Xanadu Staffel 1
Story 8
Bild 7
Ton 5
Ausstattung 0
Gesamt 4
Xanadu ist eine Serie, die in den USA vermutlich nicht einmal auf dem risikofreudigen Premium-Sender HBO möglich gewesen wäre: Die Produktion des deutsch-französischen Senders ARTE erzählt die Geschichte einer Porno-Produktionsfirma, die zwischen erotischer Tradition und modernem Hardcore ums Überleben kämpft.
Story
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Xanadu erzählt in acht Folgen die Geschichte der gleichnamigen Porno-Produktionsfirma im Besitz der Familie Valadine. Vater und Unternehmensgründer Alex (J.-B. Malarte) fühlt sich althergebrachter Ästhetik verpflichtet und möchte mit seinen Filmen nicht nur Sex darstellen, sondern auch Stil wahren. Er fühlt sich damit seiner ersten, verstorbenen Frau (E. Jess) verpflichtet, die Xanadu als Star erst groß machte. Sein Sohn Laurent (J. Boisselier) will sich dagegen dem Wandel der Zeit hingeben. Er spricht sich für härtere Machwerke ohne lästige Hintergrundgeschichten aus. Auf diese Weise entwickelt sich in ARTEs
Xanadu eine Geschichte, die nicht nur den Wandel der Pornobranche widerspiegelt, sondern auch einen Generationen- und Familienkonflikt ins Zentrum rückt.
Wer nicht gerade zu den ARTE-Dauerzuschauern gehört, hat von
Xanadu vermutlich noch nie etwas gehört. Die französische Produktion ist auch aufgrund der heiklen Thematik in Deutschland eher unbekannt und entging auf ihrem nachtschlafenden Sendeplatz dem Gros der Zuschauer. Zu Unrecht, denn obwohl es ein Leichtes gewesen wäre hier entweder in schlüpfrigen Humor abzudriften oder mit nackten Tatsachen Zuschauer zu ködern, erzählt
Xanadu ein komplexes Drama in einem ungewöhnlichen Setting. Die Grundidee erinnert ein wenig an HBOs Six Feet Under, wo ebenfalls ein gespaltenes Familienunternehmen mit ausgefallenem Gewerbe (Bestattung) im Zentrum stand.
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Xanadu ergötzt sich weniger an erotischen Darstellungen, obwohl es diese natürlich auch gibt, als dass die Serie anhand ihrer Charaktere aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen illustriert. Etwa sind die Biografien der Figuren sehr vielschichtig, so wie die des Porno-Patriarchen Alex, dessen erste Frau unter mysteriösen Umständen zu Tode kam. Alex lebt in einer schwierigen Ehe mit seiner neuen Frau Varvara und muss zusätzlich Konflikte mit seinem Sohn Laurent austragen. Alex und Laurent verkörpern nicht nur verschiedene Generationen, sondern auch stark voneinander abweichende Wertvorstellungen, die weit über die Pornoindustrie hinausgehen. Letztere wird in
Xanadu gekonnt nicht aus einem voyeuristischen Blickwinkel belächelt, sondern als normales Element der Gesellschaft gezeigt. Das hebt
Xanadu positiv von anderen Produktionen ab, zumal auch die weiteren Mitglieder der Familie Valadine, wie der zweite Sohn Lapo und Alex Tocher Sarah ihren Einfluss auf die
Xanadu-Produktionen nehmen wollen. Sie alle sind dreidimensionale Charaktere, deren Entwicklung man gerne verfolgt.
Am Ende ist
Xanadu eine starke Drama-Serie mit ungewöhnlichem Setting, die in dieser Form wohl nur in Europa entstehen konnte. Einziger Kritikpunkt ist die stellenweise arg bedrückende Inszenierung, die einigen Zuschauern zu düster sein könnte. Es ist zwar lobenswert, dass man auf flache Witze verzichtet, etwas augenzwinkernde Ironie hätte die Serie aber manchmal doch auflockern können.
Bildqualität
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Videocodec MPEG4-AVC, Ansichtsverhältnis 1,78:1, Auflösung 1080p
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sehr organischer Retro-Look im Stil von Filmen aus den 1970ern und 1980ern
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Szenenweise mal mehr, mal weniger Filmkorn
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Farben wirken sehr gemäßigt bis verwaschen
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stabile Schwarzwerte
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insgesamt eine gewollt kontrastarme und triste Optik, die gut zur Serie passt
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Das Bild von
Xanadu ist bewusst an Filme der 1970er und 1980er Jahre angelehnt und unterstreicht die realistische und zum Teil triste Atmosphäre der Drama-Serie. Die gemäßigten Farben, gekoppelt mit dem stellenweise hervortretenden Filmkorn, treffen sicher nicht jedermanns Geschmack, spiegeln die TV-Ausstrahlung aber gut wider.
Xanadu ist außerdem sehr kreativ und eigenwillig gefilmt und kann Anhänger von Indie-Ästhetik mit Sicherheit begeistern. Wer allerdings ein gestochen scharfes, kontrastreiches Bild wie bei einigen US-Produktionen erwartet, wird ernüchtert zurückbleiben.
Tonqualität
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Deutsch (Dolby Digital 2.0); Französisch (Dolby Digital 2.0)
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Originalton und deutsche Spur leider nur in verlustbehaftetem Stereo
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klar abgesetzte Dialoge und professionell gemachte deutsche Synchronisation
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toller Indie-Soundtrack
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naturgemäß frontlastiger, recht unspektakulärer Mix
Der Ton ist ähnlich hüllenlos wie manche Darstellerin in der Serie: Leider bleibt es sowohl beim französischen Originalton als auch bei der deutschen Synchronisation bei einer verlustbehafteten Stereo-Abmischung. Räumlichkeit kommt so naturgemäß nicht auf. Immerhin ist die Dialogverständlichkeit sehr gut und die deutschen Sprecher, unter anderem der bekannte Andreas Fröhlich, machen ihren Job ausgezeichnet.
Ausstattung
Bis auf Trailer zu anderen Filmen enthalten die
Xanadu Blu-rays leider keinerlei Extras.
Fazit
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Technisch gesehen gibt sich
Xanadu durchwachsen: Die kunstvollen Aufnahmen der Serie sind bewusst in einem altmodischen, fast verwaschenen Look gehalten, der auf Blu-ray in seiner Spröde gut zur Geltung kommt. Der Stereo-Ton ist leider nicht mehr zeitgemäß und bestenfalls zweckmäßig. Auch die Abwesenheit von Extras spricht nicht gerade für Sunfilms Veröffentlichung.
Die Serie selbst ist dagegen eine positive Überraschung und erzählt frei von Klischees eine spannende Geschichte um die Familie Valadine. Die Pornobranche dient zwar als Setting, die Macher widerstehen aber dem Reiz Hochglanz-Sex oder schlüpfrige Witze unters Volk zu bringen und präsentieren stattdessen Drama und Gesellschaftskritik durch dreidimensionale Charaktere. Wer Serien wie
Six Feet Under oder
Die Sopranos mag und vielleicht ergänzend ein Faible für europäische Indie-Filme hat, findet in
Xanadu eine sehenswerte Kombination. (anw)
Kaufempfehlung6 von 10
Die Kaufempfehlung der Xanadu - Staffel 1 Blu-ray wird anhand der technischen Bewertung und unter Berücksichtigung der Story berechnet.
Testgeräte
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