Zitat:
Zitat von IcePiQ;842764
Ich finde es auch als nicht intimer Kenner der Materie teilweise erstaunlich wie schlecht manche Anspielungen umgesetzt sind,
Das stimmt.
Oftmals verliert man aber auch Information, weil die Anspielungen zwar gut, aber die Filme nicht bekannt sind.
Ich hab mich schlapp gelacht bei einer Szene in "Der Grinch" und gleichzeitig gewundert, dass 9/10 Bekannten und Freunde, die Anspielung nicht verstanden ja sogar komplett übersehen haben. (Umgekerht gibts das natürlich auch. Bin nicht immer in der glücklichen Lage alle Anspielungen zu entdecken).
In dem Film "Der Grinch" kommt eine herrliche Szene vor (für mich fast die beste des Films), in welcher der Grinch bei den Who's als Festtagsmeister gefeiert wird und bei einem Sackhüpfwettbewerb ein paar Kinder, die mithüpfen rechts und links aus der Bahn stößt.
Der Gag an der Szene ist aber nicht das unlautere sich an die Spitze boxen, sondern die Tatsache, dass die Kamera plötzlich auf Zeitlupe schaltet, während der Grinch mit Sack in Zeitlupe langsam durch die Ziellinie hüpft und mit erhobenen Händen und Siegergeste die Zielschnur durchreißt.
Dazu wird im Hintergrund die Filmmusik von "Chariots of Fire" eingespielt.
Zeitlupe und Wettlauf sind eindeutig dem Film Chariots of Fire entnommen.
DAS finde ich unsagbar komisch.
Chariots of Fire ist ein - die meisten würden sagen: langweiliges - eher nüchternes Drama um Religionsfreiheit und Diskriminierung. Am Ende steht der Befreiungsschlag der Protagonisten (in dem Falle Sportler, die einen Wettlauf 100 m und 400 m antreten).
Zwei Personen aus dem Film CoF werden aufgrund ihrer Religion diskriminiert und wollen sich der Diskriminierung einfach nicht fügen, nicht unterordnen.
Und beim Grinch? Nun ja, auch der Grinch wird ja diskriminiert aufgrund seiner andersartigen, merkwürdigen (wirklich merkwürdigen?) Vorstellungen von Weihnachten, seinem Verhalten und seinem Aussehen. Grinch und Chariots of Fire. Beide Filme im nüchternen Urpsrung gar nicht so unverwandt - obwohl dem einen Blödelei und dem anderen trockene Langeweile vorgeworfen wird.
Die Parallele: Quatschfilm "Grinch" / ernstes Drama "Chariots of Fire" tritt so originell hervor und überrascht mit dem plötzlichen vermeintlichen Stilbruch, dass es eine helle Freude ist.
Und trotzdem: 9/10 aus meinem Bekanntenkreis hatten keinen Plan wovon ich spreche (Szene mehrmals vorgeführt).
Ein genialer Gag. Und doch in den meisten Fällen verloren. Leider hilft bei sowas auch das Schauen in Originalsprache nicht weiter. Der Gag kann ja nur optisch (Zeitlupe, Bildkomposition) und über die Musik erfasst werden.
Ich denke, dass solche Verluste (Anspielungen, soziologische Gegebenheiten etc) wesentlich höheren Anteil am Verlust von erlebter Authenzität haben, als das Schauen in deutscher Synchro, das dem vorangegangenen Verlust nur nochmal ein i-Tüpfelchen drauf setzt.
Nur meine Meinung.