Geschrieben: 29 Mai 2013 09:30

Story: 8/10
Bildqualität: 910
Tonqualität: 9/10
Ausstattung: 7/10
Einleitung:
Bereits zwei Tage nach der Veröffentlichung wurde das Album IMAGINAERUM der finnischen Symphonic-Metal-Band Nightwish mit Doppel-Platin ausgezeichnet.
Zusammen mit Regisseur Stobe Harju wurde dieser Film, der als Ergänzung zum Album zu verstehen ist, inszeniert. Mit einem Gesamtbudget von 3,7 Millionen Dollar versuchte man hier ein Denkmal zu setzen. Ein Denkmal für die Jungend, die Kindheit, die Fantasie und das Leben an sich.
Story:
Der begnadete Musiker Tom Whitman liegt im Sterben. Die letzten Jahre seines Lebens litt er an schwerer Demenz, was letztendlich dazu führte, dass er sich von seiner Tochter, zu der er ohnehin niemals ein sehr gutes Verhältnis hatte, vollends entfremdete. Nun liegt es an ihr, die Maschinen, die ihren Vater am Leben halten, abzuschalten.
Während Toms Körper langsam aber sicher ins Jenseits abdriftet, macht sich sein Geist, in Form seines Jüngeren Ichs, auf einen Ausflug in die Vergangenheit, wodurch dem Zuschauer nach und nach aufgezeigt wird, wie und warum alles so kam, wie es gekommen ist.
Und am Ende steigen einem unweigerlich die Tränen der Freude und Trauer in die Augen. Ein emotionales Meisterwerk, das man nicht einfach nur ansieht, sondern richtiggehend erlebt.
Wer jetzt erwartet, ein anderhalbstündiges Musikvideo geboten zu bekommen, der wird etwas enttäuscht sein. Zwar gibt Nightwish gerade in der zweiten Hälfte des Films zahlreiche Songs zum Besten, aber die Geschichte des jungen Toms auf seiner Reise durch sein inneres Ich dominiert die Handlung.
Beinahe der gesamte Film ist mit den herrlichen orchestralen Musikstücken der Band unterlegt, aber man kann bei IMAGINAERUM dennoch nicht von einem Musikfilm reden.
Überhaupt ist der Film nur schwer in eine Kategorie einzuordnen.
Am ehesten könnte man hier von einer Mischung aus Drama und Fantasy sprechen, wobei auch durchaus Elemente des Gruselfilms und der Komödie zu finden sind.
Die Mischung ist jedenfalls gelungen, und auch wenn die Story nicht wirklich nachvollziehbar ist, ist der Film ein wundervolles Stück Kino, das mit traumhaft-düsteren Bildern und einem mitreißenden Soundtrack zu begeistern versteht.
Die Darsteller geraten in diesem Strudel aus Musik und Bildern da ein wenig in den Hintergrund, wodurch eine – mit regulären Maßstäben gemessene – Bewertung der schauspielerischen Leistung fast unmöglich ist.
Quinn Lord, der den 10 jährigen Tom und damit die größte Rolle des Films spielt, konnte bereits Erfahrungen in Filmen wie Das Kabinett des Doktor Parnassus sammeln, der zwar nicht inhaltlich, aber inszenatorisch ein wenig an diesen Titel erinnert. Seine Darstellung von Trauer, Freude und Angst ist so überzeugend, dass man förmlich mitgerissen wird.
Wenn überhaupt, dann kann man hier schon fast von übertriebener Theatralik bei sämtlichen Darstellern sprechen, was von den zahlreichen Zeitlupenaufnahmen noch unterstrichen wird. Aber wer würde so etwas bei einem solchen Film kritisieren wollen?
Bild:
- Bildformat: 2.39:1 (16:9 Letterbox) in 1920x1080p/24 Auflösung
- Hervorragende Detailschärfe
- Unnatürliche, aber passende Farbgebung
- Keinerlei Fehler oder Störungen feststellbar
Solange die Handlung sich in der Realität abspielt ist das Bild gut bis sehr gut, präsentiert sich in natürlichen, düster-warmen Farben und verfügt über eine gute Detailschärfe.
Sobald die Handlung in die Traumwelt verlagert wird, was den Großteil der Handlung ausmacht, dominieren kalte Blautöne, wobei es immer einen warmen Fixpunkt gibt, zu dem der Zuschauer sich ebenso hingezogen fühlt wie der Protagonist.
Das Bild hat satte, strahlende Farben, eine absolut hervorragende Detailfülle, keinerlei bemerkbare Fehler und einen ganz vorzüglichen Schwarzwert. Dieser ist oft vorherrschend und gibt nur dann Details preis, wenn diese von Bedeutung sind.
Wenn es hier zu Unschärfen kommt, dann nur, weil die Handlung es so vorsieht.
Traumhaft!
Ton:
- Deutsch DTS-HDM 7.1
- Englisch DTS-HDM 7.1
- Referenzverdächtige Musikeinlagen
- Hervorragender, permanenter Raumklang
- Erstklassige Signalortung
Wie bei einem solchen Titel zu erwarten war, handelt es sich tontechnisch um eine echte Offenbarung. Satte Bässe, wundervolle Klänge, hervorragende Signalortung. Da fliegt ein Doppeldecker dröhnend durch das Heimkino, der Wind weht einem um die Ohren, und alles wird von so genialer Musik unterstrichen, dass so mancher Blockbuster sich eine dicke Scheibe abschneiden könnte.
Der Ton kommt in vielen Szenen mit einer solchen Wucht aus sämtlichen Lautsprechern, dass es einem schier die Sprache verschlägt.
Apropos Sprache: Hier zeigt sich leider das einzige Manko des ansonsten Referenzwürdigen Tons – denn die Dialoge werden allzu häufig von der wundervollen Musik überlagert und sind dann nur schwer verständlich.
Extras:
- Making of (44:32 Minuten)
- Bildergalerie
- Musikvideo
- Kinotrailer
Das einzig wirklich erwähnenswerte Extra ist der knapp dreiviertelstündige Making-of, das einen interessanten Blick hinter die Kulissen erlaubt.
Informativ, interessant, kurzweilig und vor allem untertitelt, stellt dieses Feature einen echten Mehrwert dar.
Dazu kommt der Film noch in einem wundervollen Steelbook mit abziehbarem FSK-Sticker daher, das dem Titel optisch absolut gerecht wird und richtig edel wirkt.
Ein Musikvideo von Nightwish und eine Bildergalerie runden das Paket ab. Da gibt es nicht viel zu meckern.
Fazit:
Rein technisch ist die Disk fast schon referenzverdächtig. Bild und Ton bewegen sich ganz oben im möglichen Spektrum, und es fehlt nicht viel zur Höchstnote. Lediglich unverständliche Dialoge, die von der traumhaften Musik überlagert werden sorgen für einen Punktabzug.
Der Film selbst ist eine Mischung aus überlangem Musikvideo und verworrener Traumstory – ein wundervolles, traumhaftes Stück Fantasy das bewegt und berührt.
Ganz nachvollziehbar ist die Geschichte vielleicht nicht, aber interessant ist sie allemal. Und wenn man ehrlich ist, geht es in diesem Film auch weniger um die Geschichte, als vielmehr um das Erleben. (ms)