BD-Review #14: Porcupine Tree - Anesthetize

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31. Juli 2010



Nach langer Zeit ist nun endlich ein Konzert auf Blu-ray erschienen, das auch in den heimischen vier Wänden echte Live-Atmosphäre aufkommen läßt. Porcupine Tree sorgen für dieses ungewohnte wie beglückende Erlebnis und lassen einen verschmerzen, wenn man nicht selbst dabei sein konnte.
 

Das aus einem Soloprojekt des jungen Autodidakten Steven Wilson entstandene Projekt "Stachelschweinbaum" hat sich seit seiner Entstehung 1987 zu einem der ersten Adressen   des Progressive Rock entwickelt. Hauptsächlich ist dafür Vordenker Wilson verantwortlich, der im Laufe der Jahre eine Reihe exzellenter Musiker um sich versammelt hat, mit denen er nicht nur im Studio Alben in hervorragender Qualität einspielt. Auch live sorgt Perfektionist Wilson für beeindruckenden Sound und eine entsprechende Show...



Details

Bildformat 1920x1080 (1,85:1)
Altersfreigabe ab 0 Jahren
Länge 130 Minuten
Set List Intro
Fear of a Blank Planet
My Ashes
Anesthetize
Sentimental
Way Out of Here
Sleep Together
What Happens Now?
Normal
Dark Matter
Drown With Me
Cheating The Polygraph
Half-Light
Sever
Wedding Nails
Strip The Soul / Dot Three
Sleep of No Dreaming
Halo
Outro
Extramaterial (nur Blu-ray) Videoprojektionen:
Way Out of Here
My Ashes
Strip The Soul / Dot Three
Nil Recurring





Konzert (5/5):

Die Band gastierte im Oktober 2008 zwei Tage im niederländischen Tilburg. Das dortige 013 ist gut gewählt: Eine nicht zu große Halle, bei der Band und Publikum eben nicht meilenweit voneinander entfernt sind und der Funke gut überspringen kann. Die Fans sorgten dann auch kräftig für Stimmung, was sicher leicht fiel angesichts dessen, was sie zu sehen und hören bekamen.

Porcupine Tree spielen hier das komplette Album "Fear of a Blank Planet". Im Jahr zuvor erschienen, hat dieses hochgelobte Werk viele Freunde gefunden und ist in dieser Live-Darbietung wahrlich ein Fest für die Sinne. Garniert wird dies mit einigen Stücken aus früheren Zeiten - auch wenn der Klassiker aus der Anfangszeit, "Radioactive Toy", mittlerweile von den Setlisten gestrichen ist.

Ohne Frage gehen alle Musiker hochkonzentriert zur Sache, wobei die Spielfreude allerdings nicht leidet. Das gilt nicht nur für Frontmann Steven Wilson, dem ich an dieser Stelle mal die langweiligste Frisur der letzten 30 Jahre Rockgeschichte attestieren muß, der aber trotzdem durch seinen Haarvorhang besten Überblick hat. Bassist Colin Edwin sorgt wie viele seiner Zunft für die coolen Momente, wenn er still grinsend vor sich hinklampft.

 

 


Ausnahmedrummer Gavin Harrison thront über seinem umfangreichen Drumkit: virtuos und druckvoll kommt sein Spiel auch zu Hause an und macht ein entspanntes Betrachten von der Couch fast unmöglich. Die Batterie von Keyboards wird souverän von Richard Barbieri bearbeitet und mit dabei ist auch wieder Gastmusiker John Wesley, der seit Jahren die Band live mit Gesang und zweiter Gitarre unterstützt.

 


Zum perfekt abgestimmten Sound kommen die von Lasse Hoile gedrehten Videos, die auf gleich drei Leinwände projiziert werden. Auf der Blu-ray sind sie als Extramaterial beigefügt. Sehr gute Idee, als Zuschauer zu Hause ist man ja von der Bildregie abhängig und kann naturgemäß nicht die ganze Zeit auf die Videowände schauen - außer, man hätte nur eine fest installierte Kamera. Hier aber sorgen gleich neun Kameras für eine Unmittelbarkeit des Konzertgeschehens, wie ich das nur selten gesehen habe. Dazu kommt die Sicht von oben, was gerade bei Harrisons Schlagzeug für interessante Einblicke sorgt. Auch sehr dynamische Passagen werden durch abwechlungsreiche Bildführung bestens unterstützt. Wer meint, Konzertaufzeichnungen seien per se langweilig, sollte zwei Stunden mit dieser Scheibe eingeschlossen werden. Sieht man von den Inszenierungen einiger Überbands wie etwa den seelenverwandten aber stetig wegsterbenden Pink Floyd ab, kann man hier nur größtes Lob zollen und dankbar für ganze 130 Minuten Spielzeit sein.

 

Bild (4/5):

Nicht nur die Bildregie war vorbildlich, auch das Bild selbst kann sich sehen lassen. Die bei Konzerten schon mal schwierigen Lichtverhältnisse sind gut gemeistert. Soweit sich das bei mir beurteilen läßt, ist auch der Schwarzwert befriedigend, eine gute Durchzeichnung in den dunklen Bereich erlaubt jederzeit eine recht genaue Wahrnehmung  etwa der Gerätschaften am Boden der Bühne oder im Publikumsbereich. Leichte Schwächen sind in der Schärfe auszumachen. Während Harrisons Drumkit oft gut akzentuiert heraussticht, hapert es hier schon mal, auch wenn gerade kein Vordergrundmotiv auszumachen ist. Zudem ist über die gesamte Dauer Filmkorn wahrzunehmen, das ich aber nur manchmal als etwas störend empfand.

 

Ton (5/5):

Hier läßt Steven Wilson einfach nichts anbrennen. Klanglich ist diese Scheibe ganz am oberen Ende angesiedelt. Ich habe bisher einfach noch keine so gute 5.1-Abmischung eines Live-Konzerts gehört. Die Instrumente sind alle klar herauszuhören, gut zu orten und das Publikum ist nicht im Vordergrund zu hören. Der Sound im DTS HD-Master-Format ist einfach so überzeugend, daß ich es bislang nicht geschafft habe, mir die 2-Kanal-Version anzutun. Für mich eindeutig Referenz auf diesem Gebiet.

 

Extras (3/5):

Wie schon erwähnt, sind der Blu-ray die Videoprojektionen beigefügt, wenn auch leider nicht in HD.  Allerdings muß die DVD darauf verzichten, eigentlich schade.

 

BD-Kaufbewertung: (***/****)

Eine ganz dicke Empfehlung, nicht nur für eingefleischte Fans von Porcupine Tree. Anesthetize setzt neue Maßstäbe bei Konzertaufzeichungen und sollte auch abseits der Liebhaber des Progressive Rock viele Freunde finden. Schon um einmal zu sehen und zu hören, wenn wirklich alles zusammenpaßt.

Freigegeben ist dieses Werk ab 0 Jahren. Das mag nicht unbedingt adäquat klingen, aber der schlechteste Beitrag zur musikalischen Früherziehung ist das jedenfalls nicht!


Trailer (720p HD):


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Hallo Dietmar, danke für Deinen Kommentar. Für die Anfangsjahre würde ich Deine Aussage gleich mitunterschreiben, aber das hat sich in den letzten Jahren doch durchaus geändert. "Fear of a Blank Planet" und auch das neue "The Incident" sind richtig guter, mitreißender und klug komponierter Progressive Rock. Ruhiger dagegen Steve Wilsons Soloalbum "Insurgents" aus dem letzten Jahr, aber ebenfalls sehr empfehlenswert. Let me know...!
tanqueray
02.08.2010 um 13:47
#2
Hallo Frank, schön mal wieder etwas von dir zu lesen. Sprachlich und inhaltlich wie immer top, bin ich mir einfach nicht sicher, was ich von Porcupine Tree halten soll. Manchmal fasziniert mich die Band, ein anderes Mal wiederum kann ich mit den teilweise sehr presenten Keyboards nichts anfangen. Dann braucht es eine Portion guten, alten Ronnie James Dio - möge er in Frieden ruhen. Mal sehen, nach deiner Beschreibung, müsste man das Konzert aber beinahe gesehen haben. Vielleicht packt mich ja noch der Ehrgeiz, mich mit dieser Band näher zu beschäftigen...
geraut
01.08.2010 um 23:25
von geraut
#1

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