Wall-E (2-Disc-Set Blu-Ray)
Testumgebung:
Sony KDL-46W4000 (1080p/24)
>> EINLEITUNG
Wenn man die Leute fragt welche Animationsfilme sie kennen und mögen, hört man häufig dieselben Antworten. Findet Nemo, Monster AG, Ratatouille oder Toy Story. Alle diese Filme haben etwas gemein. Sie erzählen Geschichten auf die Art und Weise, wie selbst Disney es gerne wieder tun würde. Und sie entstammen alle dem kleinen Ort Emeryville in California – dem Firmensitz der „anderen Firma des Steve Jobs“, Pixar. Eine Firma, die anscheinend seit Jahren einen Pachtvertrag auf Meisterwerke und Oscar-Auszeichnungen hat.
Man möchte meinen, dass es einige Themen gibt, die einfach nicht an den Mann oder die Frau, das Kind oder die Oma, den Onkel und die Tante gebracht werden können. Man könnte meinen, dass eine kochende Ratte für ein breites Publikum eher abstoßend wirken mag, eine Geschichte über Fische im Meer eher etwas für die Dokumentations-Ecke ist und Monster im Schrank keinen Erwachsenen mehr vom Hocker hauen. Man könnte auch meinen, dass ein Film basierend auf einem tollpatschigen und gefühlsdusseligen Roboter nicht funktionieren wird. Man könnte aber auch einfach Wall-E ins Laufwerk legen, sich zurücklehnen und sich knappe 100 Minuten in eine Welt entführen lassen, wie sie so heutzutage nur den Federn Pixars entspringen kann…
Wall-E (
Waste Allocation Load Lifter – Earth-Class) ist der letzte Müllentsorgungsroboter auf der Erde. Seit Jahrhunderten verbringt er die Zeit damit seiner Programmierung Folge zu leisten – die von den Menschen in unfruchtbarem und vermülltem Zustand zurückgelassene Erde wieder auf Vordermann zu bringen. Eine Welt die mit wenigen Wörtern zu beschreiben ist. Wasserlos, versmogt, leblos, lieblos, verfallen. Ehemals regiert von einem Monopolkonzern namens Buy’n‘Large. Eine Welt die Wall-E eine Heimat geworden ist, eine Welt in der er sich über die Grenzen eines Roboters hinaus entwickelt hat. Denn Wall-E ist einsam. Entgegen aller Logik, entgegen allen Schaltkreisen ist es diesem kleinen Roboter gelungen eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Und diese sehnt sich nach Liebe…
Die Reise um die Zukunft von Wall-E und der gesamten Menschheit beginnt.
>> BILDQUALITÄT
·Getestet auf 1080p/24 (46“) und 720p (2,20m Diagonale)
Wer schon einmal einen Animationsfilm auf Blu-Ray gesehen hat wird sicher aus dem Staunen kaum noch herausgekommen sein. Technikbedingt ist ein makelloser Transfer auf Blu-Ray kein Problem. Nun hat Pixar gezeigt, dass sie dieses Medium über jeden Zweifel erhaben beherrschen. Angefangen mit den Veröffentlichungen von Cars und Ratatouille in 2008, welche von Kritikern und Fans gleichermaßen für die beeindruckende Bildqualität gelobt wurden, setzt die Firma mit der Nachttischlampe nun mit Wall-E noch einmal neue Maßstäbe. Sicher gibt es derzeit mit Kung-Fu Panda, Ice-Age, Horton hört ein Hu und wie sie alle heißen einige Blu-Ray Veröffentlichungen die vom Bildqualitätsniveau her mindestens gleichwertig sind, doch Wall-E beschreitet in meinen Augen einen gänzlich anderen Weg. Die eben angesprochenen Filme glänzen durch knackige Farben, überragende Schärfe und ruckel-freier Wiedergabe. Wall-E will genau das nicht sein. Ein auf Hochglanz polierter Film ohne Ecken und Kanten. Gerade im ersten Drittel des Films versucht Regisseur Andrew Stanton (Das große Krabbeln, Findet Nemo) in Sachen digitaler Kameraführung neue Wege im Animationsbereich zu gehen. Wacklige Kameraeinstellungen und Unschärfemaskierungen hat man zuvor wohl selten in gerenderten Filmen gesehen. Um es auf den Punkt zu bringen – bei Wall-E sollte der Eindruck einer von Menschen geführten Kamera entstehen – was auch auf beeindruckende Art gelungen ist. Detailgrad, dezente Farbgebung (abgelöst durch knackige Farben im späteren Filmverlauf), Schärfegrad – hier passt einfach das Gesamtbild und fügt sich zu einer stimmigen Einheit zusammen die mit keinem anderen Wort als „Perfekt“ zu beschreiben ist. Sollte diese Disc als künftiger Standard – auch für andere Studios – herangezogen werden, sehe ich goldene Zeiten für alle Blu-Ray Fans aufziehen.
***** (Fünf von Fünf Wall-E’s)
>> TONQUALITÄT
·Getestet auf Deutsch (DTS ES 6.1)
Bedingt durch mein Equipment, welches Audiophilen Ansprüchen wohl in keinster Weise genügen würde, habe ich mich entschieden einen anderen Weg der Audio-Bewertung zu gehen. Dem Alltagstest.
Klang-Experten mit dem nötigen Equipment und der nötigen Kompetenz sei ein Selbsttest sehr ans Herz gelegt, denn wie Sie sicher wissen kann man sich auf das eigene Ohr immer noch am besten verlassen.
Allen anderen wird hier geholfen. Meine Testumgebung bezieht sich auf eine Schneider Anlage mit zwei 3-Wege-Boxe und einen Stereoverstärker aus der „guten, alten Zeit“. Da es im vierten Stockwerk eines Mietshauses nicht einfach krach-bum machen darf habe ich mir diesen Film immer auf annehmbarer Lautstärke zu Gemüte geführt. Vielen wird es wahrscheinlich ähnlich gehen – denn nicht jeder hat eine mehrere tausend Euro teure Anlage samt schalldichtem Raum um Keller parat.
Wall-E besticht vor allem im ersten Abschnitt durch ruhigere Passagen. Einfühlsam wird mit dezenter Musikuntermalung die Figur des kleinen Roboters eingeführt. Sobald jedoch Eva ins Geschehen eintritt wird es zunehmend lauter und aggressiver. Deutlich zu spüren wie bei der Produktion (auch zu sehen in den Making-of‘s – mehr dazu später) viel Wert auf die Authentizität der Klänge gelegt worden ist. Man fühlt sich nach einiger Zeit verzaubert und mittendrin im Filmgeschehen, was- meiner Meinung nach - ein eindeutiges Indiz dafür ist, dass Wall-E klangtechnisch alles richtig macht. Somit kann ich der Soundqualität von Wall-E für den Alltagsgebrauch eine absolute Empfehlung aussprechen.
***** (Fünf von Fünf Woooaaaaaaaallllllliiiiiiiiis)
>> BONUSMATERIAL
Disney/Pixar typisch kleckert diese Veröffentlichung nicht mit Bonusmaterial. Doch die zweite Blu-Ray in diesem außergewöhnlichen Set sprengt jede Skala. Tonnenweiße Informationen zur Entstehung des Bildes, des Tons, des Soundtracks und vieles mehr wartet auf den geneigten Fan. Zusatzinformationen zu Buy’n’Large, der Welt Wall-E’s sowie interaktive Features für die kleinen gipfeln letztendlich in einem Bonusfilm der seinesgleichen sucht – eine 90-minütige Geschichte über die Firma Pixar in HD die problemlos auch als eigenständiger Film hätte verkauft werden können – versteckt in einem unscheinbaren Untermenü. Wo hat man so etwas schon einmal erlebt. Auf der ersten Disc findet sich unter anderem exklusiv auf Blu-Ray der Kurzfilm „Burn-E“, indem es um die Geschichte eines Reparaturroboters auf der Axiom (ein Raumschiff) geht. Auch der für Pixar übliche Kurzfilm zu jedem Werk hat es wieder auf die Scheibe geschafft. Dieser nennt sich im Falle Wall-E’s „Presto“, handelt von einem Zauberer und dessen Hasen und wird ihre Zwerchfellmuskulatur bis zum Anschlag reizen – versprochen.
Sie merken vielleicht, die Tragweite des Bonusmaterials würde für dieses Review jeden Rahmen sprengen. So lasse ich Ihnen die Möglichkeit selbst noch etwas auf Entdeckungsreise zu gehen und verbleibe mit der Aussage: „Das muss man einfach gesehen haben“.
***** (Fünf von Fünf Wall-E’s)
>> FAZIT
Ich glaube allzu viel gibt es nicht mehr zu sagen. Es gibt einige wenige die mit dem Animationsgenre auf biegen und brechen nichts anzufangen wissen. Diese werden durch Wall-E sicher nicht geheilt, bekommen aber eine neue Chance sich mit dem Genre anzufreunden. Allen anderen sei der Film und vor allem diese makellose Blu-Ray Veröffentlichung wärmstens ans Herz gelegt. Ich bin jedoch der Meinung, dass der Film für die ganz Kleinen unter uns nur bedingt geeignet ist. Aufgrund der ruhigen Einführung und der insgesamt sehr nachdenklichen Grundstimmung würde ich den Film eher Erwachsenen/Heranwachsenden Liebhabern empfehlen.
Zusammenfassend muss ich eindeutig festhalten, dass Wall-E eine der, wenn nicht die beste Blu-Ray Veröffentlichung ist die derzeit in meinem Regal ihr Zuhause gefunden hat. Ruhigen Gewissens spreche ich hiermit eine absolute Kaufempfehlung aus und verneige mich vor diesem Oscar prämierten Meisterwerk.
Anmerkung:
Hallo Blu-Ray Gemeinde! Ich muss zugeben das es nicht besonders herausfordernd war ein Review über eine VÖ zu erstellen die quasi kaum zu kritisieren ist. Es ist natürlich immer leichter über seine Favoriten zu berichten als über unliebsame Filme. Trotzdem kam für mich als Erstes User-Review kein anderer Film als Wall-E (evtl. doch noch Ratatouille) in Frage. Ich werde wenn es die Zeit erlaubt und es gewünscht ist gerne noch über andere Filme schreiben – auch welche die hoffentlich noch nicht in der bluray-disc.de Datenbank vorhanden sind. Auf eine Ausstattungsliste habe ich verzichtet da es ja nicht Sinn der Übung hier ist vom Coverrücken abzuschreiben (hoffe ich ;-))
Viel Spaß beim lesen.