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Zitat von hibb;5954123
Mir ist egal was Shirow zum Casting gesagt hat, der wird bestimmt auch auf der Gehaltsliste von Paramount stehen und sich dementsprechend dazu äußern. Der Major heißt nun mal Motoko Kusanagi in der Vorlage, was auf einen Charakter japanischer bzw. koreanischer Herkunft schließen lässt. Dann hätten sie den Major in der US-Adaption auch nicht umbenennen müssen, was sie aber getan haben inkl. einer hinzugedachten Origin-Story.
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Zitat von hibb;5954154
Die Meinung des Urhebers ist mir halt ziemlich latte wenn ich Profitgier dabei wittere. Ist bei Stephen King ja auch nicht anders. Der lobt jede seiner Müll-Adaptionen wo er finanziell beteiligt ist (inkl. des kommenden Dark Tower, der wohl wenig mit den Büchern zu tun haben wird). Shining hingegen, die wohl beste King-Umsetzung, hasst er wie die Pest und behauptet sie würde die Vorlage nicht treffen. Ein Schelm wer hier ein Muster sieht.
...und ja, aus den Mangas und Anime ist ihre Herkunft wenig ersichtlich, da der Zeichenstil signifikante Gesichtszüge verschleiert. Aber nichtsdestrotrotz ist das ein japanisches Setting in japanischer Sprache mit japanischen Namen. Hätten sie einfach die Whitewashing-Debatte hingenommen und die Geschichte mit Scarlett erzählt, dann hätten sie wohl uns nicht mit dieser Rechtfertigungs-Origin-Storyline gelangweilt, welche auch den Major entmystifziert. Das ist nämlich mMn ein wichtiger Punkt der Vorlage und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das damals von Shirow unbeabsichtigt war.
Mal so am Rande, die Meinungsbekundung zum Casting stammt von Mamoru Oshii den Regisseur der Anime Umsetzung von 1995 und (Ghost in the Shell 2) „Innocence“. Masamune Shirow, der Autor und Zeichner des Original Mangas, hat sich meines Wissen nicht öffentlich zu der US Verfilmung geäußert.
Ich würde aber nicht behaupten das Oshii für seine Aussage bezahlt wurde, Oshii ist ein sehr direkter Mensch und äußerte sich schon oft genug kritisch, aber immer respektvoll, gegenüber andere Filmschaffende mit denen er zusammenarbeitete. Es gab auch vor nicht allzu langer Zeit ein Roundtabel zwischen Mamoru Oshii, Kenji Kamiyama (Leitender Regisseur und Autor der „Ghost in the Shell - Stand Alone Complex Serie“) und Kazuchika Kise (Leitender Regisseur der „Ghost in the Shell Arise Reihe“ und Animationsregisseur bzw. Key Animator der Oshii Filme) wo sich alle auch zum US Film äußern, geht Oshii etwas mehr, durchaus kritischer ins Detail (z.B. die Shelling Sequenz, Szenen zu genau übernommen [Dito Mr. Oshii]), wiederholt aber auch nochmal seine positive Meinung bzg. Scarlett Johansson. Das Interview kann man unter anderem im frisch bei EMA erschienen „Ghost in the Shell – The Ultimate Guide“ nachlesen.
Das Casting von Scarlett Johansson finde ich nicht sonderlich kritisch, ich persönlich hätte mir Rinko Kikuchi gewünscht, aber das Franchise gibt das durchaus her, auch ohne die Handlung geographisch zu verlagern. Und damit meine ich nicht das „westliche“ Aussehen der Charaktere im Anime und Manga, das rührt eher aus historischen und technischen Gründen in der japanischen Animationsbranche generell verankert sind, sondern vielmehr wirklich inhaltliche greifbare Gründe. Shirow verortet seine Geschichte zwar eindeutig in Japan, aber schon im Prolog stellt er klar das die Herkunft und gar das Geschlecht (sie wird im Verlauf der Handlung auch eindeutig als Bi-Sexuell dargestellt) des Majors unbekannt ist. Und deswegen auch der Name: Motoko als japanischer Allerweltsname, ähnlich wie Max oder Christin im Deutschen und Kusanagi, der Name eines Schwertes aus der japanischen Mythologie. Eindeutig ein Pseudonym, über den Namen lässt sich die ethnische Herkunft von Motoko nicht herleiten und es spielte ja auch schlicht keine Rolle. Und Oshii entzieht in seiner Adaption selbst den Handlungsort den eindeutigen Japan Bezug. Ich sehe dass nämlich ähnlich mit der Entmystifizierung, die Origin Story ist nicht gelungen, ob sie eine Reaktion auf den Whitewashing Skandal war, sei mal dahingestellt. Aus denselben Grund sagt mir auch die Origin Story in der „Arise“ Reihe nicht zu.
Was mich aber wirklich an der Origin Story stört, ist das sie den Major zu etwas Einzigartigen erheben und damit eine 08/15 Auserwählten Erzählung erschaffen. Gerade weil Cyberisierung so weit verbreitet und die Gesellschaft extrem Informationsintensiv ist, ist die Bedrohungslage durch Hacker wie dem Lachenden Mann, dem Puppet Master oder eben dem Major so relevant. Das ist halb irgendwie Teil der Quintessenz der gesamten Reihe und gerade diese abzuändern, hat für mich absolut gar nicht funktioniert.
Und gegen Änderungen habe ich überhaupt gar nichts, im Gegenteil. Ich will nicht immer dasselbe wieder aufgewärmt bekommen, ich habe auch keinen sonderlich Tiefen philosophischen Diskurs erwartet, den hatten wir ja auch schon in Perfektion bekommen. Eine eigenständige Geschichte die auf den Basics der Reihe aufbaut, das wäre interessant gewesen und Gott ich meine sie haben doch sogar Kuze verwendet, einen Charakter aus der zweiten Stand Alone Complex Staffel, dort ein charismatischer Führer einer Flüchtlingsbewegung, hier einen wirklich schlechten Puppet Master Abklatsch ohne dessen artifiziellen Charakter. Man erkennt wohl auch ohne lange Ausführungen, was für ein aktuelles zeitpolitisches Potential in der Prämisse gelegen hätte.
Rupert Sanders kann man nicht vorwerfen das Franchise nicht zu kennen, dafür zitiert er es zu genau, aber sein Verständnis von „Ghost in the Shell“ ist nicht das Meine. Es ist schwer zu sagen wie ich den Film ohne Kenntnis der Vorlage finden, aber wahrscheinlich genauso belanglos, wie jetzt. Weil ganz ausblenden kann ich in diesem Falle die Vorlage nicht, aber ich hab es zu mindestens versucht und auch so ist es weitestgehend ein Film von der Stange, absolut nichts besonderes, aber auch nicht wirklich schlecht.