Obwohl Euphoria schon immer eine Serie war, die stärker von Atmosphäre, Stil und Emotionen als von einer besonders tiefgründigen Handlung lebte, war ich ein grosser Fan der ersten beiden Staffeln sowie der beiden Sonderfolgen. Die Serie überzeugte mit einer unglaublich kreativen und stilisierten Inszenierung, einer einzigartigen visuellen Handschrift und einem fantastischen Soundtrack von Labrinth, der den unverwechselbaren Charakter der Serie entscheidend mitprägte. Zudem hat Euphoria massgeblich dazu beigetragen, die Karrieren von Zendaya, Hunter Schafer, Sydney Sweeney und Jacob Elordi auf ein neues Niveau zu heben. Umso grösser waren die Erwartungen an die dritte und gleichzeitig letzte Staffel, auf die Fans ganze vier Jahre warten mussten. Die Gründe dafür waren vielfältig, die vollen Terminkalender der mittlerweile gefragten Darsteller, die Autorenstreiks in Hollywood und nicht zuletzt der tragische Tod von Angus Cloud. Leider hat sich diese lange Wartezeit meiner Meinung nach nicht unbedingt positiv auf die Serie ausgewirkt. Eine sinnvolle Entscheidung war der Zeitsprung von fünf Jahren, da die Schauspieler ihre jugendlichen Figuren inzwischen kaum noch glaubwürdig hätten verkörpern können. Wesentlich kritischer sehe ich dagegen den deutlichen tonalen Wandel der Staffel. Statt des vertrauten Highschool-Dramas entwickelt sich die Serie zunehmend in Richtung eines modernen Westerns mit starken Einflüssen von Breaking Bad, was sich besonders in den ersten Folgen ungewohnt und teilweise befremdlich anfühlt. Auch musikalisch verliert die Serie ein Stück ihrer Identität. Der neue Score von Hans Zimmer wirkt überraschend unauffällig und zählt sicherlich nicht zu seinen denkwürdigsten Arbeiten. Zwar hätte Labrinths Musik möglicherweise nicht mehr perfekt zum neuen Ton der Staffel gepasst, dennoch hinterlässt seine Abwesenheit eine spürbare Lücke. Darüber hinaus merkt man der Staffel häufig an, dass die Geschichten der Figuren unbedingt zu Ende erzählt werden mussten. Dadurch erhalten manche Charaktere deutlich weniger Raum als früher, während andere Figuren aus den ersten beiden Staffeln sogar komplett verschwinden. Das alles klingt deutlich negativer, als die Staffel letztlich ist, denn auch die dritte Staffel bietet immer wieder starke Szenen und grossartige Schauspielleistungen eines nach wie vor herausragenden Ensembles. Besonders die letzten beiden Episoden zeigen noch einmal, warum Euphoria so viele Fans gewinnen konnte. Sie sind spannend, dramatisch und gleichzeitig sehr emotional. Vor allem das Finale hat mir gefallen, weil es mutig und konsequent bleibt und nicht zwanghaft auf ein klassisches Happy End setzt. Insgesamt ist die dritte Staffel für mich zwar mit Abstand die schwächste der Serie und erreicht nur eine Wertung von
6,5/10, dennoch hatte ich auch hier noch eine gute Zeit. Vor allem die ersten beiden Staffeln bleiben für mich etwas Besonderes, weshalb Euphoria als Gesamtwerk trotz eines durchwachsenen Abschlusses immer noch eine
8/10 Bewertung verdient. Gleichzeitig bleibt nach dem Ende auch eine gewisse Wehmut zurück, denn trotz aller Schwächen fällt der Abschied von dieser einzigartigen Serie nicht leicht.