Als The Bear 2022 mit der ersten Staffel gestartet ist, war das für mich eine riesige Überraschung. Die Serie hat sich unglaublich frisch angefühlt, sofort süchtig gemacht und mit ihren interessanten Figuren von Anfang an überzeugt. Auch inszenatorisch hat sie gleich ihre Muskeln spielen lassen und besonders Folge 7 (Review) war mit ihrem beeindruckenden One-Shot für mich das absolute Highlight der ersten Staffel. Ausserdem wurde bereits damals etabliert, dass die Folgen genau so lange dauern, wie sie es für die Geschichte müssen und sich nicht an eine starre Laufzeit klammern, etwas, was ich mir bei deutlich mehr Serien wünschen würde. Mit Staffel 2 hat man dann nicht einfach das Gleiche noch einmal gemacht, sondern kreativ neue Wege beschritten. Auch diese Staffel war extrem stark und beinhaltet mit der Folgen 4 (Honeydew) und 7 (Forks) zwei meiner absoluten Lieblingsfolgen der gesamten Serie. Die Staffeln 3 und 4 fühlten sich dann zwar ähnlich an und waren ebenfalls sehenswert, gleichzeitig war aber langsam ein Abwärtstrend erkennbar. Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass die Serie etwas zu sehr in die Länge gezogen wird und dadurch ein Teil ihrer ursprünglichen Magie verloren ging. Natürlich gab es mit Folgen wie z.B. (Napkins) aus Staffel 3 weiterhin absolute Highlights, insgesamt konnte das Niveau der ersten beiden Staffeln aber nicht mehr ganz gehalten werden. Umso überraschter war ich, wie stark Staffel 5 noch einmal abliefert. Die Staffel orientiert sich dabei ganz klar an der Erfolgsserie The Pitt und erzählt im Grunde einen einzigen Tag im Restaurant, setzt dabei aber nicht ganz so konsequent auf Echtzeit. Ein heftiges Unwetter sorgt zusätzlich dafür, dass die ohnehin schon angespannte Situation noch chaotischer wird. Da das Restaurant finanziell kurz vor dem Aus steht, steht an diesem Tag extrem viel auf dem Spiel und genau dadurch entsteht eine permanente Spannung. Die Hektik, die Dramen und der Druck machen diesen Tag zu einem echten Highlight der gesamten Serie. Besonders gelungen fand ich aber, dass die Staffel einen echten Zirkelschluss schafft und nahezu alles aufgreift, was die vorherigen Staffeln aufgebaut haben. Die Entwicklung der Figuren zahlt sich hier komplett aus und sorgt für ein sehr befriedigendes Gefühl. Zwar beginnt die Staffel für meinen Geschmack etwas zu bedächtig, steigert sich dann aber kontinuierlich und erreicht mit den Folgen 6 (Focaccia) und 7 (Caramel) ihren absoluten Höhepunkt. Das einstündige Finale spielt anschliessend nicht mehr am gleichen Tag, erzählt aber alle Handlungsstränge sauber zu Ende und lässt erfreulicherweise keine offenen Fragen zurück. Eine Serie für die Fans zufriedenstellend zu beenden ist die absolute Königsdisziplin, an der schon viele andere Serien gescheitert sind, doch The Bear gelingt genau das. Staffel 5 erreicht für mich zwar nicht ganz das Niveau der ersten beiden Staffeln, liegt aber nur ganz knapp dahinter und bekommt deshalb eine starke
8.5/10 Bewertung von mir. Die gleiche Bewertung vergebe ich auch der gesamten Serie, die für mich trotz kleinerer Schwächen in den späteren Staffeln zu den besten Serien der letzten Jahre gehört.