Nach meinem Verriss der Amaray-Version konnte ich der Versuchung, die Limited Edition zum äußerst günstigen Preis zu erstehen, doch nicht widerstehen. Hätte ich bleiben lassen sollen. Zunächst zum Positiven: optisch ist der Film ein Meisterwerk. Was vergleichbares gibt es eigentlich kaum. Settings, Stimmung, Score; alles top. Inhaltlich allerdings ist der Film so was von bescheuert, da gibt es auch kaum vergleichbares.
Um das Jahr 2042 herum, circa 30 Jahre nach einem Ereignis, das die uns bekannte zivilisierte Welt zerstört hat und viele Menschen erblinden ließ, hat es die Menschheit, erstaunlicherweise auch der amerikanische Teil davon, noch nicht geschafft, ein Mindestmaß an Wiederaufbau zu leisten. Städte sind verfallen, auf Highways stehen Autowracks, ohne dass jemand 30 Jahre lang auch nur einen Finger krumm gemacht hätte. Wasser ist Mangelware, weil offensichtlich niemand mehr weiß, wie man wie früher einen Brunnen bohrt. Strom gibts kaum, weil anscheinend keine Ingenieure die Katastrophe überlebten und somit keine Solar- und Windkraftanlagen gebaut werden konnten. Seltsamerweise gibt es aber noch Sprit, so dass man lieber Gangs mit so manchem Auto oder Motorrad umher fahren und "das Buch" suchen lässt als damit Strom zu produzieren. Statt die vorhandenen Katzen und Ratten zu fangen und für Nahrung zu züchten, neigt man eher zum Kannibalismus. Gott sei Dank gibt es wenigstens für Eli, Carnegie, Solara und ihre Mutter noch dentalhygienische Artikel des täglichen Gebrauchs, anders als für den bemitleidenswerten Rest der Bevölkerung. Würden die beiden letztgenannten sich nicht so offensichtlich gründlich säubern, gäbe es mehr Wasser für alle. Ordnungskräfte wie Polizei oder Armee gibt es nicht; kaum vorstellbar, dass Amerikaner ohne sowas auskommen können. Aber dann kommt ja Eli, der es richten soll, indem er sein geheimnisvolles Buch gen Westen trägt. Er muss sich in den 30 Jahren ganz schön oft verlaufen haben, sonst wäre er schon geschätzte 28 Jahre früher angekommen. Wie stellt er blind eigentlich die Himmelsrichtung fest, in die er marschiert? Denn blind soll er ja sein. Wer das vor der unsäglichen Auflösung erkennt, dem zolle ich Respekt. Das hätte wohl nicht mal Sherlock Holmes bemerkt. Dafür bewegt er sich zu sehr mit traumwandlerischer Sicherheit, Sehende müssten ihn beneiden. Orientiert sich wohl mit Ultraschall. Als Beispiel soll eine der ersten Szenen dienen: Eli betritt eine Bruchbude, ohne lang nach dem Eingang suchen zu müssen, findet den Wasserhahn ohne zu tasten und hält seine Wasserflasche treffsicher unter den ausbleibenden Strahl. Warum schaut er sich eigentlich des öfteren um? Die Krönung sind Szenen wie die Schießerei in der Stadt, in der Eli alles mit dem ersten Schuss trifft und die Gegner grad mal den Rucksack und, mein persönliches Lieblings-Anti-Beispiel, die Ballerei bei den Kannibalen-Rentnern. Die Balsaholz-Behausung ist überall perforiert, nur nicht neben den Fenstern, wo Nanosekunden vorher heraus geschossen wurde. Man eröffnet auch nicht das Feuer, als alle Gegner schön vor den Autos stehen, sondern lässt vielmehr Ray Stevenson in aller Ruhe mit der RPG vortreten und feuern. Da hab' ich mich dann wieder ausgeklinkt. Auch schön beim Ende: es gibt so ziemlich alles außer den angesprochenen Mängelartikeln; Autos, Waffen, I-Pods, aber kein einziges Diktiergerät.. Die Exempel nähmen eigentlich kaum ein Ende, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Wie in meiner Bewertung der Amaray bereits gesagt, ist die Scheibe technisch top.
Mein persönliches Fazit: Bibelzitate und Gebete von einem Mann, der von Gott geführt sein MUSS, sonst macht der ganze Schmarrn noch weniger Sinn. Gläubigen dürfte es leichter fallen, den Film zu mögen. Um den religiösen Touch des Films zu betonen, hätte eigentlich nur noch ein allgegenwärtiger brennender Dornbusch gefehlt, der Eli Anweisungen gibt. Bitte nehmt mir das Teil ab.
bewertet am 20.12.10 um 13:31