Capelight hat mit der 4K-Veröffentlichung von „RoboCop“ (1987) im Limited Collector’s Mediabook mal wieder richtig abgeliefert. Enthalten sind sowohl die Kinofassung als auch der Director’s Cut auf zwei 4K-UHD-Discs, dazu eine Blu-ray und eine Bonus-Blu-ray – also ein sehr rundes Gesamtpaket für Sammler und Verhoeven-Fans. Bereits die alte Blu-ray von 2014 war für damals ein solides Upgrade, lag qualitativ aber klar im oberen Mittelfeld. Die neue 4K-UHD legt darauf spürbar eine Schippe drauf und wirkt im direkten Vergleich, als würde man von „ganz ordentlich“ auf „endlich so, wie der Film aussehen soll“ springen: Statt nur etwas mehr Schärfe bekommt man jetzt vor allem eine deutlich authentischere Filmoptik, sauberere Details und ein insgesamt souveräneres, filmischeres Bild, das die alte Scheibe sichtbar hinter sich lässt.
Gedreht wurde „RoboCop“ von Paul Verhoeven und Kameramann Jost Vacano mit der Arriflex 35 auf klassischem 35‑mm‑Filmmaterial. MGM ließ den Film bereits 2013 in 4K scannen und im Anschluss farbkorrigieren; diese Restauration wurde von Verhoeven, Executive Producer Jon Davison und Co‑Autor/Co‑Produzent Edward Neumeier persönlich abgenommen. Arrow nutzte dieses Master 2019 für eine Blu-ray und schob drei Jahre später eine eigene 4K‑Auswertung nach. Capelight greift nun auf eben dieses 4K-Master zurück und bringt es erstmals regulär auf UHD-Blu-ray nach Deutschland – inklusive HDR10- und Dolby‑Vision-Grading im erweiterten Rec.2020-Farbraum.
Ein echtes Plus: Auch die zusätzlichen Szenen des Director’s Cut wurden noch einmal neu in 4K gescannt und bearbeitet, was bei älteren Blu-ray-Fassungen so nicht der Fall war. Das Bild der 4K-Edition ist insgesamt sehr detailreich, mit angenehm sichtbarer, analoger Körnung und in vielen Szenen auch wirklich scharf. Feine Strukturen in Rüstungen, Masken- und Splattereffekten, Make-up und Produktionsdesign kommen viel besser zur Geltung als früher. Einige der typischen In‑Movie-TV-Berichte sind sichtbar schwächer, weil das zugrunde liegende Material nicht die gleiche Qualität liefert – das fällt aber eher als stilistischer Bruch auf und weniger als Fehler der 4K-Scheibe. Unterm Strich ist das für mich die bislang beste Präsentation, die „RoboCop“ jemals im Heimkino hatte. Wenn man die alte Blu-ray im Bereich von 3 von 5 Punkten einordnet, landet die UHD für mich klar darüber – eher im Bereich „starkes Oberliga-Niveau“ und damit bei einer fetten 5 von 5 Punkten.
Ein kurzer Blick auf die deutsche Veröffentlichungsgeschichte zeigt, wie weit der Film gekommen ist: „RoboCop“ stand ab dem 31. Mai 1989 auf dem Index, durfte also weder offen beworben noch regulär verkauft werden. Erst zum Kinostart des Remakes gelang es dem damaligen Anbieter 20th Century Fox, den Film nach einer Neuprüfung mit einem FSK‑18‑Siegel wieder offiziell freigeben zu lassen. In diesem Zuge wurde das Bild schon einmal neu abgetastet. Jetzt zieht Capelight mit einer zeitgemäßen 4K‑Umsetzung inklusive HDR nach und bringt den Film endlich in einer Form, die seinem Kultstatus gerecht wird.
Inhaltlich ist „RoboCop“ ein absoluter 80er-Jahre-Klassiker und längst Kult. Ja, einzelne Effekte wirken aus heutiger Sicht charmant „oldschool“ oder sogar etwas witzig, aber Verhoevens bitterböser Kommentar auf Konzernmacht, Militarisierung und Rüstungswahn im Kalten Krieg funktioniert immer noch hervorragend. Gewaltspitzen, Medienpersiflage und zynischer Humor greifen hier perfekt ineinander – und das Ganze jetzt in einer Bildqualität, die sehr nah an eine hochwertige 35-mm-Projektion herankommt.
Beim Ton liefert Capelight mehrere Spuren, die je nach Anspruch ihre Stärken haben. Die deutsche DTS-Spur geht grundsätzlich in Ordnung und bietet stellenweise ordentliche Surroundeffekte, klingt insgesamt aber etwas zu dumpf – vermutlich material- und altersbedingt. Die deutsche PCM-2.0-Spur wirkt im Vergleich etwas klarer und transparenter, bleibt aber naturgemäß stärker auf die Frontlautsprecher konzentriert, also weniger räumlich. Am überzeugendsten ist die englische Dolby-Atmos-Spur: Der Mix wirkt deutlich räumlicher und wuchtiger, Schusswechsel, Explosionen und der Score breiten sich sauber im Raum aus, ohne künstlich „aufgeblasen“ zu klingen. Wunder sollte man bei einem 80er-Jahre-Mix aber trotzdem nicht erwarten. In Summe liege ich beim Ton bei soliden 4 von 5 Punkten, mit Tendenz zu eher 3,5 für die deutsche DTS-Fassung.
Das Mediabook selbst ist, typisch Capelight, wertig verarbeitet und sammlerfreundlich aufgemacht. Haptik, Druckqualität und Gestaltung passen zum Kultstatus des Films, und die Bonus-Blu-ray rundet das Paket für Filmnerds und Sammler sehr stimmig ab.
Fazit: Für mich ist diese Capelight-4K-Mediabook-Edition von „RoboCop“ eine klare Kaufempfehlung. Wer den Film mag oder generell auf 80er-Action, Cyberpunk und Verhoevens Satire steht, bekommt hier die bislang beste Heimkino-Fassung – mit deutlich verbesserter Bildqualität, soliden Tonoptionen und einer Präsentation, die dem Kultfilm endlich gerecht wird. Wer Lust auf mehr Eindrücke hat, kann sich gerne zusätzlich das YouTube-Review mit Screenshot-Vergleichen anschauen – über ein Abo freue ich mich natürlich.
bewertet am 10.06.26 um 13:33