Ich würde mich nicht als Hardcore Michael Jackson Fan bezeichnen, aber ich liebe viele seiner Songs bis heute und für mich ist er unbestritten einer der grössten Künstler der Popgeschichte, einen Künstler von dieser Dimension wird es wahrscheinlich kein zweites Mal geben. Als der Film Michael angekündigt wurde, war ich allerdings zunächst sehr skeptisch, da die Familie Jackson als Produzenten beteiligt ist und ich mir deshalb nur schwer vorstellen konnte, dass wirklich alle Seiten seines Lebens kritisch beleuchtet werden. Ausserdem hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass eine hochwertig produzierte Serie die bessere Wahl gewesen wäre, weil Michael Jacksons Leben und seine jahrzehntelange Karriere schlicht zu umfangreich sind, um sie in einem einzigen Film angemessen zu erzählen. Diese Befürchtung bestätigt sich nach der Sichtung leider, denn der Film presst mehr als 20 Jahre in rund zwei Stunden und vermittelt dadurch letztlich nur ein sehr oberflächliches Bild von Michael Jackson. Besonders schade ist, dass dadurch kaum Raum bleibt, um seine Persönlichkeit, seine inneren Konflikte oder die Entwicklung seiner künstlerischen Vision wirklich zu verstehen. Auch die Dialoge wirken teilweise sehr einfach und glattgebügelt, während ich mir einen deutlich tieferen Einblick in seine kreativen Prozesse gewünscht hätte. Die Kritik daran, dass die Missbrauchsvorwürfe im Film keine Rolle spielen, sehe ich dagegen etwas differenzierter, da sich der Film noch gar nicht mit diesem Abschnitt seines Lebens beschäftigt. Für mich ist das deshalb grundsätzlich in Ordnung, allerdings wird der bereits angekündigte zweite Teil daran gemessen werden müssen, wie ernsthaft und differenziert dieses schwierige Kapitel behandelt wird. Interessanterweise versucht der Film bei Joe Jackson zumindest, ein Bild von einem extrem strengen und fordernden Vater zu zeichnen, bleibt dabei aber ebenfalls auffällig zurückhaltend. Colman Domingo macht daraus trotzdem eine der stärksten Leistungen des Films, weil er Joe Jackson glaubhaft als dominante und einschüchternde Figur verkörpert. Seine grössten Stärken zeigt Michael jedoch immer dann, wenn Musik gespielt und getanzt wird, denn diese Szenen sind beeindruckend inszeniert und entwickeln eine Energie, die mich teilweise komplett in den Film eintauchen liess. Vor allem Jaafar Jackson überzeugt dabei auf ganzer Linie und schafft es erstaunlich gut, Michael Jacksons Bewegungen, Ausstrahlung und Verletzlichkeit einzufangen, sodass ich ihm die Rolle in vielen Momenten vollständig abgenommen habe. Auch in den ruhigeren Szenen funktioniert seine Darstellung überraschend gut, weil er die gutmütige und gleichzeitig verletzliche Seite von Michael überzeugend transportiert, während Maske und CGI zusätzlich für eine grosse äusserliche Ähnlichkeit sorgen. Weniger gelungen fand ich dagegen einige CG Entscheidungen, insbesondere den Schimpansen, da solche künstlichen Momente für mich schnell die Immersion zerstören und meiner Meinung nach besser hätten vermieden werden können. Unter dem Strich ist Michael deshalb nicht ganz der Film geworden, den ich mir gewünscht hätte, eine wirklich tiefgehende Auseinandersetzung mit Michael Jackson als Mensch, Künstler und musikalischem Genie bleibt leider aus, trotzdem ist der Film dank seiner Musik, der Tanzszenen und einiger hervorragender Darsteller ein unterhaltsames Biopic, dass vor allem dann funktioniert, wenn Michael Jackson auf der Bühne steht.
bewertet am 11.08.26 um 19:05