Zitat von Wicked-Vision Media
Und wieder ist eine Legende von uns gegangen.
Umberto Lenzi ist im Alter von 86 Jahren gestorben!
Zu sagen, dass diese Nachricht ein Schock ist, wäre untertrieben - der Mann war eine absolute Legende des italienischen Genrefilms, und hat bei uns von Wicked Vision einen Stellenwert inne, wie nicht viele andere Filmemacher.
Erst im letzten Monat waren wir noch bei unseren Freunden vom
Filmclub BALI - Das kleine Bahnhofskino in der Pelmke zu Gast, die Lenzi mit einem Programm würdigten.
Kommt das Thema auf italienische Genreregisseure zu sprechen, fallen zumeist die gleichen Namen, die - wenn man sie so nennen will - grossen Drei: Mario Bava, Dario Argento und Lucio Fulci.
Allesamt Meister ihres Fachs, aber gröstenteils nur für ein Genre wirklich bekannt.
Umberto Lenzi hingegen war ein absoluter "Hansdampf in allen Gassen", der sich im Laufe seiner fast vierzigjährigen Karriere durch so ziemlich alle Genres gewuselt hat, die das italienische Kino der Fünfziger bis Neunziger Jahre beherrschten.
Er begann seine Karriere (offiziell) im Jahr 1961 mit PIRATENKAPITÄN MARY, einem - wie sollte es bei dem Titel ander sein - Piratenfilm mit Lisa Gastoni und Walter Barnes.
In den nächsten Jahren beackerte er so ziemlich jedes zur damaligen Zeit beliebte Genre - Drama (KATHARINA VON RUSSLAND), Abenteuer (ROBIN HOOD - DER LÖWE VON SHERWOOD), Sandalenfilm (DER LETZTE DER GLADIATOREN), Western (EIN COLT FÜR HUNDERT SÄRGE), Kriegsfilm (FÜNF GEGEN CASABLANCA)...
1969 lieferte er dann seinen ersten Giallo ab, ORGASMO, dem noch weitere folgen sollten, wie DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS oder LABYRINTH DES SCHRECKENS.
In den siebziger Jahren startete Lenzi dann in sein umtriebigstes und aktivstes Jahrzehnt als Filmemacher, in dem er in den Genres startete, für die er bei den Fans den grössten Ruhm einheimste: dem Poliziottesco und dem Horrorfilm.
Alleine mit dem genialen (und auch in diesem Jahr verstorbenen) Tomas Milian drehte Lenzi einen ganzen Bund absoluter Klassiker: DER BERSERKER, FLASH SOLO, DIE KRÖTE, DAS SCHLITZOHR UND DER BULLE. Auch mit dem anderen grossen Namen des Poliziottesco, dem viel zu früh verstorbenen Maurizio Merli, drehte Lenzi eine Reihe Filme, die ihresgleichen suchten: CAMORRA - EIN BULLE RÄUMT AUF, VON CORLEONE NACH BROOKLYN und DIE GEWALT BIN ICH (in dem auch Tomas Milian mitspielte).
Bereits kurz vor seinem Einstieg in den Polizeifilm drehte Lenzi ein Werk (manche würden sogar Machwerk sagen), mit der er seinen (unverdienten) Ruf als Schmuddelfilmer weghatte: MONDO CANNIBALE.
Der Film war mehr oder weniger die Initialzündung für das Subgenre des Kannibalenfilms, das knapp acht Jahre später über die Kinos des Kontinents hereinbrechen sollte.
Seine späteren Beiträge LEBENDIG GEFRESSEN und DIE RACHE DER KANNIBALEN standen dann, was Gewalt und Ekeligkeiten angeht, dem "Magnum Opus" seines Landsmannes Ruggero Deodato - CANNIBAL HOLOCAUST - in nichts nach.
In den Achtzigern drehte Umberto Lenzi dann - dem Markt geschuldet - vermehrt "normale" Horrorfilme.
Allen voran sein wahrscheinlich bekanntestes Werk aus diesem Bereich, "Incubo sulla cittá contaminata", Exporttitel "Nightmare City". In Deutschland? GROSSANGRIFF DER ZOMBIES.
Weitere Film in dieser Schaffensphase waren unter anderem GHOSTHOUSE, GATES OF HELL, NIGHTMARE BEACH und sein erster echter Zombiefilm - BLACK ZOMBIES.
1992, im Alter von 61 Jahren, beendete Lenzi dann seine Karriere als Regisseur.
Sein "Schwanengesang" hiess MEAN TRICKS, ein sich stark an amerikanischen Produktionen der damaligen Zeit orientierender Actionthriller, in dem er ein letztes Mal mit einem anderen Großen des italienischen Genrefilms zusammenarbeitete: David Warbeck.
Danach begann Lenzi eine Karriere als Autor.
Aber so ganz konnte er - natürlich - nicht die Finger vom Film lassen.
Eine ganze Reihe seiner in den 30er und 40er Jahren angesiedelten Krimis spielten in Cinécittá, dem berühmten römischen Studiokomplex, und es tauchten als Nebenfiguren auch immer wieder mal real existierende italienische Filmschaffende auf.
Und jetzt ist er also von uns gegangen.
Ein wahrhaft grosser europäischer Filmemacher, ein Mann, der den Film im Herzen hatte.
Mille grazie, Maestro!
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