Marty Supreme (2025) 9/10
So, ganz frisch aus dem Kino, noch mit den Eindrücken im Kopf.
Marty Supreme ist kein klassisches Sportler-Drama. Der Film mischt mehrere Genres wild durcheinander. Sport, Thriller, Komödie, Liebesgeschichte – alles drin. Und das Ganze von einem der Safdie-Brüder inszeniert. Wer Uncut Gems aka Der schwarze Diamant oder Good Times kennt, kann sich ungefähr vorstellen, in welche Richtung das geht.
Ganz so stressig und nervenzerreißend wie Uncut Gems ist er nicht, aber dieses permanente, leicht anstrengende Pacing ist da. Wackelkamera, extreme Close-ups, sehr nah dran an den Figuren. Ich war ab Minute eins komplett drin und wurde sofort in die Story reingezogen.
Marty selbst ist alles andere als sympathisch. Aufbrausend, egozentrisch, notorischer Lügner, absolut unzuverlässig und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Und trotzdem blitzt immer wieder so eine menschliche Note durch, dass man ihn nicht hassen kann. Man fiebert mit, obwohl man eigentlich weiß, dass er ein ziemlicher Unsympath ist.
Der Film fühlt sich an wie ein wilder Ritt durch einen Lebensabschnitt dieses fiktiv erzählten Charakters, der sich zwar an einer realen Person orientiert, dessen Story aber größtenteils frei interpretiert ist. Mal bitterböse, mal absurd komisch, dann wieder unangenehm intensiv. Ich habe mehrfach laut im Kino gelacht – teilweise als Einziger. Der Humor ist stellenweise richtig schwarz und trocken, insgesamt schlägt der Film aber eher ernste Töne an.
Über die 2,5 Stunden bleibt die Spannung konstant und die Zeit vergeht wie im Flug.
Für mich bisher einer der Top-Filme des Jahres. Timothée Chalamet ist hier absolut auf einem anderen Level. Trotz seiner gefühlt dauerhaften Präsenz in neuen Filmen verspüre ich bei ihm null Ermüdung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er den Oscar für die Hauptrolle bekommt – und das wäre nicht unverdient. Dazu eine starke Gwyneth Paltrow in einer Rolle, die richtig gut funktioniert.
Die Kameraarbeit ist wieder typisch Safdie. Sehr shaky, sehr nah, sehr intensiv. Das muss man mögen. Für mich passt es perfekt zu diesem nervösen, schnellen Stil.
Ob er am Ende wirklich der Film des Jahres bleibt, wird sich zeigen. Mit Sachen wie The Odyssey, Astronaut oder Dune 3 kommt ja noch einiges. Aber da muss erstmal ein Film dran vorbeiziehen.
Klare Empfehlung für alle, die Uncut Gems mochten oder einfach Bock auf einen wilden Genre-Mix mit starkem Schauspiel haben. Für mich eine echte Überraschung und definitiv ein Highlight – einer der besten A24-Filme bisher.