Story (4)
Nachdem der König unter mysteriösen Umständen im Zauberwald verschwunden ist, bleibt seine Tochter Schneewittchen alleine mit ihrer Stiefmutter zurück.
Letztere setzt alles daran, Schneewittchen zu unterdrücken und zu demütigen. Je hübscher Schneewittchen wird, umso eifersüchtiger wird ihre Stiefmutter.
Als unerwartet ein Prinz aus Valencia auf Besuch kommt, den die Stiefmutter sofort als veritablen Ehemann bzw. Geldquelle für sich ins Auge fasst, eskaliert das Verhältnis zu ihrer Tochter vollständig. Schneewittchen gelingt die Flucht, während der sie auf merkwürdige Gestalten trifft, die sich aber alsbald als wertvolle Unterstützung für den Kampf gegen die böse Stiefmutter erweisen. Der Weg zu Krone und Prinz ist jedoch noch weit…
Ich stehe Märchenverfilmungen eher kritisch gegenüber. Die Gefahr, eine Geschichte ihrer Glaubwürdigkeit und Tiefe zu berauben, ist in diesem Genre unglaublich gross.
Wenn es sich dann noch um einen solchen Klassiker wie Schneewittchen handelt, ist die Gefahr umso grösser.
Auf noch dünneres Eis gerät, wer sich wie im vorliegenden Werk vornimmt, eine Persiflage des eigentlichen Märchens zu erstellen.
In der Tat hat man bei „Spieglein, Spieglein“ äusserst markante Änderungen an der Originalvorlage vorgenommen. So werden die Zwerge als Strauchdiebe vorgestellt. Nicht Schneewittchen, sondern der Prinz wird durch einen Kuss aus seiner misslichen Lage befreit, und auch den berühmten vergifteten Apfel kriegt jemand anders verabreicht.
Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die ganze Story nicht nur trotzdem perfekt funktioniert, sondern sogar die Kernaussage der Grundgeschichte beeindruckend beibehalten wird. Auch hier wird aus einem unbeholfenen, an sich selber zweifelnden Mädchen eine selbstbewusste Frau, die weiss was zu tun ist und sich nicht vom rechten Weg abbringen lässt, während die böse Stiefmutter an ihrer eigenen überheblichen Selbstgefälligkeit zu Grunde geht.
Die technische Umsetzung kann ebenfalls überzeugen. Es ist schon beeindruckend, was heute mit Computeranimation alles geschaffen werden kann.
Was die schauspielerische Umsetzung anbelangt, kann einem Lily Collins in der Rolle als Schneewittchen etwas leid tun, da sie neben der über sich hinauswachsenden Julia Robert als böse Stiefmutter kaum eine Chance hat. Ich kann mich nicht erinnern, Julia Roberts schon mal in einer solchen Rolle gesehen zu haben. Normalerweise stellt sie ja eigentlich nur Gutmenschen dar. Hier durfte sie mal eine Bösewichtin geben und scheint sichtlich Spass an dieser Herausforderung gefunden zu haben.
Der Film hat durchaus auch einige Schattenseiten: Der Humor hat kein durchgängiges Niveau, zudem gibt es einzelne (wenige) Szenen, wo man sich etwas verliert und Action der Action wegen zelebriert. Übers Ganze gesehen vermögen diese Makel den Filmgenuss aber nur unmerklich zu schmälern.
Bild (5)
Das Bildseitenverhältnis liegt in 1.85:1 (13:7 US Wide-Screen) vor.
Die Bildqualität profitiert natürlich davon, dass grosse Teile des Streifens aus reiner Computeranimation bestehen. Der Schärfewert ist auf hervorragendem Level und auch die Farbgebung hat mir gefallen. Die Farben fallen sehr kräftig und intensiv aus. Auch die Kontraste können überzeugen.
Alles in allem eine hervorragende HD-Umsetzung, an der es praktisch nichts auszusetzen gibt.
Ton (5)
Das Tonformat liegt in DTS-HD Master 5.1 vor.
Auch tontechnisch kann das Werk auf der ganzen Linie überzeugen. Es wird durch den ganzen Film hindurch eine ausgezeichnete und druckvolle Räumlichkeit erzielt. Dazu sind die Dialoge jederzeit bestens zu verstehen. Die Tonbalance ist, wie auch die Dynamik, ausgezeichnet ausgefallen.
Extras (3)
Sind reichlich vorhanden, interessieren mich aber nicht weiter. Es gibt ein Wende-Cover!
Fazit: Wer Märchenfilme mag, wird an dieser aufwändigen Produktion sicher seine Freude haben. Allein schon die Möglichkeit Julia Roberts bei der Arbeit zuzusehen, machen aus diesem Film ein Erlebnis.
bewertet am 21.02.16 um 13:23