Irgendwann, in der Zukunft: der ewig währende Kampf zwischen Vampiren und Menschen wurde entschieden, nachdem die Menschen speziell zur Vampir-Eliminierung ausgebildete Priester als ultimative Waffe auf das Schlachtfeld werfen. Und so werden die Vampire in Reservate gepfercht, und die jetzt arbeitslosen Priester geraten in Vergessenheit. Dennoch nutzt die Kirche die immer noch allgegenwärtige Angst und errichtet, um ihre Macht weiter zu festigen einen faschistoiden Staat, dessen Städte Festungen darstellen. Als in der Einöde wieder Vampir-Angriffe gemeldet werden, wird dieser Information kein Glauben geschenkt. Erst als die Nichte eines Priesters verschleppt wird, macht dieser sich auf, um der Nachricht auf den Grund zu gehen..
Scott Stewart, der sich schon an "Legion" versuchte, legt hier die Realverfilmung eines koreanischen Manhwa vor, das sich im Ergebnis als kruder und unausgegorener Western-Endzeit-Vampir-"Equili brium"-Mix präsentiert. Wie in jeder Comic-Verfilmung, besonders aber wohl in Comic-Verfilmungen mit Science Fiction- oder Horrorhintergrund ist man gut beraten, wenn man vieles nicht hinterfragt, denn in "Priest" werden die Logiklöcher nur von wenigen nachvollziehbaren Handlungssträngen zusammengehalten, so dass sich ein gerade mal spinnwebdünnes Storygerüst ergibt. Statt den Anime-Prolog zu einer kurzen Einführung zu nutzen, woher die Vampire eigentlich kommen werden diese als eine Art stock- und schwarmbildende Insekten mitsamt Königin dargestellt. Warum Karl Urbans Charakter als einziger "normal" aussieht, bleibt offen. Leider wurden die gewohnten, zum Teil wirklich furchterregenden Kreaturen aus zum Beispiel "30 Days of Night" oder "Blade" zu eher unfreiwillig komischen CGI-Vogelscheuchen weiterentwickelt, die so ganz und gar unpassend sind. Der Look des Films wäre durchaus ansprechend, das wird aber durch die meist regelrecht unsäglichen Dialoge mehr als wett gemacht, den Rest erledigt dann der an mancher Stelle außerordentlich unpassend getragene Score. Die Action ist etwas altbacken; die Fights können nicht wirklich überzeugen. Deutlich besseres hat man in der Vergangenheit schon häufig gesehen. Die Krone des lächerlichen sind Szenen wie die geworfene Stein-"Leiter", der aus dem Zug geworfene Sheriff landet genau neben einem Motorrad und Maggie Q schafft es mit einem Motorrad, das vorher mit 250 Meilen pro Stunde durch eine unebene Staubwüste fuhr gerade so, einen durch eine Dampflok angetriebenen Zug zu überholen, um nur einige wenige förmlich ärgerliche Bescheuertheiten anzuführen. Wie der Film ausgeht, kann man vorhersehen; dazu muss man ihn nicht ansehen. Gnädigerweise malträtiert der Regisseur den Zuschauer nur 88 Minuten lang. Paul Bettany macht kaum etwas falsch und das bisschen, das ihm abverlangt wird richtig, was eher daran liegt, dass ihm das Drehbuch keine Gelegenheit zum eindrucksvollen Schauspiel gibt: zu schlicht ist sein Charakter angelegt, und so bleiben die Möglichkeiten, die dieser Schauspieler mitbrächte ungenutzt. Karl Urban bietet eine grundsolide Leistung, was bei dem im Drehbuch angelegten Profil ebenfalls nicht allzu schwer gewesen sein dürfte.
Technisch kann die Blu ray weitestgehend überzeugen. Das Bild ist über weite Strecken scharf und plastisch. Der Kontrast ist deutlich überzeichnet, so dass in dunklen Szenen (und davon gibt es viele) schon mal Details verschwinden. Ebenso kommt es an Übergängen von hell zu dunkel demzufolge zu dezenten Überstrahlungen. Die 3D-Version verfügt über eine ansprechende räumliche Tiefe; auf Pop Outs wurde weitestgehend verzichtet. Ein 3D-Effekt wie zum Beispiel bei "Thor", ebenfalls konvertiert, tritt nur streckenweise auf. Der Sound ist mehr als ansprechend, die Räumlichkeit der Tonspur ist beispielhaft. Bei einigen Szenen treten hervorragende direktionale Effekte auf. Klasse!
Extras gibt es einige, teils in 3D; diese dürften aber eher für Fans des Films interessant sein.
Mein persönliches Fazit: schon auf "Legion" dieses Regisseurs mit dem gleichen Hauptdarsteller wurde ziemlich eingeprügelt, wobei ich den noch leidlich unterhaltsam fand. Stewart hat hier seine Leistung deutlich unterboten und einen seelenlosen Plunder abgespult, der vor inhaltlichen Fehlern nur so strotzt. Andernorts wurde "Priest" mit "Blade" verglichen. Wenn Wesley Snipes von diesem Vergleich hört, bricht er sicher aus und rächt sich fürchterlich. Mit Action- und Kampfszenen, die diesen Film inspirieren hätten sollen.
bewertet am 07.10.11 um 12:40