Blu-ray Forum → Blu−ray Talk, Kino & Filme, TV−Serien, VoD & Gewinnspiele → Blu−ray Filme & Kino

Victoria (von Sebastian Schipper)

Gestartet: 11 Juni 2015 15:41 - 14 Antworten

Geschrieben: 27 Juli 2015 22:51

Diverphil

Avatar Diverphil


Serientäter
Blu-ray Papst
Aktivität:
 
Hi Leute!
Dank eines Tipps von einem Kumpel, konnte ich heute doch noch "Victoria" im Kino nachholen und das war mein Eindruck:
Die Story handelt von einem etwa 20jährigen spanischen Mädchen namens Victoria (Laia Costa) ohne Deutsch-Kenntnisse. Zunächst ist sie in einem Techno-Club mitten in Ost-Berlin. Als sie diesen verlässt begegnet sie einer Gruppe ziemlich angeheiterter Jungs in ihrem Alter und kommt mit ihnen ins Gespräch. Kurz darauf lässt sie sich überreden mit ihnen zu kommen, was zunächst wie eine kleine intime Sauf-Party erscheint. Dann bekommt einer der Jungs einen Anruf und den Auftrag mit seinen Leuten einen Raubüberfall durchzuführen. Trotz anfänglicher Hemmungen lässt sich Victoria überzeugen ihnen zu helfen, was sich schon bald als großer Fehler offenbaren sollte. Wird sie ungeschoren aus der Sache rauskommen?
Der Film ist ein absolut gewagtes, aber sehr gelungenes Experiment, denn es handelt sich um einen Film ohne jeglichen Kameraschnitt. Bedenkt man dabei die Lauflänge von 139min klingt dies zunächst sehr gewagt, aber gerade die Kombination mit dem überaus gelungenen Soundtrack weiß sehr zu überzeugen. Man fühlt sich sozusagen als Zuschauer zu nahezu jedem Zeitpunkt Teil des Geschehens und fiebert über weite Strecken mit den verschiedenen Charakteren mit. Die Darsteller sind für ihre Rollen gut gewählt und zu fast jederzeit glaubwürdig. Die Gespräche finden zu 80% in englisch statt mit deutschem Untertitel. Nur wenn die Jungs oder keine an Victoria gerichtete Kommunikation stattfindet ist es in deutsch. Der Flair des Films ist unglaublich dicht, wird aber auch hin und wieder mit etwas zu viel Asi-Sprüchen oder kleinen Handlungspausen getrübt. Ob die Sprüche nun für diese Jugendsparte realistisch sind oder nicht, dürfte eines der Streitpunkte der Kritiker sein. Allerdings ist dieser Film keine leichte Kost und ist daher nur bedingt zur mehrfachen Sichtung geeignet.
Dieser Film überzeugt vor allem durch die meisterliche Kameraführung durch das nächtliche Berlin in Kombination mit einem extrem guten Soundtracks, der den ganzen Film trägt. Kleinere Schwächen wie die doch recht lange Laufzeit des Films und manche eher fragwürdigeren Asi-Sprüche bilden das negative Gegengewicht. Insgesammt bekommt der Film meinerseits 8,5/10P und ist wirklich im Vergleich zu dem ganzen Hollywood-Effekt-Kino mal etwas erfrischend anderes!
Geschrieben: 26 Aug 2015 18:41

agentsands

Avatar agentsands


Chefredakteur Filmdatenbank Importe
Blu-ray Guru
Aktivität:
 
Unfassbar! Der vielleicht beste und aufgrund seiner Machart alleinstehendste Film seit Jahrzehnten könnte von der Academy von der Bewerbung für den Oscar ausgeschlossen werden!
http://www.welt.de/kultur/kino/article145662627/Victoria-droht-Blockade-bei-Oscar-Nominierung.html

Grund: nicht genug deutsche Dialoge. Man glaubt es nicht. Was soll es denn wieder werden? Ein DDR Schinken? Ein Nazischinken, am besten mit Iris Berben und der Verres? Es ist nur noch zum Kopfschütteln.
Kompetenzlos ohne Ende. Da werden 51% Deutsch und Spanisch gesprochen und 49% 'Englisch' mit starkem Akzent (erlaubt sind 41%, wer legt so etwas fest? Wieso nicht 41,236%??) und das auch nur aufgrund der Thematik!

Weiter:
"Seit letztem Jahr hat die Akademie die Spielregeln entscheidend geändert. Die Vorauswahl wird zwar weiterhin von einem Komitee besorgt, aber für die fünf Nominierten verschickt die Akademie nun CDs an sämtliche Mitglieder, wie in allen anderen Kategorien. Die potenzielle Wählerschaft steigt also von rund 200 plötzlich auf 6000, mit ganz anderem Alters- und Bildungshintergrund.
Die nationale Auswahl muss nach anderen Kriterien erfolgen als bisher – obwohl es noch ungewisser ist, was diese Kriterien sein könnten. Die Annahme liegt nahe, dass eine verjüngte Wählerschaft immer weniger darauf sehen wird, wie Deutschland mit seiner in die Jahre geratenen jüngeren Vergangenheit ringt; es wird darum gehen, über die Latte internationaler Standards der Ästhetik, des Geschichtenerzählens und der technischen Innovation zu springen.

"Victoria" erfüllt diese neuen Maßstäbe im Überfluss; Mainstream-Hollywood wird sich den Film genau anschauen und – wie bei der Nouvelle Vague oder den Dogma-Dänen – jene Elemente aneignen, die es zu seiner eigenen Blutauffrischung braucht. Seit "Lola rennt" hat es keinen solchen deutschen Film gegeben. "Victoria" ist der deutsche Filmexportartikel schlechthin, weil es so viel über diese Nation des auseinander brechenden Wohlstands sagt wie kein anderer und es außerdem in einem Sprachenmischmasch sagt, der von New York bis Shanghai verstanden werden kann. Gerade erst hat der amerikanische Verleih beschlossen, "Victoria" mit 75 Kopien in die US-Kinos zu bringen, obwohl europäische Filme üblicherweise mit einigen wenigen Kopien gestartet werden, um die Reaktion zu testen.

Es wäre ein böser Fall von Ironie, wenn dieser Film, dem die vom deutschen Kino geforderte Internationalität so mühelos gelingt wie keinem anderen, genau deswegen der Weg in die Welt versperrt würde, denn der Oscar ist dieses Tor, durch das ein Film hindurch muss. Das Auswahlgremium sollte nicht zögern und "Victoria" auf den Weg schicken; am Donnerstag erfolgt die Bekanntgabe. Eine Berufung bei der Academy, eine Sondergenehmigung zu erteilen, ist gestellt. Und sollte ihr nicht entsprochen werden, hätten die Deutschen bis zum 1. Oktober Zeit, einen Ersatzkandidaten ins Rennen zu schicken."

Wie seht ihr das?
agentsands


Forenmod Serienthread - Kinothread - DB Import
Geschrieben: 27 Nov 2016 21:00

Gast

Vorhin auf Netflix geschaut und fand ihn überraschenderweise richtig gut.

Die erste Stunde hat sich zwar zwischendurch gezogen, aber spätestens danach nimmt der Film an Fahrt auf. Ein deutscher Film, der keineswegs billig aussieht, sondern, trotz der kompletten Aufnahme von über 2 Stunden ohne Pause, ein optischer Leckerbissen mit brilliantem Soundtrack und sehr überzeugenden Schauspielern. Tatsächlich stört mich bei deutschen Filmen neben dem billigen TV-Look die übertriebene Gestik der Akteure, hier aber wurde darauf verzichtet und die Dialoge (teils improvisiert) sowie die Schauspielleistungen waren komplett überzeugend und wirklich realitätsnah. Toller deutscher Film, der deutlich mehr Aufmerksamkeit, gerade in Deutschland, verdient hätte.

Kennt jemand das Budget und das Einspiel? Würde mich interessieren, wie viel er gekostet hat und ob er zumindest in Deutschland gut in den Kinos lief.
Geschrieben: 27 Nov 2016 21:47

agentsands

Avatar agentsands


Chefredakteur Filmdatenbank Importe
Blu-ray Guru
Aktivität:
 
Budget war exakt 1 Mio. Euro.
Einspiel knapp 3 Mio, davon 2,765 Mio in Deutschland und 155 Tausend in UK.
http://www.boxofficemojo.com/movies/?page=intl&id=victoria.htm
agentsands


Forenmod Serienthread - Kinothread - DB Import
Geschrieben: 26 Dez 2016 20:17

r2d2

Avatar r2d2


Blu-ray Fan
Aktivität:
 
Deutschland
Ennepetal
Forenposts: 912
Clubposts: 6
seit 30.05.2009
LG LG 70UK6950PLA
Panasonic DMP-BDT110
Blu-ray Filme:
PS 3 Spiele:
X1 Spiele:
Steelbooks:
6
Mediabooks:
5
Bedankte sich 3 mal.
Erhielt 184 Danke für 124 Beiträge


Hab den auch dieses Jahr auf Netflix gesehen. Fand ich echt einen klasse Film.


Beitrag Kommentieren

Noch 160 Zeichen

Blu-ray Forum → Blu−ray Talk, Kino & Filme, TV−Serien, VoD & Gewinnspiele → Blu−ray Filme & Kino

Es sind 13 Benutzer und 532 Gäste online.