Nach dem Ende der zweiten Staffel, was gleichzeitig auch das Ende des ersten Buches markierte, war ich wirklich gespannt darauf, wie die Macher den doch sehr speziellen zweiten Band der Reihe für Staffel 3 adaptieren würden. Schliesslich stehen in diesem Buch grösstenteils komplett neue Figuren im Mittelpunkt, während sowohl die Entstehung der Silos als auch die Vergangenheit der Silos 17 und 18 genauer beleuchtet wird. Eine werkgetreue Umsetzung hätte für die Serienmacher also bedeutet, über weite Strecken auf die bekannten Gesichter zu verzichten und dieses Risiko wollte man anscheinend nicht eingehen, was ich persönlich schade, gleichzeitig aber auch absolut nachvollziehbar finde. Das Ergebnis ist für mich allerdings eine etwas seltsame Staffel geworden, die gerade in ihrer ersten Hälfte grosse Probleme mit dem Erzähltempo hat. Die Handlung zieht sich teilweise enorm und über mehrere Folgen hinweg hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte kaum vorankommt. Besonders die Entscheidung, Juliette eine Amnesie zu verpassen, konnte mich überhaupt nicht überzeugen, zumal dieser Handlungsstrang in den Büchern nicht existiert. Dadurch wissen wir als Zuschauer lange Zeit deutlich mehr als die Hauptfigur, was der Geschichte meiner Meinung nach eher Spannung nimmt, als neue zu erzeugen. Glücklicherweise findet die Staffel in ihrer zweiten Hälfte zunehmend zu alter Stärke zurück und wird sowohl spannender als auch erzählerisch interessanter. Gerade gegen Ende gibt es wieder einige Momente, die für mich an die besten Zeiten der Serie herankommen und zeigen, warum mich die Welt von Silo nach wie vor so fasziniert. Besonders die beiden letzten Folgen haben mir sehr gut gefallen und meinen Gesamteindruck von der Staffel noch einmal deutlich ins Positive verschoben. Bei der Inszenierung gibt es dagegen über die gesamte Staffel hinweg kaum etwas zu bemängeln, denn die Serie sieht weiterhin enorm hochwertig aus und überzeugt mit ihrer dichten Atmosphäre und starken Ausstattung. Auch schauspielerisch bleibt Silo auf einem hohen Niveau, selbst wenn das Drehbuch den Figuren dieses Mal nicht immer das interessanteste Material zur Verfügung stellt. Insgesamt komme ich deshalb auf eine
7.5/10 Bewertung, wobei meiner Meinung nach deutlich mehr Potenzial vorhanden gewesen wäre und vor allem die zähe erste Hälfte eine höhere Bewertung verhindert. Trotzdem bin ich sehr gespannt auf die vierte und letzte Staffel, denn mittlerweile hat sich die Serie deutlich von der Buchvorlage entfernt und gerade deshalb ist für mich völlig offen, welchen Weg die Macher für das Ende einschlagen werden.