Zitat:
Zitat von Brathering;5951175
Natürlich ist das so. Es ging mir hier nur darum, dass wenn klar ist, dass es sich um eine Meinungsäußerung handelt, diese nicht unbedingt ausdrücklich als solche deklariert werden muss, um entsprechend erkennbar zu sein.
Da sagst Du, Du nimmst den Sender ernst. Ich für meinen Teil würde sagen, ich nehme hier den Empfänger ernst und traue ihm zu, das zu erkennen ;)
Kannst Du gerne so sehen. Ist auch durchaus legitim.
Für mich persönlich liegt aber genau in dieser Sache der Knackpunkt: Wer ist in der Bringschuld? Der Autor der Kritik oder die Leser?
Für mich trägt ein Rezensent eine sehr große Verantwortung und zwar in zwei Richtungen.
Zum einen urteilt er über ein Stück Kunst, das in komplexer Weise die Produkte aus vielen Kunstrichtungen miteinander vereint. Beteiligt sind jede Menge "Künstler", die teilweise ihr Herzblut geben für Story, Bildgestaltung, Kamera, Setdesign, Beleuchtung, Schauspiel, Musik, Ton, Tondesign, Kostüme usw. usf. All diese "Künstler" sind in meiner Hand, wenn ich eine Rezension schreibe, weil ich über sie ein Urteil spreche. Also sollte ich verhältnismäßig und ausgeglichen urteilen. Wenn ich das nicht mache untergrabe ich die Glaubwürdigkeit meiner Rezension.
Zum zweiten schreibe ich meist nicht für mich alleine, sondern stelle meine Rezension online, veröffentliche sie also. Hier sehe ich dann auch den Rezensenten, der mit seiner Kritik eine Dienstleistung liefert, die anderen einen Eindruck über den Film vermitteln soll, in der Bringschuld seine Rezension so zu schreiben, dass andere auch klar herauslesen können was es mit dem Film auf sich hat, was sie erwartet und wie er auf Zuschauer wirkt. Klar ist, dass Rezensionen eine gewisse Subjektivität in sich tragen, denn sie ist der Eindruck des Kritikers, mit all seinen Vorlieben und seinem Geschmack. Trotzdem urteilt man nicht nur über Geschmack und subjektive Eindrücke, sondern auch über Dinge, die qualitativ messbar, also objektiv sind, oder sein sollten.
Wenn ein Rezensent also schreibt, dass sich die Crew des Raumschiffs bis zur Parodie verzerrt unlogisch und naiv verhält, oder keine Landschafts- bzw. Bildgewaltige Aufnahmen zu sehen sind, erwarte ich als Leser dieser Rezension auch, dass dies so ist. Schließlich soll mir die Rezension ein Bild davon liefern was mich in dem Film erwartet. Dann erwarte ich keinesfalls, dass ich nochmal 30% als übertreibung von der Rezension abziehen muss um mich dann langsam vielleicht an die wirklichen Gegebenheiten ranzutasten.
Wenn ich in einer Rezension lese "Ich fand den Film sehr schlecht und zwar mir dies und jenes nicht gefällt", weiß ich das im Kontext des Rezensenten einzuordnen. Wenn er aber schreibt "Das ist einer der schlechtesten Filme des Jahres!", erwarte ich als Leser ehrlich gesagt etwas völlig anderes. Ich weiß natürlich, dass da auch der Geschmack des Rezensenten mit reinspielt, aber ich erwarte dann auch, dass die Teile eines Filmes, die objektiv messbar sind schlecht sind. Warum? Weil ein insgesamt als schlecht beurteilter Film eben auch heißt "handwerklich schlecht", zumindest für meine Begriffe. Denn was würde ein gut gemachter Film, der mir so gar nicht gefällt, sonst von einem handwerklich mies gemachten Film unterscheiden? Zumal ich dann nicht darauf vertrauen kann, dass in einer Rezension "miese Effekte" auch wirklich "miese Effekte" bedeutet, oder einfach nur "haben mir so nicht gefallen", oder "ich fand sie einfach im vergleich zu denen aus Film XYZ mies", oder oder oder...
Ich finde es ehrlich gesagt nicht als arrogant als Leser zu erwarten, dass ein Rezensent auch genau das meint was er sagt. Dass er genau weiß was er tut, wenn er formulierungstechnisch eben wirklich zwischen Meinungsäußerung und Tatsachenbehauptung unterscheidet. Das sind eben zwei sehr wertvolle und zweckmäßige Werkzeuge, die einem Rezensenten in seinem Werkzeugkasten zu Verfügung stehen. Ich finde es ehrlich gesagt, so hart das jetzt auch klingt, arrogant oder nachlässig vom Rezensenten, wenn er erwartet, dass der Leser seine Rezension in einer Art Vorfilter die Worte schon mal in eine Richtung interpretiert, um dann erst die Information zu erhalten, die man eigentlich transportieren möchte. Wie gesagt, ist man selber auch mal ab und an so nachlässig, passiert, spricht dann aber nicht für die betreffende Rezension, auch bei meinen eigenen nicht.
Sprich: Wenn ich ein neues Produkt, wie eine Rezension, erzeuge, empfinde ich es als normal, dass man auch erwartet zumindest die richtigen Werkzeuge an der richtigen Stelle zu benutzen und nicht von vorne herein zusagen: Die Leser müssen sich, per Filter, erst mal denken was ich mit meiner Rezension wirklich meine und aussagen will. Dafür gibt es wirklich jede Menge anderer Literaturgattungen. ;)
Wie gesagt, das ist meine Meinung. Man muss sie nicht teilen, aber ich habe persönlich schon sehr oft die Erfahrung gemacht, dass emotionale Kleinkriege in Foren wie hier meist ihre Ursache in genau dem Knackpunkt haben. Das ließe sich leicht vermeiden, wenn Rezensenten das schreiben würden was sie meinen und nicht vorraussetzen, dass die Leser das schon irgendwie richtig interpretieren werden. Klar, kann man immer den Standpunkt haben, dass man bei Rezensionen, egal welcher Art, immer lediglich eigene Meinungen herauslesen kann. Aber das beraubt mMn dem Rezensenten einiger interessanter Werkzeuge und Möglichkeiten.
Zitat:
Zitat von Brathering;5951175
Von daher, ich denke wir können die Arena wieder freigeben, zurück zu den Aliens....
Ja, von mir aus gerne!
Herzliche Grüße
Arieve
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