Das viele Menschen Angst vor Spinnen haben, dürfte wohl kein Geheimnis sein. Kein Wunder also, dass die achtbeinigen Freunde oftmals für Horrorfilme herhalten müssen, und auch immer wieder gerne in anderen Genres eingesetzt werden, um dem Zuschauer eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen. Mit „Itsy Bitsy“ veröffentlicht die Busch Media Group nun einen weiteren Spinnenhorrorfilm, der bereits im Jahr 2019 von Regisseur Micah Gallo inszeniert wurde. Die Veröffentlichung erfolgt dabei in Form von drei unterschiedlichen Mediabook-Varianten, welche den Film sowohl auf Blu-ray Disc, als auch auf Ultra HD-Disc enthalten, sowie auf Blu-ray Disc in einer preiswerteren Keep Case Verpackung. Was der Film zu bieten hat und wie sich die Discs in technischer Hinsicht schlagen, klärt die nun folgende Rezension.
Story
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Gemeinsam mit ihren beiden Kindern zieht die Krankenschwester Kara (E. Roberts) aufs Land, wo sie einen Job bei dem zurückgezogenen lebenden Ethnologen Walter (B. Davison) angenommen hat, der ihr neben dem Job auch noch die Möglichkeit bietet, bei ihm zu wohnen. Unglücklicherweise befindet sich im Fundus des Forschers eine uralte Reliquie, die eine prähistorische Spinne beherbergt, die eines Tages freikommt, und die Familie zu terrorisieren beginnt …
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Eines gleich vorneweg: Wer einen weitestgehend realistischen Spinnen-Horrorfilm im Stil von „Arochnophobia“ oder einen Riesenspinnen-Trashfilm wie „Arac Attack“ oder auch ein Spinnen-Invasions-Szenario im Stil von „Mörderspinnen“ erwartet, wird leider nicht auf seine Kosten kommen. Regisseur und Co-Drehbuchautor Micah Gallo, der hier sein Spielfilmdebüt als Regisseur abliefert, präsentiert mit seinem Regie-Erstlingswerk nämlich einen sehr gelungenen Genremix aus Grusel, Familiendrama und im weitesten Sinne Okkultismus, bei dem es zwar im Grunde genommen um Spinnen geht, aber diese bleiben über lange Strecken im Hintergrund. Darüber hinaus steht die unsichtbare aber spürbare Bedrohung als Metapher, um die Hilflosigkeit der überforderten Hauptfigur aufzuzeigen, die mit ihren eigenen Problemen kämpft und ihre Kinder nicht wirklich beschützen kann. Dennoch kommen Spinnen-Freunde auf ihre Kosten, zumal der Krabbelkiller weitestgehend mit praktischen Effekten realisiert wurde, was die Spinne – auch wenn sie unseren typischen Hausspinnen nicht mehr wirklich ähnelt – unglaublich gruselig und authentisch erscheinen lässt.
Das liegt vermutlich zum Teil daran, dass Micah Gallos Wurzeln im Special-Effects-Bereich liegen, und er sich auf diesem Terrain ausgezeichnet auskennt. Die Story ist alles in allem der Schwachpunkt der ganzen Geschichte, denn auch wenn der Genremix viele brauchbare Zutaten und Ideen bereithält, bleibt die eigentliche Handlung und Charakterentwicklung leider ein wenig auf der Strecke. Zu viele Möglichkeiten werden nicht genutzt, zu viel wird nur oberflächlich angerissen, und unterm Strich kommt am Ende ein Film dabei heraus, der sein Potential nicht einmal ansatzweise ausschöpft. Trotzdem bietet „Itsy Bitsy“ genügend Gründe, um damit seine Freude zu haben. Neben den gelungenen und teilweise wirklich ekligen Effekten sind das vor allem die wunderbare Kameraführung, die perfekt mit Licht und Schatten spielt, das gute Timing der Gruselszenen und die soliden darstellerischen Leistungen sämtlicher Akteure, allen voran natürlich Bruce Davison, der zwar nie wirklich von der Bildfläche verschwunden war, aber irgendwie doch immer wieder ungerechtfertigt in Vergessenheit zu geraten droht. Ein Schicksal, das diesem kleinen Juwel des Genrekinos hoffentlich erspart bleibt, denn auch wenn der Film einige Unzulänglichkeiten aufweist, handelt es sich hierbei dennoch um einen kleinen Geheimtipp.
Bildqualität
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Das glasklare Bild liegt im Ansichtsverhältnis von 2,40:1 auf der Blu-ray Disc vor und ist über weite Strecken gut bis sehr gut. Gerade hell ausgeleuchtete Außenaufnahmen strotzen nur so vor Details und zeigen auch satte Farben und einen ausgewogenen Kontrast. In dunkleren Bereichen wird es allerdings ein wenig trister. Die Farben sind hier etwas zurückhaltender, die Schärfe pendelt leicht nach unten und hie und da machen sich Kompressionsartefakte, stufige Farbübergänge und andere kleinere Mankos bemerkbar, die zwar nicht sonderlich ins Gewicht fallen, aber dennoch eine höhere Wertung verhindern. Dazu kommt, dass hier alles etwas milchiger wirkt. Schwarzflächen sind nur selten wirklich schwarz, sondern eher sehr dunkelgrau. Hier hätte ein bisschen mehr Feinschliff sicherlich Wunder bewirken können, aber so wie es ist, ist es keineswegs schlecht, lässt aber noch etwas Luft nach oben.
Bild 4k UHD
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Das native 4k-Bild schlägt sich im direkten Vergleich mit der bereits sehr soliden Blu-ray Disc ein wenig besser, wenn auch eher im marginalen Bereich. Schärfe und Farbbrillanz sind kaum merkbar anders, einzig der Kontrast und der Schwarzwert hinterlassen einen besseren Eindruck, und das Bild schaut in dunklen Bereichen besser aus. Auch kann der Schwarzwert hier deutlich besser punkten. Die Kompressionsartefakte und vor allem die stufigen Farbübergänge sind hier ebenfalls verschwunden, und alles in allem wirkt die UHD unterm Strich wertiger, kann aber dennoch nicht mit Referenzscheiben mithalten – was jedoch auch nicht zu erwarten war. Eingedenk des geringen Budgets wurde hier erstaunliches geleistet.
Tonqualität
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Der Ton liegt in deutscher und englischer Sprachfassung in dts-HD Master Audio 5.1 Abmischung mit optional zuschaltbaren deutschen Untertiteln auf der Disc vor. Leider bleibt der Film über weite Strecken sehr frontlastig. Die hinteren Kanäle dienen überwiegend zur musikalischen Berieselung, wobei der Soundtrack von Garry Schyman und Frederik Wiedmann weitestgehend unaufdringlich und dezent bleibt. Das ändert sich leidglich in den Szenen, in denen die Spinne angreift. Hier drückt der Score ordentlich auf den Bass und es ertönen die typischen Zisch- und Klacklaute, die man bei Filmen mit Spinnen erwartet. Akustische Jumpscares runden das Ganze ab und auch ein paar gut gemachte Ekeleffekte klingen richtig schön saftig. Die Dialoge sind jederzeit gut verständlich und auch die deutsche Synchronisation ist grundsolide. Diese entstand unter der Regie von Flemming Krahl und nach einem Dialogbuch von Henning Gehrke bei der Creative Sounds Germany in Hagen und hat mit Michael-Che Koch über Treva Etienne und Gilles Karolyi über Bruce Davison zumindest zwei bekanntere Stimmen mit an Bord. Allerdings sind auch die übrigens Sprecherinnen und Sprecher durchaus brauchbar und verrichten gute Arbeit – mit Ausnahme eines Deputys, der zu Beginn des letzten Filmdrittels die Protagonistin verhört und dabei wie ein Fremdkörper klingt.
Ausstattung
- 2 Audiokommentare
- Behind the Scenes (9:01 Minuten
- The Most Spiderous Spider (3:13 Minuten)
- Interview: Sheriff Jane (0:48 Minuten)
- Die Angst vor Spinnen (0:46 Minuten)
- Die Spezialeffekte (0:51 Minuten)
- Starke Frauen (0:54 Minuten)
- Der Horror in „Itsy Bitsy“ (0:48 Minuten)
Fazit
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Spinnenhorror, eingebettet in ein Familiendrama mit okkultem Bezug. Dieser Genremix macht Spaß, ist gut gemacht und bietet Genrefreunden alles, was das Herz begehrt – bis hin zu wirklich gelungenen praktischen Effekten, die sich nicht hinter großen Produktionen zu verstecken brauchen. Auch die technische Umsetzung ist absolut solide und punktet mit solider Bild- und Tonqualität, auch wenn in beiden Punkten noch etwas Luft nach oben bleibt. Das Bonusmaterial hätte ebenfalls etwas umfangreicher sein dürfen, und wenn man schon einen englischsprachigen Audiokommentar auf eine deutsche Veröffentlichung packt, wären Untertitel eine schöne Sache gewesen.
(Michael Speier)
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