Habe den Film nun gestern auch gesehen.
Over Your Dead Body ist ein Film, der viele interessante Ideen miteinander verbinden möchte. Horror, Psychodrama und traditionelles Theater verschmelzen zu einer Geschichte, in der Realität und Inszenierung zunehmend ineinander übergehen.
Positiv fällt zunächst die Atmosphäre auf. Die Inszenierung ist ruhig, die Bilder wirken hochwertig und viele Szenen sind optisch sehr ansprechend. Besonders die Verbindung der Theaterkulissen mit den Ereignissen außerhalb der Bühne sorgt immer wieder für eine ungewöhnliche Stimmung. Der Film nimmt sich viel Zeit für seine Bildsprache und setzt eher auf subtile Spannung, als auf Schockmomente. Dadurch entsteht stellenweise eine dichte, beinahe traumartige Atmosphäre. Dabei spielt die außergewöhnlichen Erzählstruktur eine wichtige Rolle.
Auch die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt solide. Die Darsteller erfüllen ihre Rollen überzeugend und tragen dazu bei, dass die Geschichte trotz ihres gemächlichen Tempos glaubwürdig bleibt. Vor allem die schleichende Veränderung einzelner Figuren wird nachvollziehbar dargestellt, auch wenn nicht jede Figur genügend Tiefe erhält. Allerdings wirkt Segel ein wenig fehlbesetzt. Solche Rollen sind einfach nicht seine Stärke. Samara Weaving hingegen macht ihre Sache schon besser und spielt in Rolle mehr als glaubwürdiger. Das Potenzial von Timothy Olyphant und Juliette Lewis wurden mehr als verschenkt.
Die große Schwäche ist die Handlung, die sich nur sehr langsam weiterentwickelt. Viele Szenen wiederholen ähnliche Motive oder verweilen länger als nötig, wodurch sich das Erzähltempo deutlich ausbremst. Statt die Spannung kontinuierlich zu steigern, wirkt der Film häufig langatmig. Gerade in der zweiten Hälfte hätte eine straffere Erzählweise der Geschichte gutgetan.Die vorhandenen Splattereffekte sind handwerklich ordentlich umgesetzt und wirken nicht billig. Blut und Verletzungen sehen überzeugend aus und passen zum düsteren Gesamtbild. Die Intensität ist defenitiv vorhanden. Allerdings wirkt der Splatteranteil ab der zweiten Hälfte deplaziert und passt nicht wirklich so ganz ins Geschehen rein. Das kommt alles zu übertrieben rüber.
Positiv hervorzuheben ist zudem die hochwertige Kameraarbeit. Gerade die Kombination aus Theaterkulissen, traditioneller Ästhetik und düsterer Beleuchtung sorgt für einige starke Bilder. Dadurch wirken selbst ruhigere Szenen optisch interessant.
Das Ende passt zwar gut zum surrealen Stil des Films, hinterlässt jedoch einen gemischten Eindruck. Einerseits bleibt Raum für eigene Interpretationen, andererseits wirken einige Handlungsstränge unvollständig und beantworten wichtige Fragen nicht zufriedenstellend. Dadurch endet der Film eher offen als wirklich überzeugend.
Over Your Dead Body bietet einige schöne Bilder und eine ungewöhnliche Grundidee, verliert sich aber zu oft in seiner langsamen Erzählweise und bleibt emotional etwas distanziert. Am Ende überwiegt ein gemischter Eindruck für mich.
Er bietet solide Unterhaltung, mehr aber auch nicht. Kann man sich mal angucken. Ich gehe da mehr mit
@agentsands mit.
6/10 Bodys