Eigentlich dachte ich, dass ich den besten Film des Jahres bereits gesehen hätte, doch dann kam I Swear und hat mich eines Besseren belehrt. Der Film kommt zwar vollkommen ohne Bombast und grosse Bilder aus, bietet dafür aber ganz andere Qualitäten, die mich umso mehr beeindruckt haben. Allein die wahre Geschichte von John Davidson ist unglaublich interessant, wobei ich besonders spannend fand, wie wenig bekannt das Tourette-Syndrom in den 1980er-Jahren noch war und wie gering dementsprechend die Akzeptanz in der Gesellschaft ausfiel. Doch was macht I Swear für mich zu einem so aussergewöhnlichen Film? Der wichtigste Punkt ist ganz klar das Schauspiel, allen voran Robert Aramayo, der mich komplett begeistern konnte und für mich eine der besten schauspielerischen Leistungen zeigt, die ich je gesehen habe. Er spielt seine Rolle mit enorm viel Gefühl und schafft es gleichzeitig, die Krankheit und ihre Auswirkungen unglaublich glaubhaft zu vermitteln, ohne seine Figur jemals darauf zu reduzieren. Auch der restliche Cast ist hervorragend ausgewählt, sodass selbst die Nebenfiguren ihre ganz eigenen Momente bekommen und im Gedächtnis bleiben. Eine weitere grosse Stärke ist für mich die fantastische Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Ich kann mich kaum an einen anderen Film erinnern, bei dem ich so viel lachen musste und gleichzeitig regelmässig Tränen in den Augen hatte, in einer Szene sogar beides zur selben Zeit. Genau diese Balance zwischen schwarzem Humor und emotionalem Drama funktioniert für mich hervorragend, weil sich die beiden Seiten nie gegenseitig im Weg stehen, sondern vielmehr ergänzen. Dadurch war ich über die gesamte Laufzeit vollkommen in der Geschichte gefangen und die Zeit verging wie im Flug. Am Ende ist I Swear für mich ein Film, der mich emotional komplett erreicht und persönlich keine wirkliche Schwäche gezeigt hat. Es ist ein berührendes Drama und gleichzeitig eine grossartige schwarze Komödie über einen Menschen, der es alles andere als einfach hatte, aber das Beste aus seinem Leben machte und schliesslich sogar der Queen persönlich die Hand schütteln durfte, nachdem er sie zuvor krankheitsbedingt beleidigt hatte. Für mich ist I Swear deshalb eine ganz klare Empfehlung und einer dieser seltenen Filme, die mich zum Lachen gebracht, zu Tränen gerührt und auch nach dem Abspann nicht mehr losgelassen haben.
10/10