Hallo, QuantumStorm.
Du hast natürlich Recht. Ich hab schon sehr sehr stark schwarzgemalt in meinem letzten Post. Ich halte aber alle diese schwarzgemalten Szenarien bei einem Monopol von VoD für realistisch. Sicher nicht gleich am Anfang. Die werden sich nicht den Fehler erlauben, daß sie gleich von vornherein so viele Unbequemlichkeiten und unverschämte Preise von Anfang an einbauen. Erst muß ja der physische Datenträger verdrängt werden. Das geht nur über eine gesteigerte Attraktivität von VoD gegenüber physischen Datenträgern. Da wird die Übergangszeit zu VoD von den Betreibern höchstwahrscheinlich extrem "geschmeidig" und kundenfreundlich geregelt. Wenn der physische Datenträger dann allerdings beseitigt ist... ein paar Jahre drauf und wir haben vermutlich genau solche Verhältnisse wie von mir beschrieben.
Finde ja sehr toll, daß Du so engagiert auf meine Schwarzmalerei eingegangen bist und Dir zu jedem Argument Deine Gedanken gemacht hast. Ich will das mal honorieren, indem ich auch wieder auf Deine Argumente genau so detailliert eingehe und hoffe, wir können noch weitere spannende Pros und Cons finden. :)
Argument: Filme plötzlich gar nicht mehr erhältlich.
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Das ist in der Tat eine Gefahr, die nur durch Verfügbarkeitsgarantien gesichert werden könnte.
Schon richtig. Nur auch in Verfügbarkeitsgarantien werden sich die Betreiber Ausnahmeregelungen vorbehalten. Da hilft alles nichts. Und selbst wenn der Betreiber damit seine eigenen Grundsätze verletzt, was will der einzelne gegen den großen Konzern schon machen? Ihn verklagen, weil er den historisch hoch interessanten, kommerziell aber unrelevanten Schwarzweißstummfilm "The Lodger [1927]" aus dem Programm genommen hat? Welches Gericht würde so eine Klage zulassen?
Argument: ungeschnittene Versionen werden durch geschnittene ersetzt.
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Das mit den Schnittversion glaube ich in sofern nicht, da die Mediathek ja ähnlich wie PayTV funktioniert, und daher jeder FSK 18 Film z.B. per PIN freigeschaltet werden könnte.
PIN halte ich für denkbar ungeeignet, da sie im gleichen Haushalt lebende nicht-18-Familienmitglieder ganz leicht ausspionieren können. Ob der Staat, der 1200 Quadratmillimeter große FSK Logos verordnet sich mit einer erspähbaren PIN-Verifikatikon zufrieden gibt, wage ich zu bezeifeln.
Davon abgesehen ging es mir gar nicht um Jugendfreigabe oder nicht, sondern auch darum, daß aus FSK12 Filmen Sachen geschnitten werden, damit auch das FSK6-Publikum den Film sehen darf. Und dafür gibts ja auch auf DVD und BD Beispiele genug. Das ärgerliche ist dann halt, daß die ungeschnittenere Version vermutlich gar nicht mehr angeboten wird.
Hinzu kommt, daß die Religionsgemeinschaft der Brieftaubenverehrer in der Szene eines Zeichentrickfilmes, in welcher eine Brieftaube vertrottelt gegen eine Glasscheibe fliegt, eine Verletzung der Gefühle ihrer Religion sehen könnten und daraufhin gerichtlich erwirken, daß diese Szene aus dem Film genommen wird.
Solche und ähnliche Ärgernisse. Dafür gibts zwar momentan noch nicht viele Beispiele, aber der Trend geht ja da hin, daß die Gesellschaft immer vorsichtiger wird und immer mehr auf politische Korrektness gesetzt wird, selbst bei unsinnigen Forderungen wie der obigen. Im Falle der OnlineMediathek wäre dann die ursprüngliche Version von heute auf morgen weg. Ende aus. Für den Fall, daß die Welt noch mit physikalischen Datenträgern handelt, muß ich halt Glück haben und einen Datenträger gekauft haben, der noch vor dieser Änderung in die Läden kam. Ansonsten halt mal bei Ebay rumschauen.
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Nun, das passiert ja nun leider auch auf dem Medium DVD/BD. Zwar nicht auf dem Medium selbst, aber doch von Version zu Version. Schönes Beispiel ist hier "Der Weiße Hai". Die alte (und sehr coole) Synchonstimme vom Hauptprotagonisten wurde gegen eine andere ersetzt.
Schon richtig. Nur bei der DVD-Änderung im Nachhinein hat man immer noch die Möglichkeit sich einen Datenträger zu ersteigern, der noch die alte Sync besitzt, sofern diese mal auf dem Markt gewesen ist. Siehe Arielle, alte Sync von '89, auf VHS gebraucht noch im Umlauf. Nun gehen wir doch mal von einer Welt aus, in der die OnlineMediathek bereits die physikalischen Datenträger komplett ersetzt hat. Und nun kommt ein Film zunächst in alter Sync raus und wird dann nach einem Jahr durch eine neue Sync ersetzt. Ich mag aber die alte lieber. Nur wie komm ich da jetzt wieder ran?
Ein physisches Medium der alten hab ich ja nicht.
Schade wars.
Argument: 2001 plötzlich mit Techno-Soundtrack
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Das würde aber nicht der Betreiber der MediaThek tun, sondern eher der Verleiher bzw. ds Studio oder der Regisseur. Dann heißt das ganze "Directors Cut" und alle sind glücklich.
Der Betreiber darf allerhöchstens Schneiden, aber nicht ändern, da sonst Rechte dritter verletzt werden.
Schon richtig. Nur arbeiten Betreiber und Rechteinhaber ja zusammen. Der Rechteinhaber hat ja kein Interesse daran, daß der Betreiber sein Produkt nicht an den Mann bringt und wenn der Betreiber glaubhaft machen kann, daß eine "akustische Politur" den Gewinn vergrößern würde und dem Rechteinhaber eine Gewinnbeteiligung vorschlägt... dann... glitzerts in den Augen des Rechteinhabers.
Ich muß mal nachsehen, aber ich glaube, ich habe noch die VHS-Urversion der "unendlichen Geschichte" (Petersen, 1983), in welcher in diversen Titelsequenzen und Flugszenen noch die original Klaus-Doldinger-Instrumentalmusik unterlegt ist und nicht dieses dämliche, gesungene "Neverending Story" Popgedönse.
Aber das ist halt auch wieder so ein Beispiel. Da hat sich wohl einer gedacht, hey, wenn wir die Popmusik reinschneiden, dann verkauft sich auch diese Musik auf MaxiSingle besser. Der Markt profitiert, die Authenzität verliert.
Argument: Kinoformat plötzlich beschnitten
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Nun, das ist ja schon im TV manchmal der Fall, aber auch dies ließe sich durch Garantien des Betreibers lösen.
Garantien wem gegenüber? Dem Publikum? Betreiber, Vertriebe und Verleiher handeln bei saowas ja eher nach dem Motto: naja, das haben wir damals so gesagt, weil wir das damals dachten und für gut hießen, aber die Zeiten ändern sich. Auf eine Garantie gebe ich da recht wenig. In den 80er und 90er Jahren waren "Original" Hörspiel Kassetten zu den Disneyfilmen im Umlauf, die weder die Originalsprecher, noch die Originaldialoge, noch die Originalmusik oder die Originalgeräusche beinhalteten - nur das Cover sah dem Filmplakat recht ähnlich und wurde trotzdem von einem schönen ORIGINAL-Hörspiel-zum-Film-Siegel geziert.
Argument: neuer Transfer, weniger Dreck, aber schlechterer Kontrast
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Mit fortschreitender Technik sollte soetwas ja eigentlich der Vergangenheit angehören, und ich hätte in der Tat von einem solchen Vorgang auch noch nie gehört. Denn wenn der Film nicht besser wird, dann steckt da wohl auch keiner Geld rein (erst recht nicht die Betreiber).
Beispiele dafür gibt es jetzt bereits en masse. Kunden beschweren sich, daß DVD-Transfers teilweise besser und schärfer sind, als manch schlechte BD, eine Neuauflage, die schlechter ist als die ältere (gabs übrigens auch einmal bei Star Wars - man denke an die unglaublich verrauschten digital remasterten VHS-Versionen von ... ich glaube es war '91 oder '92, die schlechter waren als die vorher erschienenen Versionen).
Solche Sachen (neuer Transfer, schlechteres Bild) sind nicht abhängig von der Güte der Technik, sondern davon, daß genügend Geld ausgegeben werden muß, damit jemand sich die Zeit nehmen kann, die Technik so zu bedienen, daß eine Verbesserung dabei herausspringt. Und da sieht man jeden Euro, den der Rechteinhaber in einen Transfer hineingesteckt hat und auch jeden Euro, den er sich gespart hat. Und sparen und Geiz sind ja bekanntlich ziemlich geile Wörter heutzutage.
Argument: Kornrauschen weg, Unschärfe da.
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
hmmm, siehe oben.
Noch nie erlebt, daß Dir eine Entscheidung des Verleihs / Rechteinhabers qualitativ bei einer Neuauflage "nicht geschmeckt" hat? Dann schätze Dich glücklich! :) Tja, ich leider schon.
Argument: Rechtsstreit beim Ton, deutsche Sync weg
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Öhm, ich glaub nicht das es eine solche Trennung von Audio / Video gibt. Will heißen, das eine einmal für einen Film erzeugte Tonspur an diesen Film gekoppelt ist. Sicher kannes sein, dass der ganze Film zurückgezogen wird, aber nicht nur Teile von ihm.
Oh, ne. Das ist leider tatsächlich so. Das ist der Grund, warum es Jahre gedauert hat, bevor McGyer in Deutschland mit deutscher Tonspur rauskam und vermutlich noch viele Jahre dauern wird, bis die DEUTSCHE Version der Muppet Show hier in D rauskommt.
Interessant wird das Problem ja dann, wenn der Streit erst entsteht, nachdem bereits etwas veröffentlicht wurde. Wenn ich mir den physischen Datenträger gekauft habe, bevor der Streit entstand, kann mir das egal sein. Ich hab die deutsche Version zuhause und gut is. Gibt es den Film nur online, und es entsteht ein Rechtsstreit, ist von heute auf morgen die Verfügbarkeit weg. Aus.
Dazu ein Beispiel, das jetzt nicht so ganz reinpaßt... aber irgendwie doch. In den 70er und bis Mitte der 80er Jahre erschien auf Hörspielkassetten die Jugendkrimiserie "die drei ???" mit einer genialen Überleitungsmusik von Szene zu Szene, komponiert von Carsten Bohn. Die Musik war zeitlos und einfach genial. Interessanterweise wurde diese Musik aber ohne Wissen und ohne Tantiemenzahlungen an Bohn in der Hörspielserie eingesetzt. Er ging wohl davon aus, daß seine Musik nach der Aufnahme im Studio irgendwann in irgendwelche TV-Serien zum Einsatz kommen sollte, die aber noch bevor sie produziert wurden, wieder verworfen wurden. Damit - dachte er - sei auch seine Musik in der Schublade gelandet. In Wahrheit wurden aber eben alle Hörspiele damit unterlegt.
Dreisterweise wurde auf den Inlays der Kassetten auch noch vermerkt, die Musik stamme von einem gewissen Herrn Bert Brac - einem virtuellen Pseudonym, das die wahre Herkunft der Musik verschleiern sollte.
Als Bohn davon erfuhr, klagte er sich die Tantiemen ein, die das Hörspiellabel nicht zahlen wollte. Alle Tonträger mit der Bohnmusik wurden vom Markt genommen. Die Bohnmusik wurde entfernt und gegen eine langweilige, gesichtslose AerobicStudioPowerstepper Musik ersetzt. Und fortan gab es alle bereits erschienenen Hörspielfolgen statt mit Bohnmusik nur noch mit eben dieser unbeschreiblichen Fließbanddudelei.
Fazit: Wer die alten Kassetten (Gott sei Dank gibt es physische Datenträger!!!) bei Ebay ersteigert, kann sich die originalen Hörspiele mit original genialer Bohnmusik reinziehen.
Wäre das alles Online abgelaufen wären Kunstwerke der Hörspielgeschichte nun ausgelöscht.
Ein besseres Beispiel, das zeigt, daß Ton und Bild nicht unbedingt zusammen hängen. Als die erste Sync von Arielle, die Meerjungfrau auf VHS durch die zweite ersetzt wurde, wurden alle VHS Datenträger mit der ersten Syncversion so rigoros und schnell vom Markt genommen, daß man schon fast Angstzustände bekam und an Zensur, oder sonstwas dachte. Hier wurde extrem schnell eingezogen, ausgetauscht. In einem Blitzkrieg des Marketing war plötzlich die alte VHS-Sync Version spurlos verschwunden.
Spurlos?
Nein, denn auch wenn die Rechte an der Vermarktung der Erstversion in Verbindung mit dem VHS Video ausgelaufen sind und daher die zweite Version angefertigt werden mußte, da es für den Verkauf der Erstsync nun keine Rechtsgrundlage gab, war es offensichtlich so, daß die Erstsync auf dem Markt in Form von Hörspiel-CDs und Kassetten weiterleben durfte.
Bin mir nicht sicher, ob das Originalhörspiel zu "Arielle" nicht sogar HEUTE noch den Soundtrack der Erstsyncversion enthält - müßte man mal prüfen.
Offenbar laufen die Rechte an der Sync in Verbindung mit dem Film und die Rechte an der Sync in Verbindung mit einem reinen Tondatenträgern auf zwei unterschiedlichen Vertragspapieren.
Und wer sich ein Fachbuch über Filmrecht kauft und liest, wird sehen, daß das gar nicht so ungewöhnlich ist.
Argument: Lizenzprobleme. Film plötzlich in D gar nicht mehr erhältlich.
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
OK, das ist in der Tat ein Problem, aber wenn dem so ist, dann bekommt man den Film in dem Land ja auch nicht auf DVD / BD. Grau- und Importversionen lass ich da mal bewusst außen vor, denn es hat auch nicht jeder die Möglichkeit sich diese zu besorgen.
Schon richtig, aber auch hier argumentiere ich wieder damit, daß es den Film irgendwann mal frei käuflich gibt und er erst später durch Lizenzprobleme vom Markt genommen wird. Physischer Datenträger: was ich zuhause habe, kann mir keiner mehr wegnehmen. OnlineMediathek: was weg ist ist weg.
Argument: Preise sonntags teuer, werktags billig.
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Da geb ich Dir in sofern Recht, als das die Preispolitik (wie im Moment bei der BD) ziemliche Blüten treiben könnte, aber wie ich schon geschrieben hab: Die Flatrate machts möglich. ;)
Die Flatrate ist nur der Kostenanteil, der für den Internetzugang, nicht aber für das Nutzen der Filme gezahlt werden muß. Die Filmnutzungsgebühr kommt noch dazu. Und hier wird dem Betreiber wirklich jede Möglichkeit geboten, immer mehr einzusacken für immer schlechtere Konditionen.
Argument: Quote nicht erreicht, Film raus!
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Nun ja, das hinkt insofern ein wenig, wei die Speichermöglichkeiten in den nächsten Jahren sich nochmal verbessern werden, d.H. es gibt eigentlich keinen Grund für das entfernen eines Filmes vom Server, wenn der nur groß genug ist.
Das ist wahr. Aber auch da sagt sich der Betreiber. Eine Festplatte, die sich dreht, verbraucht Strom und Platz und Wartungsaufwand (Backups, Austausch etc.).
Und wenn darauf Filme sind, die kaum einer bucht und somit die Kosten nicht reinkommen... weg damit.
Gerade historisch interessante, oder sehr gute, doch reichlich unterschätzte Filme fliegen somit raus.
Argument: Werbung per BD-Java auch bei Bluray
Zitat:
Zitat von QuantumStorm;295585
Wie man z.B. eine Cola Dose die der Protagonist in der Hand hält, sich per Online Update in eine Pepsi Dose verwandelt (anderer "Skin"). Auch könnten dann Werbeplakate im Film von heute auf Morgen geändert werden.
Dies wäre auch mit einem fest auf der Disk gespeicheten Version möglich, denn es ist ja auch nur eine Frage der Zeit, bis es BD mit gaaaaaanz besonderen Features gibt, die aber nur in Playern mit Internetzugang abspielbar sind.
Da geb ich Dir Recht, das macht mir auch Angst. Aber da vertrau ich auf zwei Dinge. Nämlich daß die Hersteller der BD irgendwie in die Pflicht genommen werden können, die BDs so herzustellen, daß man den Internetzugang auch zwischendurch mal kappen kann - und dann wars das mit der Pepsidose.
Und zweitens darauf, daß das Modell - so es kommt - bei den Käufern so schlecht ankommt (mit Zurückgeben der Disks, Geld zurück und sowas), daß die ganz schnell wieder von diesen Plänen abrücken.
Wow, schon wieder so viel Text. Jetzt hätt ich glatt ein Buch rausgeben können. ;)