Geschrieben: 09 Okt 2026 16:25
Habe den Film auf Amazon Prime in HD gesehen.
Es gibt Filmreihen, die mit jedem weiteren Teil größer, spektakulärer und aufwendiger werden wollen. Und dann gibt es Jackass. Eine Reihe, deren Grundprinzip seit über zwei Jahrzehnten darin besteht, dass sich eine Gruppe erwachsener Menschen freiwillig Dinge antut, die bei einem halbwegs vernünftigen Menschen normalerweise sofort die Alarmglocken auslösen würden. Genau dieses Konzept funktioniert auch in Jackass: Einer geht noch weiterhin erstaunlich gut.
Der Film ist im Grunde genau das, was man von einem neuen Jackass Ableger erwartet. Absurde Stunts, schmerzhafte Unfälle, ekelhafte Situationen, nackte Tatsachen, dumme Ideen und Menschen, die sich über all das kaputtlachen. Gleichzeitig ist jedoch spürbar, dass sich die Reihe inzwischen an einem anderen Punkt befindet. Die Mitglieder der ursprünglichen Crew sind älter geworden und der Film fühlt sich dadurch mehr wie eine große Abschiedsrunde an.
Das Grundprinzip von Jackass hat sich weiterhin kaum verändert. Die Crew entwickelt verrückte Ideen und setzt sie anschließend in die Tat um. Der Film lebt von seinen einzelnen Situationen und vor allem von den Reaktionen der Beteiligten.
Manchmal weiß man schon nach wenigen Sekunden, dass etwas schiefgehen wird. Und genau dieses Timing beherrscht Jackass nach wie vor hervorragend.
Ein großer Teil des Erfolgs liegt in der Beziehung zwischen den Mitgliedern der Crew. Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius, Wee Man, Dave England, Danger Ehren und alle anderen sind nicht einfach nur Schauspieler, sondern eine Truppe, aus alten Freunden, die sich schon über 20 Jahre kennen und genau wissen, wie sie den anderen zum Lachen oder zur Verzweiflung bringen können.
Ohne die Leute funktioniert Jackass nicht und Johnny Knoxville bleibt natürlich eine der wichtigsten Figuren der Reihe. Er ist längst zum Gesicht von Jackass geworden und verkörpert wie kaum ein anderer die Mischung aus Mut, Selbstüberschätzung und völligem Wahnsinn, die die Serie ausmachte.
Gleichzeitig merkt man, dass Knoxville und die anderen nicht mehr dieselben sind wie vor 20 Jahren.
Auch Steve-O liefert wieder zahlreiche Momente, die perfekt zu seinem Charakter passen. Er war schon immer einer derjenigen, die besonders weit gehen wollten, und genau diese Energie ist auch hier wieder vorhanden.
Seine Bereitschaft, sich selbst in möglichst unangenehme Situationen zu bringen, ist schon ein Markenzeichen der Reihe.
Auch die anderen bekommen einige absurde Szenen zu spüren. Interessant ist auch der Umgang mit neueren Gesichtern der Jackass Familie.
Sie bringen durchaus neue Energie mit und zeigen, dass das Konzept grundsätzlich auch ohne die ursprüngliche Generation funktionieren kann.
Trotzdem bleibt die Aufmerksamkeit eindeutig bei den bekannten Stars.
Natürlich muss man über den wichtigsten Bestandteil des Films sprechen, der pure Schmerz.
Das Konzept ist aber definitiv nicht jedermanns Sache.
Einige Szenen sind so absurd, dass man lachen muss. Andere sind wiederum so unangenehm, dass man gar nicht hinsehen kann.
Wie auch bei den früheren Filmen wird auch diesmal nicht an Fäkalhumor, Körperflüssigkeiten oder anderen Formen des Ekels gespart.
Wer mit dieser Art von Humor nichts anfangen kann, wird an dem Film wenig gefallen haben.
Allerdings gehört dieser Ekelhumor nun einmal zur Reihe dazu, doch kommt dieser Faktor zu oft im Film vor.
An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht.
Nicht jeder Stunt punktet. Manche Aktionen sind aber hervorragend aufgebaut und enden mit einem perfekten Moment.
Allerdings liegt die Messlatte inzwischen ziemlich hoch und viele Stunts sind nicht mehr so gut, wie damals.
Auch wird altes Material gezeigt und unveröffentliche Szenen, die damals für MTV wohl zu heftig waren.
Dennoch überwiegt hier die Nostalgie.
Jackass begleitet mich seit meiner Jugend. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und habe immer noch Spaß mit ihnen.
Ich war froh, Knoxville, Steve-O, Pontius und die anderen noch einmal gemeinsam zusehen.
Jackass: Einer geht noch ist kein perfekter Film, aber ein unterhaltsamer und sympathischer Abschluss einer außergewöhnlichen Reihe.
Die Freundschaft zwischen den Beteiligten ist weiterhin spürbar und ihre Reaktionen sorgen für viele der besten Momente.
Dazu kommen zahlreiche absurde Stunts, die teilweise wirklich zum Brüllen komisch sind.
Man sieht nicht einfach nur eine Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig Schmerzen zufügen. Man sieht eine Crew, die seit vielen Jahren zusammenarbeitet und deren gemeinsamer Weg langsam zu Ende geht.
Das verleiht dem Film eine emotionale Ebene.
Er erreicht nicht ganz die Frische und Überraschung der besten früheren Jackass Produktionen, bietet aber genug neue verrückte Szenen und Nostalgie, um Fans wie mich zufrieden zu stellen.
Am Ende bleibt deshalb ein unterhaltsamer, teilweise ekelhafter, teilweise schmerzhafter und überraschend emotionaler Abschied und endet mit einem großen Knall.
7/10 männliche Esel