Das ist wohl der Geschmack der Gegenwart: alles muss laut sein, perfekt choreographiert und in SloMo - schon ist ein Film "geil", und die Zuschauerzahlen sind garantiert. Und dieses Rezept mit Geling-Garantie wurde bei Sherlock Holmes 2 eingesetzt. Ich persönlich mag so ein Instant-Gekoche nicht so gerne, insbesondere wenn eine hervorragende Vorlage existiert, die vom Nachfolger nun ins Absurde geführt wird, was ich extremst schade finde.
Meine Kritikpunkte hierbei wie folgt:
- die egozentrischen, kaputten Typen Holmes und Watson werden nun vollends überzeichnet und verkommen nun zu Witzfiguren, die häufig nicht wesentlich mehr als zotige Einzeiler über die Lippen bringen. Finesse, Figurenentwicklung und Identifikationsmerkmale - Fehlanzeige. Dafür Schenkelklopferhumor der alles andere als subtil ist, verworrene Handlung und Gewaltszenen in SlowMotion.
- Die Figur des scharfsinnigen Meisterdetektivs, der subtil agiert und überraschend kombiniert, wurde von Downey Jr. schon im ersten Teil sehr provokant interpretiert. Aber immer noch akzeptabel und sogar interessant - weil der Scharfsinn neben der sprichwörtlichen Schlagfertigkeit, die die Originalfigur ja auch besitzt(!) - immer noch im Vordergrund gehalten wurde. Im Folgeteil "Spiel der Schatten" passiert genau das, was der Titel verspricht: die letzten prägenden Figurmerkmale versinken im Schatten. Anstatt dessen hat der Zuschauer es teils mit einem nervig arroganten, teils tuntigen, Travestie-Möchtegern-Detektiv zu tun, der eher in Cat Run eingesetzt werden müsste denn in einem Sherlock Holmkes. Brillianz und Scharfsinn? Nur noch eine Erinnerung der Vorlage, eine Behauptung des Regisseurs. Gezeigt wird davon in dieser Fortsetzung wenig bis nichts.
- Zur Handlung: Holmes-Erzfeind Dr. Moriarty ist leider nicht präsent genug, das letzte Quentchen zum
überzeugenden bösen Erzfeind fehlt. Auch sein(e) Motiv(e), sein Antrieb, bleibt mehr oder minder im titelgebenden Schatten verborgen. Nett lediglich die Idee, den stilvoll agierenden Bösen herauszuarbeiten, indem man ihn am Ende gegen Holmes Schach spielen lässt. Der Plot an sich aber lässt allzu häufig sein Ziel aus den Augen, es knallt und kracht und "SloMo't" an jeder Ecke, so daß der Erzählstrang immer mehr zur Nebensache gerät und man sich als Zuschauer häufiger fragt: was sollte das jetzt?
Deshalb mein Fazit: einfältiges Fastfood-Konzept, was die Brillianz und Innovation des ersten Teils vermissen lässt, komplett darauf getrimmt, den Zuschauer bloß nicht das Hirn einschalten zu lassen und die Handlungswirrniss durch SloMo-Clash und Männer-Bonding zu kaschieren.
Als wir das Feuer
erfunden haben, haben die Menschen damit auch eine Weile Mist
gebaut. Aber irgendwann haben wir den Feuerlöscher erfunden
(Stephen Hawking 2015)
„Erst kommt der Ruin
der Staatshaushalte durch die Politik, dann kommen die
Erfüllungsgehilfen in den Zentralbanken, und am Ende steht das
Ende der bürgerlichen Freiheiten.“
(Roland Tichy, Vorsitzender der
Ludwig-Erhard-Stiftung)