Ich bin gerade ein wenig verwundert darüber dass ihr den schon alle gesehen habt - bei uns lief er gestern in der Sneak (sollte also eigentlich noch garnicht draußen sein?!) :eek:
Lee Weathers (Kate Maren, The Martina, Fantastic Four) ist eine Risikomanagerin, und soll für das Unternehmen eine Außenstelle besuchen - ein abgelegenes Versuchsexperiment, welches von der üblichen Führung abgekommen ist, und in dem es einen Vorfall gab. Lee kommt an, und lernt nach und nach die Personen kennen, die als eine Art Familie in einer Kommune leben, in der es aber eigentlich um ein Experiment mit einem synthetisch hergestellten Menschen geht - ein kleines Mädchen, vielleicht gerade mal 20 Jahre (biologisch vom Körperbau), allerdings nur seit 5 Jahren auf der Welt und angeblich Hochintelligent und ebenso Emotional. Während Lee diesen Menschen - ganz nach Unternehmenspolicy - weiterhin als "es" bezeichnet, hat das Forscherteam das Kind als Morgan in die Herzen geschlossen. Nur nach und nach zeigt sich, wie weit Morgan eigentlich davon entfernt ist, Mensch zu sein. Dabei wird der Vorfall genau so aufgearbeitet, wie die dazu führenden Ereignisse. Nach einer Evaluation mithilfe eines Psychologen kommt es zu einem weiteren Vorfall und nun wird klar - Morgan muss terminiert werden, wobei nicht alle aus dem Forschungsteam dabei mitspielen wollen.
Dieser Film hat mich sehr überrascht, ich habe bisher noch garnichts von ihm gehört und auch keine Trailer oder Ähnliches gesehen. Insofern war ich völlig unbedarft in diesem Film und war in den ersten Minuten sehr gespannt.
Zunächst ein Paar Worte zum Cast: Wir haben neben Kate Mara - die hier eine Rolle ausfüllt, die wie für sie geschrieben scheint - auch größen wie Michelle Yeoh (Marco Polo), Jennifer Jason Leigh (The Hateful Eight), und Rose Leslie (Dowton Abbey, Game of Thrones). Alles Schauspieler, die schon gezeigt haben, dass sie ihr Handwerk sehr gut beherrschen. Daneben spielt die noch eher unbekannte Anya Taylor-Joy herausragend den Charakter Morgan; diese Mischung aus Menschlich und Unnatürlich spielt sie klasse und man hat von Anfang an ein unbehagliches Gefühl bei ihr.
Zur Story: Zunächst dachte ich - der ersten Szene wegen - es handele sich um einen Horrorfilm. Nach und nach entwickelte es sich aber zu einem Scifi-Film, und ich fühlte mich unweigerlich an Ex Machina erinnert, auch wenn die Thematik hier eigentlich eine etwas andere ist, die ebenso interessant und zum Robotik-/KI-Thema gleichwertig zu sehen ist. Der Film wirkt zunächst recht atmosphärisch, das Setting ist schön, die Vorgeschichte und Personenkonstellationen wirken glaubhaft. Danach entwickelt sich die Story aber zu einer Art Action-Human-Hunting Film, in welchem nurnoch wenige überleben; und dann gibt es auch noch einen Twist.
Insgesamt habe ich den Film mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Zunächst war ich wirklich sehr fastziniert, er startet sehr Atmosphärisch, hat einen tollen Cast und leitet klasse in die Geschichte ein. Nachdem die Prämisse aber einmal gesetzt und herausgearbeitet ist, geht es irgendwie lahm weiter. Zu oberflächlich wird das riesige philosophische und ethische Thema rund um synthetische Menschen und deren Rechte behandelt. Genau so oberflächlich bleibt aber auch die Personenkonstellationen. Einzig Roses Charakter bekommt ein wenig mehr Tiefe in dem die Beziehung zwischen ihr und Morgan ausgearbeitet wird; aber auch dies beschränkt sich eigentlich auf wenige Rückblenden - warum diese Verbindung besteht, ob und wie sie sich aufgrund des einen, bzw. eigentlich ja zwei Vorfällen geändert haben, das wird nicht erörtert. Und auch die anderen Charaktere, allesamt Hervoragend geeignet für eine explosive Mischung, sind am Ende nur da um zusätzliche Mordopfer zu haben. Und auch während der Eskalation geht alles tierisch schnell - so bleibt so gut wie garkeine Screentime für Charakterentwicklung; einzig was wir sehen, was einer Entwicklung gleichkommen könnte, ist das Lee nach ihrem ersten Tag am Zweiten eine Pistole mit sich führt...
Der Action-Teil ist interessant, aber für einen Actionfilm reicht es auch hier nicht wirklich aus. Und somit merkt man eigentlich auch garnicht - weil einfach zu viel zu schnell passiert - wie oberflächlich und eigentlich schon langweilig dieser Film eigentlich ist; man bekommt am Ende eine Geschichte geliefert, die so viel Potential hat, mit so viel aufwartet und so viel mitbringt, den karren dann aber gegen die Wand fährt - zu oberflächlich für einen tiefsinnigen Film, zu langsam für einen Action-Film, zu unspektakulär für einen Human-Hunting Film. Zu blutlos für einen Slasher. Zu einfallslos für eine spannende Geschichte.
Und das ist wirklich schade. Der Film ist nicht mies, auch wenn man das hiernach denken mag - er pokert einfach zu hoch, versucht zu viel und schafft zu wenig von dem was er verspricht. Und das liegt ganz klar an der Regie/dem Drehbuch als an Szenen, Kameraarbeit oder schauspielerischer Leistung. Und so wird es auch unglaublich schwer ihn zu Bewerten - ich könnte alles von 5-9 Punkten nachvollziehen, und habe mich schlussendlich für
7/10 entschieden.
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