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Axolution - Tödliche Begegnung (1988) aka Edge of the Axe (Limited Mediabook Edition)

Gestartet: 10 Juni 2022 06:21 - 0 Antworten

#1
Geschrieben: 10 Juni 2022 06:21

Michael Speier

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Film: 7/10
Bild: 8/10
Ton: 6/10
Ausstattung: 5/10

Vermutlich wird der Name José Ramón Larraz bestenfalls eingefleischten Genrefans etwas sagen, dabei war der spanische Filmemacher und Comiczeichner ein fähiger Mann, dessen Werke auch durchaus von Amicus- oder Hammer hätten sein können. Mit „Axolution – Tödliche Begegnung“ welcher hier unter „Edge of the Axe“ im ausgesuchten Handel erscheint, bringt Cinestrange Extreme einen seiner letzten Filme in Form verschiedener limitierter Mediabooks in den Handel. Was der Film zu bieten hat und wie sich die im Set befindliche Blu-ray Disc in technischer Hinsicht schlägt klärt die nun folgende Rezension.

Film:
Eine grausame Mordserie versetzt die Kleinstadt Patterson in Angst und Schrecken. Die weiblichen Leichen haben zwei Dinge gemeinsam: Sie wurden mit einer Axt zerstümmelt und arbeiteten alle in Nervenkliniken. Trotz der verzweifelten Bemühungen des neuen Sheriffs, den - offensichtlich geistesgestörten - Mörder zu finden, geschehen immer mehr Morde. Bis eines Tages die junge Lillian den Täter zu kennen glaubt. Ihr Cousin Charley lag vor Jahren nach einem Unfall in der Nervenklinik. Doch wer ist Charley? (Pressetext Cinestrange Extreme)

Obwohl es sich hier um eine spanische Produktion handelt, die größtenteils in der Nähe von Madrid abgedreht wurde, würden vermutlich die Meisten Zuschauer jederzeit annehmen, hier eine amerikanischen Slasherfilm im Player zu haben. Dabei wurden zahlreiche Außenaufnahmen aus den Staaten mit den in Spanien angefertigten Aufnahmen der Darsteller, so gut vermischt, dass der Eindruck entsteht, sie wären dort gewesen. Auch ansonsten versprüht der Film den typischen Charme amerikanischer Kleinstädte und fühlt sich an, wie ein klassischer US-Slasher. Gedreht wurde ebenfalls auf Englisch und durch den Einsatz überwiegend amerikanischer Darsteller, wird die Illusion perfekt. Aber eigentlich spielt es ja keine Rolle, wo etwas gedreht wurde und wo etwas spielt, sofern der Film inszenatorisch gut gemacht ist. Und in dieser Hinsicht kann „Axolution“ ebenfalls komplett überzeugen. Bereits in den ersten Minuten bekommen wir einen brutalen Mord am helllichten Tag zu sehen, und es soll nicht der letzte bleiben. Der maskierte Killer, dessen ausdruckslose, weiße Maske ein wenig an Michael Myers erinnert, schlägt erbarmungslos, aber zielgerichtet zu, und da einige Opfer den Mörder zu kennen scheinen, entsteht ganz nebenbei noch eine akkurate, spannende Krimihandlung, bei der es um die Identität des Axtschwingenden Killers geht. Obwohl der Film sich selbst recht ernst nimmt, bekommen wir dennoch ein paar humorvolle Einlagen in Form von lockeren Dialogen geboten – als Beispiel ist hier die Tatortbegehung am Bahnhof genannt, in welcher der Sheriff sich darüber beklagt, dass er sich bei seinem Gehalt nicht den Luxus einer 100-Dollar-Prostituierten leisten kann, was von den Gesprächsteilnehmern mit einem schmunzelnden „Stimmt“ kommentiert wird. Herrlich!

Der Regisseur hielt „Axolution“ für seinen schlechtesten Film. Wenn das so ist, dann sollte es sich lohnen, die anderen Filme einmal näher in Augenschein zu nehmen, denn tatsächlich ist „Axolution“ ein solider, gut gemachter und inhaltlich packender Slasher, der sich hinter den Genregrößen nicht zu verstecken braucht, und mit einer großartigen Schlusspointe aufwarten kann. Lediglich die Tatsache, dass er Ende der 1980er erschien, als das Genre bereits im Wandel war und die Nachfrage langsam abebbte, dürfte schuld daran sein, dass diesem Film international nicht deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteilwurde. Jetzt bietet sich die Gelegenheit, diesen vergessenen Klassiker neu zu entdecken – und es lohnt sich! Genrefans werden ihre helle Freude mit diesem Kleinod haben.

Bild: 
Dem körnigen Bild im Ansichtsverhältnis von 1,85:1 merkt man das Alter von rund dreißig Jahren nur selten an. Die Restauration ist hervorragend und lässt kaum zu Wünschen offen. Die Schärfe bewegt sich nahezu durchgängig auf einem sehr guten Niveau und selbst in dunklen Szenen lassen sich noch kleinere Details ausmachen. Die Farben sind genreüblich ein wenig erdig aber jederzeit sehr natürlich. Der Film sieht durchgängig so aus, wie man es von einen Slasher aus den 1980er-Jahren erwartet, ohne dass dabei altersbedingte Mängel wie Kratzer, Verunreinigungen oder ähnliches den Filmgenuss trüben. Auch der Kontrast ist gut eingestellt und wir bekommen tiefes, dunkles schwarz zu sehen.

Ton:
Der Ton liegt in deutscher Synchronfassung sowie im englischen Originalton in Dolby Digital 2.0 vor und klingt in seiner deutschen Fassung den Umständen entsprechend sehr gut. Die Dialoge sind in der deutschen Version klar priorisiert und klingen frisch und klar, die Musik gliedert sich perfekt unter und die Umgebungsgeräusche klingen ebenfalls harmonisch und dynamisch. Im Gegensatz zum englischen Originalton, bei dem sich mitunter je nach Darsteller ein, mal mehr mal weniger, starker Akzent heraushören lässt, bekommen wir bei Außenaufnahmen in der deutschen Synchronfassung ein permanentes Grillenzirpen zu hören, welches im O-Ton nicht vorhanden ist. Warum und weshalb erschließt sich nicht ganz, und obendrein klingt das immergleiche Geräusch mitunter ein wenig nervig.

Ausstattung:
Das Bonusmaterial besteht aus drei Interviews. Zum einen kommen die beiden Hauptdarsteller Barton Faulks (Geralds Game) und Page Mosely (The Actors Grind) zu Wort, und zum anderen gibt sich Spezialeffekteguru Colin Arthur (The Pain in Spain) die Ehre ein paar Worte zur Produktion zu sagen. Obendrein gibt es noch den alten deutschen Vorspann, ein Musikvideo der „Ghetto Ghouls“ sowie eine Bildergalerie und den obligatorischen Trailer obendrauf. Das hochwertige Mediabook enthält ein sehr aufschlussreiches Booklet mit einer psychologischen Analyse des Films.

Fazit:
Der Film ist ein Kleinod des Slasherfilms, welches sich zu entdecken lohnt. Eine großartige Atmosphäre, gut gemachte Kills und vor allen Dingen eine überraschende Wendung zum Schluss, die den Film im Nachhinein sogar noch ein wenig aufwertet. Wer an 1980er-Jahre-Slasher Gefallen findet, der liegt hier goldrichtig. Die technische Seite kann sich auch sehen und hören lassen, und abgesehen von der schicken Sonderverpackung mit einem äußerst informativen Booklettext zu den psychologischen Hintergründen des Killers bekommen wir auch noch ein paar Interviews zu sehen.

 


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