Die USA, während des 2. Weltkrieges: zu Hunderttausenden melden sich junge Männer zu den Streitkräften, um für ihr Land gegen die Japaner zu kämpfen. Darunter ist der junge Desmond Doss, und seine Freiwilligenmeldung ist ungewöhnlich: der junge Mann weigert sich beharrlich, eine Waffe auch nur zu berühren. Sein starker Glaube, insbesondere in das 6. Gebot, hindert ihn moralisch und ethisch daran, Leben zu nehmen. Stattdessen setzt er sich gegen alle Widrigkeiten durch, wird Sanitäter und schafft bereits in seiner ersten Schlacht das schier Unmögliche: unter eigenem Feuer der Schiffsartillerie, unter feindlichem Feuer und in unmittelbarer Nähe von angreifenden Japanern birgt Doss 75 verwundete Kameraden, bewahrt sie vor dem sicheren Tod und seilt sie von einem schwer zugänglichen Felsplateau ab..
Mel Gibson, Regisseur von „Die Passion Christi“, „Apocalypto“ und natürlich „Braveheart“ nahm sich einer unglaublichen Geschichte an, die sich tatsächlich so zugetragen hat: Der amerikanische Soldat Desmond Doss hat nach seinem Martyrium während der Ausbildung besonders in seiner ersten Feuerprobe schier Übermenschliches geleistet; für diese Taten wurde Doss als der erste von nur drei „Verweigerern“ mit der höchsten Tapferkeitsauszeichnung der USA, der Medal of Honor, ausgezeichnet.
„Hacksaw Ridge“ ist kein reiner Kriegsfilm, wie es beispielsweise „Der Soldat James Ryan“ ist. „Hacksaw Ridge“ setzt nach kurzem Beginn auf Okinawa in der Jugend Doss´ an und schildert, wie der Junge durch eine Zwischenfall in seiner Jugend zum überzeugten Ablehner von Gewalt wird. Auch das Kennen- und Liebenlernen seiner späteren Ehefrau Dorothy wird eingehend dargestellt, bevor Doss in die Ausbildung geht und sich ob seiner Überzeugung und der daraus resultierenden totalen Verweigerung der Waffennutzung permanenten, unmenschlichen Schikanen bis hin zu körperlichen Misshandlungen ausgesetzt sieht. Doch Doss setzt sich durch, wird Sanitäter und bleibt bei der Kampfeinheit, die später auf Okinawa eingesetzt wird, um den sogenannten „Hacksaw Ridge“ einzunehmen: ein unzugängliches Felsplateau, von den Japanern mit unterirdischen Gängen und Feldbefestigungen bestückt und ein strategisch wichtiges Ziel auf dem Weg Richtung Japans Festland. Doch die Japaner fordern den amerikanischen Kräften hohen Blutzoll ab, und Doss rettet in kurzer Zeit mindestens 75 Verwundeten das Leben, die sonst ihren Verwundeten erlegen oder, schlimmer, noch von den Japanern ermordet worden wären.
Diese Geschichte erzählt Mel Gibson anfangs auf relativ unspektakuläre Art und Weise und errichtet dem zurückhaltenden, höflichen und vehement für seine Überzeugungen eintretenden Doss, toll dargestellt durch Andrew Garfield, ein würdiges Denkmal, das angenehm unpatriotisch und ohne permanentes Wedeln mit dem Sternenbanner wirkt. Die beste darstellerische Leistung liefert Hugo Weaving („Matrix“, „Der Herr der Ringe“) ab, der den aufgrund seiner Kriegserlebnisse alkoholkranken, cholerischen und gewalttätigen Vater Desmonds eindrucksvoll gibt. Als ab etwa der Hälfte die Schlacht in Szene gesetzt wird, wird das Geschehen hochintensiv, und Verletzungen aller Art werden deutlich, aber nie plakativ gezeigt. Der Film wird dann hochdramatisch, sehr spannend, höchst emotional und erreicht seinen Höhepunkt, als Doss selbst vom Plateau herunterkommt und von seinen Kameraden, die allesamt nicht an ihn geglaubt haben, in Empfang genommen wird.
Persönliche Anmerkung: warum die Amerikaner an einer derart unzugänglichen Stelle ohne jede Rückzugs- und Ausweichmöglichkeit immer wieder aufs Neue angriffen, werde ich wohl nie verstehen.
Bild und Ton sind außerordentlich gut gelungen.
Das Bild ist sehr scharf, es bleibt so zu jeder Zeit und vor allem bleibt es auch so in Mittel- und Hintergründen. So entsteht eine tolle Plastizität, und selbst im Hitzeflirren, im Rauch und dem Qualm auf Okinawa bleiben alle Details weit hinten perfekt sichtbar. Der Kontrast ist optimal, der Schwarzwert perfekt, und die Farbgebung bleibt dem Thema optisch angepasst: erdige, braune, graue und grüne Farben dominieren.
Gleichwohl eigentlich ein 4k-DI vorhanden gewesen wäre, hat man wieder hin- und herskaliert, sodass letzten Endes ein 2k-DI für die UHD verwendet wurde. Die Wertung des Reviews teile ich nicht. Die UHD kann eigentlich nur Kontrast und vielleicht noch Schwarzwert (minimal) besser; die Schärfe und Tiefenschärfe ist kaum besser als bei der Blu-ray. Das Schwarz der UHD ist ein wenig satter, und die Farben etwas kräftiger. Rein vom Bild her reicht die sehr gute Blu-ray, die Mehrausgabe für die UHD will wohl überlegt sein.
Tonal zieht die Scheibe, natürlich besonders während der Schlacht, alle Register. Wenn die Schiffsartillerie feuert, grummelt der Subwoofer abgrundtief und lässt die Hosenbeine ordentlich flattern. Jeder Schuss und jede MG-Salve lässt sich wie jeder Schrei der Verwundeten und Sterbenden exakt orten und zieht den Zuschauer mitten ins Geschehen. Die Surroundkulisse ist insgesamt betrachtet hervorragend, wirkt aber am besten während der Schlacht. Die Dialoge sind trotz des ganzen Getöses stets gut verständlich.
Die Extras werde ich mir noch ansehen, deshalb vergebe ich vorsichtige drei Balken. Die Scheibe hat Wendecover.
Mein persönliches Fazit: Anfangs war ich ein wenig skeptisch, da ich irgendwo gelesen hatte, dass „Hacksaw Ridge“ ziemlich patriotisch sei. Ist er nicht, im Gegenteil: Der Film ist in vielerlei Hinsicht zurückhaltend, äußerst menschlich, und besonders wenn man die Äußerung des realen Doss im Abspann hört glaubt man alles, was man im Film gesehen hat.
Mel Gibson gelang wieder mal ein großer Film, der sich auf Augenhöhe mit den ganz großen neueren Genre-Vertretern (wie „James Ryan“, auch wenn so mancher die Deutschen da falsch dargestellt sieht) bewegt. Ein toller Film, und eine uneingeschränkte Empfehlung meinerseits, aber: die Blu-ray reicht da meines Erachtens.
bewertet am 23.03.22 um 09:49