Im Serienbereich liefert Apple meiner Meinung nach immer wieder richtig starke Produktionen ab, die mit hoher Qualität und interessanten Ideen überzeugen, während es im Filmbereich leider deutlich wechselhafter aussieht. Umso erfreulicher ist es, dass Apple mit Tenzing endlich wieder einen Film im Programm hat, der mich wirklich positiv überrascht hat. Die Geschichte der ersten Besteigung des Mount Everest ist natürlich ohnehin unglaublich interessant, doch Regisseurin Jennifer Peedom schafft es, diese historische Expedition zugänglich und spannend zu erzählen. Dass sie dabei Tenzing Norgay und damit einen Sherpa in den Mittelpunkt stellt, halte ich für eine besonders gute Entscheidung, denn häufig stehen bei solchen Geschichten vor allem die westlichen Bergsteiger im Fokus, obwohl die Sherpas einen entscheidenden Anteil am Erfolg solcher Expeditionen haben. Peedom bringt dabei ihre Erfahrung aus Dokumentarfilmen und ihrer bisherigen Auseinandersetzung mit dem Mount Everest und den Sherpas spürbar ein, wodurch der Film angenehm authentisch wirkt. Mit Genden Phuntsok wurde zudem ein Hauptdarsteller gefunden, der Tenzing sympathisch, glaubwürdig und mit viel Feingefühl verkörpert. Auch Tom Hiddleston ist wie so oft stark und Willem Dafoe beweist bereits mit seinen wenigen Szenen, warum er zu den herausragenden Schauspielern seiner Generation gehört. Der eigentliche Star des Films sind für mich allerdings die beeindruckenden Bilder, die den Himalaya und die gewaltige Naturkulisse atemberaubend einfangen und soweit es auf mich wirkte, häufig an realen Schauplätzen entstanden sind. Unterstützt wird das Ganze von einem sehr passenden Score, der die emotionale Seite der Geschichte hervorhebt, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Etwas gestört haben mich dagegen die zahlreichen Rückblenden, die zwar wichtig sind, um Tenzings Vergangenheit und seine Motivation besser zu verstehen, durch teilweise etwas unelegante Übergänge aber immer wieder den Erzählfluss unterbrechen. Insgesamt ist Tenzing für mich jedoch eine der grössten Überraschungen des Filmjahres 2026, die nicht nur ein spannendes Abenteuer erzählt, sondern einem ausergewöhnlichen Menschen und den oft übersehenen Sherpas die verdiente Aufmerksamkeit schenkt.
9/10