Michael 6.5/10 (4K)
Michael Jackson (Jaafar Jackson) wächst unter dem strengen Einfluss
seines Vaters (Colman Domingo) auf und wird mit den Jackson 5 früh
berühmt. Trotz seines Erfolgs erlebt er harten Drill, familiären
Druck und persönliche Konflikte. Als Solokünstler versucht er,
zwischen Ruhm, Erwartungen und Privatleben seine eigene Identität
zu finden.
Ich würde mich nicht als Hardcore Michael Jackson Fan bezeichnen,
aber ich liebe viele seiner Songs bis heute und für mich ist er
unbestritten einer der grössten Künstler der Popgeschichte, einen
Künstler von dieser Dimension wird es wahrscheinlich kein zweites
Mal geben. Als der Film Michael angekündigt wurde, war ich
allerdings zunächst sehr skeptisch, da die Familie Jackson als
Produzenten beteiligt ist und ich mir deshalb nur schwer vorstellen
konnte, dass wirklich alle Seiten seines Lebens kritisch beleuchtet
werden. Ausserdem hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass eine
hochwertig produzierte Serie die bessere Wahl gewesen wäre, weil
Michael Jacksons Leben und seine jahrzehntelange Karriere schlicht
zu umfangreich sind, um sie in einem einzigen Film angemessen zu
erzählen. Diese Befürchtung bestätigt sich nach der Sichtung
leider, denn der Film presst mehr als 20 Jahre in rund zwei Stunden
und vermittelt dadurch letztlich nur ein sehr oberflächliches Bild
von Michael Jackson. Besonders schade ist, dass dadurch kaum Raum
bleibt, um seine Persönlichkeit, seine inneren Konflikte oder die
Entwicklung seiner künstlerischen Vision wirklich zu verstehen.
Auch die Dialoge wirken teilweise sehr einfach und glattgebügelt,
während ich mir einen deutlich tieferen Einblick in seine kreativen
Prozesse gewünscht hätte. Die Kritik daran, dass die
Missbrauchsvorwürfe im Film keine Rolle spielen, sehe ich dagegen
etwas differenzierter, da sich der Film noch gar nicht mit diesem
Abschnitt seines Lebens beschäftigt. Für mich ist das deshalb
grundsätzlich in Ordnung, allerdings wird der bereits angekündigte
zweite Teil daran gemessen werden müssen, wie ernsthaft und
differenziert dieses schwierige Kapitel behandelt wird.
Interessanterweise versucht der Film bei Joe Jackson zumindest, ein
Bild von einem extrem strengen und fordernden Vater zu zeichnen,
bleibt dabei aber ebenfalls auffällig zurückhaltend. Colman Domingo
macht daraus trotzdem eine der stärksten Leistungen des Films, weil
er Joe Jackson glaubhaft als dominante und einschüchternde Figur
verkörpert. Seine grössten Stärken zeigt Michael jedoch immer dann,
wenn Musik gespielt und getanzt wird, denn diese Szenen sind
beeindruckend inszeniert und entwickeln eine Energie, die mich
teilweise komplett in den Film eintauchen liess. Vor allem Jaafar
Jackson überzeugt dabei auf ganzer Linie und schafft es erstaunlich
gut, Michael Jacksons Bewegungen, Ausstrahlung und Verletzlichkeit
einzufangen, sodass ich ihm die Rolle in vielen Momenten
vollständig abgenommen habe. Auch in den ruhigeren Szenen
funktioniert seine Darstellung überraschend gut, weil er die
gutmütige und gleichzeitig verletzliche Seite von Michael
überzeugend transportiert, während Maske und CGI zusätzlich für
eine grosse äusserliche Ähnlichkeit sorgen. Weniger gelungen fand
ich dagegen einige CG Entscheidungen, insbesondere den Schimpansen,
da solche künstlichen Momente für mich schnell die Immersion
zerstören und meiner Meinung nach besser hätten vermieden werden
können. Unter dem Strich ist Michael deshalb nicht ganz der Film
geworden, den ich mir gewünscht hätte, eine wirklich tiefgehende
Auseinandersetzung mit Michael Jackson als Mensch, Künstler und
musikalischem Genie bleibt leider aus, trotzdem ist der Film dank
seiner Musik, der Tanzszenen und einiger hervorragender Darsteller
ein unterhaltsames Biopic, dass vor allem dann funktioniert, wenn
Michael Jackson auf der Bühne steht.