Eigentlich habe ich meine Meinung zum Film ja schon
hier gepostet und auf den nachfolgenden ~10 Seiten folgen dann auch noch mal vereinzelt Posts von mir mit Hinweisen zu einigen Filmfragen, etc.
Da aber nun einige doch ein Fass aufmachen, das größer ist als ein ausgewachsener Xenomorph (damit ist niemand hier direkt angesprochen - ich habe mir nur die wenigsten Posts hier durchgelesen - ich rede eher von den krassen wellen, die das sonstwo Überall schlägt) sind andere mittlerweile so verunsichert, dass sie an ganz anderer Stelle fragen, ob der Film wirklich so schlecht sei, wie alle behaupten.
Hier bspw. Und es wurde auch gewünscht, dass ich nochmal darauf eingehe, also hier mal meine Antwort auf die Frage:
Zitat:
Zitat von Admiral Thrawn;5948053
P.S. ist Convenant wirklich so schlimm, man hört und liest da wirklich alles quer Beet, von sehr schlecht bis sehr gut.
Bevor ich in eine längere Ausführung verfalle möchte ich eines vorweg sagen: Habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Will heißen: wieso muss man sich schon Monate vorher eigentlich zich Kritiken durchlesen, sich hypen lassen nur um dann enttäuscht zu sein, oder aber von vornerein abgeschreckt zu sein und dann u.U. die Chance auf einen wirklich tollen Film zu verpassen? Filme sind Produkt einer kreativen Schöpfungstätigkeit, also ziemlich nahe am künstlerischen und Kunst ist etwas völlig individuelles - was der eine mag wird der andere hassen. Der größtmögliche Konsens, der möglichst allen gefallen soll? Gibt es nicht und wenn doch ist es meist Larifari, wo jeder sagt: Ja kann man schauen, aber keiner begeistert oder enttäuscht ist. Geht doch mal wieder unbedarft ins Kino und lasst euch Überaschen oder enttäuschen ;) Und letztendlich - wie schlimm Covenant ist oder nicht ist, kann jeder nur für sich selbst und für niemand anderen beantworten!
So und nun meine Meinung:
Tatsächlich liest und hört man viel, von überschwänglich bis hin zu so zerstörenden Kritiken dass man bei klarem Verstand eigentlich nur auf den Schluss kommen könnte, Covenant sei ein weiterer Twilight-Teil oder 50 Shades of Even mir darker but not yet Black Grey.
Ich als Alien-Fan kann die schlechten Kritiken ehrlich gesagt nicht nachvollziehen; zum einen frage ich mich wieso denn Alien so viel besser aufgenommen wird als Alien: Covenant - zum anderen wundere ich mich auch, was die Erwartungshaltung anbelangt. Alien war ebenfalls zu seiner Zeit ein umstrittener Film, wie man bspw. auch
hier nachlesen kann - viele Kritiker bemängeln Dinge, die man auch heute noch so nachvollziehen kann, selbst wenn man Fan der Reihe ist. Die positiven Kritiken kamen oft später, insbesondere auch dann aus dem historischem Standpunkt heraus, wo man sich klarer darüber ist, was Alien eigentlich ausgelöst hat. Und klar, heute hat der Film auch deshalb seinen Charme, weil es eben diesen Retro-Touch hat, aber die Charaktere waren auch für damalige Verhältnisse nicht viel klüger, nicht viel durchdachter, die Story nicht viel genialer (eigentlich sogar ziemlich Plump), etc. Wer den Film ehrlich betrachtet, wird auch diese Punkte anerkennen können. Trotzdem hat Alien was, trotzdem liebe ich den Film und gucke ihn gerne.
Covenant ist eine gelungene, moderne Umsetzung des alten Films; in den Grundzügen bleibt er dem alten Alien sehr treu, was den Filmaufbau und Ablauf anbelangt. So treu, dass ich direkt nach Covenant wieder Lust auf Alien bekommen habe, und die letzten Tage abends zu Hause Alien 1-3 geschaut habe. Ich war überrascht, gerade beim ersten Teil, wie sehr sich Covenant doch ähnelt, mit Alien. Natürlich ist Covenant aber moderner, eine recht leere Story wie man sie damals noch gut ins Kino bringen konnte, würde heute nicht mehr ziehen, man will Hintergründe, man will nachvollziehen können, man will verstehen und man will dabei trotzdem auch weiterhin einem gewissen Fandom treu bleiben. Dieses Fandom existiert - was damals relativ random zusammengewürfelt wurde, hat mittlerweile System; in dem ersten Film kannten wir nur Eier, Facehugger, Chestburster und Xenomorph; im zweiten gab es plötzlich eine Queen, Dornes und Warriors; im dritten neuerdings auch noch Runners. Das haben wir alles hingenommen haben das Fandom erweitert und systematisiert.
Für einen Film der eine Rasse im Mittelpunkt hat, dessen quallifizierende Eigenschaft die stete Wandlung ist (weswegen sie auch als Inspiration für die Zerg aus dem Spiel Star Craft genannt wird), wird nun vielerorts ziemlich darüber gemeckert, dass auch Prometheus und Covenant das aufgegriffen haben. Dabei bekommen wir genau das, was wir auch schon vorher bekommen haben. In Prometheus und Covenant wird eine Alien-Rasse vorgestellt die sich von einem völlig anderen Starpunkt in etwas immer neues wandelt, bzw. wie wir lernen, gewandelt wird (siehe Alien 4, wo wir die neue geklonte Queen und geklonte Xenomorphs haben die wieder anders aussehen und mittlerweile sogar keine Eier mehr legen sondern Menschenhybride gebären), und dann in einem Slasher endet. Inklusive bösem Androiden, einer nicht so hellen Crew (das war die auch schon in Alien 1-3 nicht), und unserem Survivor-Girl, sowie eine Priese an Gore.
Nur ist Covenant parallel auch eben modern, und das heißt die Storys müssen intelligenter sein als „ist einfach da“, und gerade wenn es ein Sequal ist, wollen wir Antworten auf Fragen wie „Wo kommt das her“, „Warum existiert das hier“, „Was sind seine Ziele“, etc. Das greift halt Covenant mit auf, das kann man gut finden, man kann es auch doof finden - gerne. Das ist völlig okay. Das kann man aber auch losgelöst davon sehen, was Covenant eigentlich als Film auszeichnet. Das tun leider die wenigsten - die ärgern sich dann wie sehr die Neomorphs nicht nach Xenomorphs aussehen, oder warum die Protomorphs existieren, oder eben dass der Chestbuster nun ein paar mehr Features bekommen hat, als nur ein flitzender Wurm zu sein (was aus heutigem Standpunkt sicherlich nicht mehr realistisch und glaubwürdig wirken würde; und außerdem - siehe wieder Alien 3, da sieht der Chestburster auch anders aus). Plötzlich ist jede Wandlung Hochverrat an dem Franchise, und Alien wird total überglorifiziert und zu etwas, und das missfallen über den modernen Ansatz oder dem konstruierten Ursprung der Xenomorphs wird soweit aufgeblasen das gleich der komplette Film heruntergezogen wird.
Dabei hat Covenant sehr viel, das für den Film spricht, sehr viel Spannung, sehr viel Action, einige interessante Charaktere (ja nicht alle, ja einige sind doof - aber auch das hat es auch schon vorher gegeben - gerade in Alien3 haben wir es ja mit Einsteinen sondergleichen zu tun); die sicherlich weniger Screentime haben und weniger ausgebaut werden als es ihnen zustünde - aber auch das war schon immer so in den Alienflimen - die meisten Charaktere sind halt mittel zum Zweck: Wir brauchen Leute die zerfetzt werden können in einem Film mit Slasheranteil. Klar, Covenant hat seine schwächen, an den alten Teil kommt es nicht heran (aber wie kann es auch, bei einem Film der solche einen Kultstatus genießt?), er ist aber auch keine Krätze. Schon in Prometheus war sehr viel offen und sehr viele Fragen ungeklärt, Covenant hat einige dieser Lücken geschlossen - ob man die Erklärung nun gut findet oder nicht - ja, darüber kann man streiten. Aber rein vom Filmischen hier ist das ein solider Film, der stärker gehatet wird, als er verdient hätte... meine Meinung.
Und ich wette: Stünde da jetzt nicht Alien auf dem Film, oder hätte es die alten Alien-Filme nie gegeben: Die Leute wären alle viel begeisterter.
Dabei ist doch das schöne an Filmen: Man kann die bisher geleasten Filme nicht mit neuen Filmen kaputt machen (außer man heißt George Lucas und bringt mit jedem Mediumswechsel einen neue Fassung raus, und hält die ursprüngliche Fassung den Fans vor) - wer nicht begeistert ist, guckt ihn halt nie wieder und bleibt bei den Filmen die ihm gefallen und gut ist. Ridley Scott hat nix kaputt gemacht, jeder kann sich weiterhin und bis an sein Lebensende an den Filmen erfreuen, die er mag. Für mich besteht Alien aus 1, 2 und 3, sowie neuerdings Prometheus und Covenant. 4 lasse ich schon seit Jahren beim Gucken der Reihe aus ;)
Bleibt also als Schlusswort: Nein, in meinen Augen ist Alien: Covenant nicht so schlecht wie er von vielen gemacht wird. Man kann, wenn man offen dafür ist, viel Spaß mit dem haben, und einen modernen Alien-Film genießen, zusammenzucken, wenn es blutig wird, mitfiebern wenn’s spannend wird. Man kann sich auch darüber wundern, warum eine Wissenschaftsteam ohne Helme direkt in eine andere Atmosphäre springt, warum es keine Quarantäne-Vorkehrungen gibt und man in einer fremden Fauna so ungeschützt herumspaziert. Man kann sich aufregen über die Dummheit des Acting Captain. Man kann aber auch die nicht schlecht gespielte Rolle von Katherine Waterston anerkennen und sich über die absolut grandiose Performance von Michael Fassbender erfreuen. Und darüber philosophieren warum er tut, was er tut - was seine Beweggründe sind, ob Androiden vielleicht sogar fühlen können? Ob jede KI immer einen Gott-Komplex haben muss, etc. Es steckt viel drin in dem Film, mit oder ohne Franchise - positives und negatives. Auf keinen Fall aber ist es Twilight 13 oder Fifty Shakes of Gray 7…
Und jetzt: Steinigt mich, oder lasst es bleiben - aber ich freue mich schon auf den nächsten Film der Reihe und hoffe er nutzt sein Potential nach oben aus. :) Und außerdem möchte ich Noomie Rapace noch einmal sehen! :heart:
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