Trash-King Uwe Boll is back - und wie! ;o)
Hier präsentiert er den dritten Teil von BLOODRAYNE, seiner Vampirmär nach einer Videospiel-Reihe, die durchaus erfolgreich seit zwei Jahrzehnten durch die Wohnzimmer geistert. Die ersten beiden Filme wurden von den Fans auch durchaus positiv aufgenommen, wo hingegen die Kritiker beide in der Luft zerrissen. Nun also die zweite Fortsetzung, erneut mit Natassia Malthe in der Hauptrolle des weiblichen "Dhampirs" Rayne.
Unrühmliche Zeitgeschichte einmal anders: Boll siedelt die Story von BLOODRAYNE 3 zur Zeit des zweiten Weltkrieges bzw. kurz davor an und stellt einen alternativen Verlauf der Geschichte um Hitlers Machtergreifung vor. Nun ja, dass Uwe Boll keine Tabus kennt ist hinlänglich bekannt und dass er stets bemüht ist, Politik, Religion und Zeitgeschehen in seinen Werken sarkastisch und ironisch mit einzubauen ist auch nicht neu. Somit erfolgt hier auch wieder ein Genrewechsel. Während Teil 1 ein Fantasystreifen war, der im Mittelalter spielte, war Teil 2 quasi ein Western und dieser dritte Teil ist praktisch ein Kriegsfilm. Rayne wandelt somit durch die Jahrhunderte und partizipiert an den jeweiligen Gegebenheiten und Entwicklungen der dargestellten Zeitepoche. Nachdem der zweite Teil etwas mehr auf Schussgewalt und weniger auf Vampiraction setzte, ist diese Fortsetzung nun wieder deutlich gore-lastiger, da die Schwerter von Rayne vermehrt zum Einsatz kommen. Das CGI-Blut sprudelt jedenfalls ordentlich. Der Sex-Level ist auch wieder deutlich erhöht, Frau Malthe zeigt häufiger, was sie zu bieten hat. Die Ausstattung des Films kann sich ebenfalls sehen lassen und wirkt sehr authentisch. Kein Wunder, denn unter anderem kamen Hunderte von Originaluniformen aus der Nazi-Zeit zum Einsatz! Dieser professionellen Grundkonstellation stehen die eher beschränkten schauspielerischen Fähigkeiten der meisten Darsteller gegenüber, die teils durchaus nicht nur aus Boll-Produktionen bekannt sind (bspw. Michael Paré oder Clinton Howard). Andere Darsteller wiederum sind eigentlich Mitglieder der Filmcrew, die aus Budgetgründen auch in Statistenrollen schlüpfen mussten. Überhaupt hat der Film an allen Enden mit dem geringen Budget zu kämpfen: Wenig abwechslungsreiche, billige Sets, CGI-Blut, Amateur-Statisten - alles musste billig sein, was man dem Film aber erfreulicherweise nicht durchweg ansieht.
Zu seiner Crew gehören allerdings wie gewohnt auch immer einige gestandene Leute, die ihr Fach verstehen und die Boll-Produktionen daher höchst professionell aussehen lassen. Davon abgesehen ist Uwe Boll selbst absolut professionell und versteht das Geschäft (eigentlich) perfekt! Seine Filme polarisieren allerdings so extrem und wollen sich so wenig Film- und Genrekonventionen unterwerfen, dass man sie deshalb vielleicht gar nicht als so professionell wahrnimmt wie sie es tatsächlich sind!
Gorehounds und Boll-Fans werden sicherlich auf ihre Kosten kommen. Ansprüche an Inhalt und Qualität sollte man aber (wieder) tunlichst vermeiden, denn da ist diese Fortsetzung keinesfalls besser als der laue Vorgänger!
Übrigens: Die Produktionen AUSSCHWITZ und BLUBBERELLA wurden hinerteinander weg mit BLOODRAYNE 3 in den gleichen Kulissen und mit den gleichen Statisten gedreht. Lediglich die Hauptrollen wurden ausgetauscht. Teils taucht sogar Bildmaterial aus BLOODRAYNE 3 in den anderen beiden Produktionen auf - Budget-Recycling à la Boll eben! ;o)
Die Blu-ray bietet ein wirklich gutes HD-Bild, während der Sound kaum Druck aufbaut und nur selten räumliche Akzente setzt. Beim Bonusteil sticht wieder der Audiokommentar des Ausnahme-Regisseurs hervor. Schön wie er darin sein Publikum immer wieder verhöhnt, indem er bspw. mittendrin ans Handy geht und weiter ins Mikro labert (immerhin entschuldigt er sich dieses Mal dafür - leider wird man aber dabei erneut Zeuge seines furchtbaren Englisch) oder sogar den Raum verlässt...
bewertet am 15.09.11 um 14:02