Heute lief der Film in der Sneak und ich habe mich sehr drüber gefreut, da ich im Voraus schon wusste, dass mein Kino ihn nicht im regulären Programm aufnehmen wird. Warum, ist mir unverständlich. Zum Film selbst habe ich bisher wenig gehört, außer, wer die Hauptrolle spielt, insofern war ich völlig unbedarft - der reale Fall hat mich (gerade als Informatiker mit einer nicht geringen Portion an Sicherheitsbewusstsein) aber doch sehr beschäftigt. Insofern war ich auch interessiert an den Film.
Es ist selten, dass eine so aktuelle Geschichte mit realen Menschen so früh verfilmt wird, quasi zu der Zeit, in der das ganze noch ein sehr heißes Eisen ist. Dazu dann auch noch ein so schwieriges, kontroverses Thema, gerade in den USA. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Oliver Stone so viele Steine in den Weg gelegt wurden, und der Film letztendlich in Deutschland gedreht werden musste, weil es anders nicht möglich gewesen worden wäre, dass er überhaupt produziert wird.
Zunächst einmal zur Story: Diese ist sehr einfach und schnell erzählt, bietet eigentlich nicht viel, und das was sie bietet, haben wir zu großen Teilen über die letzten drei Jahre konstant in den Medien verfolgt. Insofern denke ich, ist es sehr schwer, eine solche Geschichte interessant zu erzählen. Nichts desto trotz fand ich ihn durchgehend spannend, obwohl ich genau wusste, worin es endet, obwohl man genau weiß, dass es eigentlich keine Überraschungen geben kann (die gibt es auch nicht). Alleine das fand ich, aus filmtechnischer Sicht faszinierend. Es ist daher aber auch klar, dass ein solcher Film nicht mit Effekten, Twists, oder viel Dramatik punkten kann, außer man baut sie künstlich ein, indem man sie dazu dichtet. Dafür - und auch das finde ich klasse - bekommt man den Eindruck, dass dieser Film unglaublich nah an der Realität ist. Es wird tatsächlich kaum etwas dazu gedichtet, es bleibt dementsprechend einfach, wirkt aber auch menschlich. Man kommt unmittelbar zu dem Schluss, dass hier ein echter Mensch porträtiert wird - kein (je nach Standpunkt) Held oder Verräter. Natürlich kann der Film nicht alle Skandale, die Snowden aufgedeckt hat, darlegen. Es wird sich also auf eine kleine Auswahl beschränkt, aber auch die hat es - obwohl man es weiß - in sich, und rüttelt nochmal wach: Ich bin ernsthaft am Überlegen meine Laptop-Kamera ebenfalls abzukleben.
In sofern: Chapeau, Oliver Stone, der es schafft, aus eigentlich so wenig und so viel bekanntem trotzdem eine spannende Geschichte zu kreieren. Im Nachgang habe ich in Interviews nun gehört, wie lange und viel Arbeit er in den Film gesteckt hat - u.A. auch über wieviele Jahre er mit Snowden Kontakt gehalten hat und wie wichtig ihm die reale Darstellung war und auch wieviele persönliche Opfer er dafür gebracht hat. Das macht diese Leistung nur noch großartiger.
Ein sehr wichtiger Teil eines Films ist allerdings auch die schauspielerische Leistung, und hier kann man Joseph Gordon-Levitt nur absolut loben. Um die Rolle realistisch spielen zu können ist Gordon-Levitt sogar nach Russland geflogen, und hat sich dort mehrere Stunden lang mit Snowden und seiner Freundin eingeschlossen und unterhalten und erzählt in Interviews, dass Snowden andauernd nur den Schwerpunkt von sich und auf seine Enthüllung lenken wollte, während Gordon-Levitt aber die Persönlichkeit kennenlernen wollte. Verblüffend ist, dass es Gordon-Levitt absolut vortrefflich gelungen ist. Verglichen mit anderen Filmen geht und steht er hier anders, sieht anders aus, und - unbedingt im O-Ton angucken, so denn möglich - spricht mit einer völlig anderen Stimme, die dem echten Snowden verblüffend ähnlich ist. Ich persönlich finde es absolut genial, was Gordon-Levitt hier auf die Beine gestellt hat - mir ist er erst in seinen letzten 3 Filmen wirklich bewusst geworden und insbesondere ist mir da erst aufgefallen, wie intensiv dieser Schauspieler sich in seine Rollen hineinversetzt und wie gut er es schafft diese zu Porträtieren. Grandios.
Ansonsten ist natürlich auch Shailene Woodley zu nennen, die ebenfalls eine sehr gute und glaubwürdige Performance hinlegt. Mir sonst nur aus Teenie-Filmen bekannt, gefiel es jedenfalls sehr, sie mal in einer erwachsenen Rolle zu sehen. Ich hoffe, sie in weiteren solchen Rollen zu sehen :)
Und Zachary Quinto ist auch stark - allerdings irgendwie gewohnt (wenn er nicht gerade Spock spielt), von daher glaubwürdig, aber nicht herausragend, weil nicht sonderlich anders zu anderen Rollen.
Als Fazit bleibt für mich eigentlich nur zu sagen:
Schaut ihn euch an!
Er ist sicherlich kein herausragendes Meisterwerk, aber aufgrund der genialen Schauspielerischen Leistung, aufgrund des Erzählgeschicks - dem, was aus der Story herausgeholt wurde - und auch aufgrund der Wichtigkeit, der Aktualität und der Tatsache, dass sich die Menschen sich auch so sehr hingegeben haben, um diesen Film auf die Beine zu stellen, vergebe ich gerne und mit gutem Gewissen:
10/10
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