ein von der Regierung ausgestelltes Armband das als „Golden Ticket“ fungiert sie überall zum Ziel, das zu mehreren angespannten Auseinandersetzungen und Kämpfen führt. Diese vielschichtigen und real gehaltenen Szenen machen „Greenland“ so anders… so packend.
Das ist natürlich nur eine von mehreren Handlungssträngen: Als Johns Nachbarn herausfinden, dass er zum Überleben ausgewählt wurde und sie nicht, flehen sie ihn an, sie oder zumindest ihre Kinder mitzunehmen. Regisseur Waugh erweitert das Drama, ohne jemanden in einen bequemen Bösewicht zu verwandeln. Er zeigt uns großteils verwirrte, verängstigte Menschen, die nicht wissen, was sie tun sollen. Dieser „Kniff“ funktioniert hervorragend und hebt„Greenland“ aus dem Katastrophenfilm-Einheitsbrei positiv hervor.
Butlers Rolle wurde nicht sonderlich kompliziert ausgerichtet. Er spielt einen durchschnittlichen, etwas verletzt zerknitternden Kerl aus der gehobenen Mittelschicht, der einige Probleme mit seiner Frau hat. Wie sich herausstellt, sind die Reibereien in Johns Ehe auf seine Untreue zurückzuführen, eine Tat, die er zutiefst bedauert. Natürlich, und für uns Zuschauer vorhersehbar, bekommt er die Chance seinen Fehler etwas auszumerzen indem er seine Frau und sein Kind während dieser erschütternden Odyssee beschützt. Seine Dialoge können schon mal aufgesetzt und unbeholfen wirken, aber „B-Movie-Star“ Butler strahlt trotzdem während des gesamten Filmes eine ruhige Autorität eines gewöhnlichen Mannes aus, der unverhofft in eine außergewöhnliche Situation geraten ist.
Aber auch die zierliche Morena Baccarin („Serenity“, „Deadpool“) spielt die findige Ehefrau Allison so überzeugend, dass man sich als Zuschauer trotz gewisser Klischees in der Story gut in ihre aktuelle Notlage hineinversetzen kann.
Anstelle eines übertriebenen Spektakels das wir von Filmen dieses Genres sonst erwarten, zeigt „Greenland“ eine rohe Überlebensgeschichte, die neben einigen wenigen Ungereimtheiten (warum bekommt gerade die Familie Garrity ein extrem rar gesätes goldenes Ticket?) ab und an sogar Platz für echte Emotionen schafft.
Hollywood-Katastro phenfilme haben die Menschheit schon oft ausgerottet, aber selten so bescheiden wie hier… und das ist durchaus als positiv zu verstehen.
4K UHD-BILD:
Der vollständig digital gedrehte Film kommt im Ansichtsverhältnis 2,39:1 daher und kann bis auf wenige Ausnahme überzeugen.
Positiv seien erst einmal die tollen Schärfe- und Auflösungswerte erwähnt, die wirklich jede Falte in Gerard Butlers Gesicht oder auch Strukturen der Outfits erkennen lassen. Die Hochhäuser in der ersten Szene des Films gelangen extrem detailliert zum Zuschauer. Auch die Laufruhe des Films ist, wenn nicht gerade eine Wackelkamera in eine der hektischeren Szenen im Einsatz ist, beachtlich. Farben kommen gut saturiert und recht warm daher. Gerade in der zweiten Hälfte des Films dominieren Rot- und Brauntöne, da hier Kameramann Dana Gonzales akkurat zeigt, wie der Himmel nach dem Kometeneinschlag Staub aufgewirbelt hat.
Auch Spitzlichter gibt’s in Form von Lampen, glänzenden Autolacks oder Schweißperlen zu sehen - immer wieder sehr cool, wenn die Stadt bei Nacht gezeigt wird und aus den Häusern messerscharf und dank HDR extrem helle Lichter strahlen.
Leider hat der Film, gerade im nächtlich angelegten Mittelteil, so seine Probleme mit der Durchzeichnung. Klar mag es realistischer erscheinen, in dunklen Szenen ohne künstliche Beleuchtung weniger Details zu erkennen, aber wenn dann längerfristig Gesichter in der Dunkelheit (fast) versumpfen, ist dies für den Zuschauer etwas ärgerlich. Gut, oder besser gesagt „nicht“ gut zu erkennen in den Szenen, als Allison und John unfreiwillig getrennte Wege gehen und jeder für sich eine Mitfahrgelegenheit wahrgenommen haben.
Aber auch Schwarz könnte hin und wieder etwas satter daherkommen. Das ist allerdings meckern auf hohem Niveau.
Im Großen und Ganzen kann sich das Bild von „Greenland“aber in den meisten Szenen sehen lassen und spielt im oberen Mittelfeld mit.
TON:
Leonine spendiert der 4K UHD und der beiliegenden Blu-Ray sowohl in der deutschen, als auch in der englischen Originalversion eine mehr als ordentliche DTS-HD MA 5.1 Tonspur. Die Dialoge sind, spätestens nach einer kleinen aber feinen Anhebung des Lautstärkepegels, jederzeit sauber und klar verständlich. Bereits zu Beginn am Hochhaus, im Supermarkt, aber auch später, zB. während der Explosion des Flugzeugs, bei den Kometeneinschlägen oder der Schießerei in der Apotheke sind akkurate direktionale Effekte aus jedem platziertem Lautsprecher im Raum zu orten, womit sich ein angenehmer Klangteppich ausbreitet.
Der Subwoofer kommt in besagten Szenen ebenfalls nicht zu kurz, da auch er so einiges zu tun bekommt und die ein oder andere tolle Druckwelle simuliert.
Der bedrohliche Score von David Buckley („Unhinged – Außer Kontrolle“, „Jason Bourne“) macht zwar musikalisch alles richtig, könnte aber, zumindest für meinen Geschmack, etwas prägnanter mitmischen.
Insgesamt gesehen macht „Greenland“ in punkto Sound eine hervorragende Figur. Für eine Höchstwertung reicht es aber leider nicht ganz, da hier noch minimal Luft nach oben herrscht. Etwas schade, dass gerade hier auf einen 3D-Ton in Form von Dolby Atmos oder DTS:X verzichtet wurde…
bewertet am 30.03.26 um 08:34