Ich bin eigentlich nicht der grösste Fan von Krankenhausserien, weshalb mein Interesse an The Pitt zunächst eher gering war. Zwar habe ich früher ein wenig Emergency Room geschaut und sowohl House M.D. als auch Scrubs komplett gesehen, doch das Genre hat mich insgesamt nie dauerhaft gepackt. Da The Pitt jedoch zahlreiche Preise abgeräumt hat und mit extrem hohen Bewertungen bedacht wurde, wollte ich der Serie trotzdem eine Chance geben. Das grundlegende Konzept ist dabei simpel, aber zugleich ambitioniert. Die erste Staffel umfasst 15 Folgen, die jeweils etwa 50 Minuten dauern und gemeinsam eine einzige 15-stündige Schicht abbilden. Dieses Echtzeitprinzip erinnert stark an die Serie 24 und gibt der Handlung eine klare Struktur. Zu Beginn hat mich die Idee einer so langen Schicht in einer Notaufnahme allerdings stutzig gemacht, da mir das in dieser Branche unrealistisch erschien. Im Verlauf der Staffel wird jedoch deutlich, warum genau dieses Zeitfenster gewählt wurde. Auf diesen Aspekt möchte ich bewusst nicht näher eingehen, da er eines der grossen Highlights der Serie darstellt und nicht gespoilert werden sollte. Die Handlung spielt vollständig in der Notaufnahme eines Krankenhauses und begleitet ein Team aus erfahrenen Ärzten sowie mehreren Anfängern an ihrem ersten Arbeitstag. Geleitet wird dieses Team von Dr. Robi, der von Noah Wyle gespielt wird. Besonders interessant ist dabei, dass Wyle bereits bei Emergency Room eine grössere Rolle hatte und hier gewissermassen ins Genre zurückkehrt. Durch das Notaufnahme-Setting entsteht eine grosse Abwechslung, da ständig neue Patienten eintreffen. Einige dieser Fälle ziehen sich über mehrere Episoden hinweg, während andere abrupt enden, was sehr realistisch wirkt. Trotz dieses interessanten Aufbaus haben mich die ersten sieben Folgen eher ernüchtert zurückgelassen. Die Serie wirkte zunächst distanziert und emotional noch nicht wirklich greifbar. Ab Folge acht änderte sich dieser Eindruck jedoch schlagartig. Von da an entwickelte The Pitt einen enormen Sog, dem ich mich kaum noch entziehen konnte. Die Ereignisse nehmen deutlich an Intensität zu und steigern sich fast ins Unermessliche. Dabei wird die Serie gleichzeitig spannender, dramatischer und extrem emotional. Figuren, die mir anfangs unsympathisch waren, wuchsen mir zunehmend ans Herz und machten eine glaubwürdige Entwicklung durch. Das absolute Highlight der Staffel ist für mich jedoch ganz klar Noah Wyle. Seine Darstellung reicht von professionell über empathisch und menschlich bis hin zum völligen Zusammenbruch und bewegt sich auf schauspielerischem Höchstniveau. Trotz meiner anfänglichen Schwierigkeiten, in die Serie hineinzufinden, vergebe ich für die erste Staffel eine starke Bewertung von
9/10, da sie ab der Hälfte enorm zugelegt hat.