Die erste Staffel von Sugar war für mich vor zwei Jahren eine der ganz grossen Überraschungen und hatte von Anfang an etwas ungemein Faszinierendes an sich. Die Mischung aus klassischer Privatdetektivgeschichte, stilvoller Neo-Noir-Ästhetik und einer Prise Science-Fiction fühlte sich angenehm frisch und ungewöhnlich an. Besonders stark war dabei, wie die Serie lange mit den Erwartungen des Zuschauers spielt, bevor sie in Folge 6 mit einem Twist überrascht, den ich überhaupt nicht kommen gesehen habe und der das zuvor Gesehene plötzlich in ein völlig anderes Licht rückt. Gleichzeitig ist Sugar eine Serie, die sich gerade an Filmfans richtet, denn Hauptfigur John Sugar ist selbst ein grosser Cineast und lässt sein Auftreten und seine Vorgehensweise immer wieder von Filmen inspirieren. Colin Farrell ist für diese Rolle meiner Meinung nach perfekt besetzt und trägt die Serie mit seiner charismatischen, aber gleichzeitig angenehm zurückhaltenden Darstellung mühelos. Auch die hochwertige Inszenierung, die stimmige Musik und die elegante Kameraarbeit verleihen Sugar eine ganz eigene Klasse und machen die Serie zu einem echten Hingucker. Allerdings ist die Erzählweise bewusst gemächlich und nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und die Atmosphäre, wodurch auch immer wieder einige Längen entstehen. Staffel 2 setzt nun auf einen ähnlichen Aufbau, erzählt erneut einen eigenständigen Fall und führt gleichzeitig die offenen Handlungsstränge und das Mystery-Element aus der ersten Staffel weiter. Dadurch bleibt die übergeordnete Geschichte interessant, auch wenn die grosse Überraschung der ersten Staffel naturgemäss schwer zu wiederholen ist. Positiv fällt zudem auf, dass die Serie ihren ungewöhnlichen Stil beibehält und nicht versucht, nach dem Erfolg der ersten Staffel plötzlich deutlich actionreicher oder konventioneller zu werden. Gleichzeitig wirkt die zweite Staffel an manchen Stellen etwas weniger fokussiert und kommt erzählerisch nicht ganz an die besondere Wirkung der ersten Staffel heran. Insgesamt ist Staffel 2 für mich deshalb leicht schwächer ausgefallen, bleibt aber dank ihrer Atmosphäre, der starken Besetzung und des weiterhin interessanten Mystery-Plots auf einem hohen Niveau. Für mich bleibt Sugar damit eines der Highlights im Apple Programm, vor allem weil die Serie etwas Eigenständiges bietet, was man in dieser Kombination aus Detektivgeschichte, Filmhommage, Mystery und Science-Fiction sonst kaum findet. Die erste Staffel hatte ich damals mit
8,5/10 bewertet, während ich der zweiten Staffel
8/10 geben würde. Eine dritte Staffel ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigt, aber ich würde mich definitiv darüber freuen, noch einmal in diese ungewöhnliche und faszinierende Welt zurückzukehren.